Lehrer-Kolumne : Das Lehrerzimmer

Unser Kolumnist entführt die Leser dieses Mal in das Reich der Lehrer, das die meisten Schüler nie zu Gesicht bekommen.

Welch mysteriöser Ort, der den meisten Schülern ein Leben lang verschlossen bleibt: das Lehrerzimmer. Die meisten Schüler kennen lediglich die äußere Seite der Tür. Sie stehen vor ihr und klopfen und hoffen darauf, ihre gewünschten Lehrer dort anzutreffen. Primär, weil sie Zettel abgeben wollen, Fragen haben oder etwas vorgefallen ist. Ach ja, und Kreide, die gibt es im Lehrerzimmer ebenfalls.

Aber was passiert hinter der Tür? Was machen die Lehrer im Lehrerzimmer? Hängen da alle Noten aller Schüler aus, gibt es ein Ranking der besten Schüler oder Kopien der peinlichsten Antworten in Arbeiten? Lassen Sie sich entführen in das Reich der Lehrer.

Morgens, circa 20 Minuten bevor die erste Stunde losgeht, befüllt sich das Lehrerzimmer so langsam. Mein erster Blick gilt grundsätzlich dem Vertretungsplan – habe ich heute irgendwo jemanden, den ich vertreten muss? Dann schaue ich in das Mitteilungsbuch hinein. Hier tragen Kollegen wichtige Hinweise für alle Kollegen ein.

Über dem Mitteilungsbuch hängt eine riesige Informationswand. Hier befinden sich zig Zettel. Leider wenig Spannenendes: Klausurpläne, Raumpläne, Übersicht zu Klassenleitungen, Informationszettel und Bekanntgaben zu neuen Stellen.

Dann werfe ich auch noch einen kurzen Blick in mein Fach, was jeder Lehrer besitzt. Hier liegen Zettel von Schülern drin, Entschuldigungen und Telefonnotizen aus dem Sekretariat und Informationen sowie Gesprächswünsche der Schulleitung.

Hier und da quatschen noch Lehrer untereinander. In der Regel geht es da um Informationsaustausch, was gestern noch so in der Schule vorgefallen ist, dass man noch einen Elternbrief schreiben möchte oder wie der aktuelle Notenstand einer Klasse aussieht. In der Regel gibt es auch noch einiges zu kopieren. Dumm, dass ich nicht die einzige Lehrkraft bin, die etwas zu kopieren hat. So stellt man sich an der Kopiererschlange an und wartet, bis man endlich seine Arbeitsblätter kopieren kann.

Und dann ertönt auch schon der Gong. Eilig haste ich mit meinen kopierten Blättern unter dem Arm und mit meinem Rucksack über der Schulter in Richtung Klasse.

Ist der Unterricht vorbei, strömen alle Lehrer zum Beginn der ersten großen Pause ins Lehrerzimmer zurück. Hier hat jeder Lehrer seinen eigenen Platz. Naja, Platz ist da auch eventuell zu hoch gegriffen. Dicht an dicht gedrängt sitzen die Lehrer an ihren Plätzen. Vor ihnen stapeln sich meist Zettel, Ablagen, Bücher oder Hefter auf den geteilten Schreibtischen.

Aber viel Zeit zum Verweilen haben wir da eh nicht. Die „Pausen“ des Lehrers sind eher hektisch. Meist muss ich noch Absprache mit der anderen Klassenleiterin treffen, Schüler wollen etwas von mir, hier und da muss ich auch schon mal Anträge ausfüllen, Anrufe entgegennehmen, oder andere Kollegen beschweren sich über das Verhalten einiger Schüler aus meiner Klasse.

Puh – endlich, es klingelt. Ich flüchte aus dem Lehrerzimmer in meinen deutlich ruhigeren Unterricht.

Felix Nattermann ist Mathe- und Informatiklehrer am Gymnasium am Geroweiher und Autor vom Buch „Gebt den Kindern die Verantwortung zurück“. Foto: Semmer