Kolumne Kinderkrankheiten in Mönchengladbach: Hilfe bei Insektenstichen

Tipps von Mönchengladbacher Kinderärztin : Wie Söckchen bei Insektenstichen helfen

Mücken, Wespen, Zecken – gerade im Sommer sind die stechenden Insekten unterwegs. Dass Kratzen nicht gut ist, sollte jeder wissen. Doch wie bringt man es Kindern bei? Unsere Kolumnistin weiß Rat.

Gerade im Sommer sind in Deutschland viele Insekten unterwegs, die Erwachsene und Kinder stechen. In unseren Breiten kommen Stiche von Mücken, Wespen, Bienen, Hornissen, Hummeln und Zecken vor. In den meisten Fällen ist das Jucken das Hauptproblem. Ist ein Säugling oder ein junges Kleinkind betroffen, können die Eltern kleine Handschuhe – oder als solche benutze Söckchen – über die Hände ziehen, damit die Stiche nicht aufgekratzt werden. Bei älteren Kindern, die noch nicht verstehen können, dass Reiben besser als Kratzen hilft, ist es auch möglich, Tropfen zu geben, die den Juckreiz „von innen“ stillen.

Mücken bevorzugen es, in der Dämmerung oder nachts zu stechen, und sondern dabei ein Eiweiß ab, auf das der Körper mit Rötung und Schwellung reagiert. Ist die betroffene Stelle kleiner als die Handinnenfläche des Kindes und bildet sich innerhalb von 24 Stunden deutlich zurück, so ist dieser Mückenstich harmlos. Ist der Durchmesser der Mückenstichreaktion allerdings größer oder zeigt gar eine Beteiligung des nächstgelegenen Gelenks sowie Schwindel oder Übelkeit, so sollte ein Arzt aufgesucht werden. Zu empfehlen ist möglichst schnell nach dem Stich eine Kühlung, bzw. das Auftragen eines kalten Gels, das den Juckreiz stillt. Ist dies nicht möglich, so ist das Auftragen von Speichel eine gute Alternative, da dieser Bakterien abtötet und den Juckreiz etwas stillt.

Stiche von Wespen, Bienen, Hornissen oder Hummeln kommen meist tagsüber vor und sind eher schmerzhaft als juckend, und zwar unmittelbar nach dem Stich. Sie erkennt man am roten Zentrum. Steckt der Stachel noch, so sollte dieser entfernt werden – oft reicht ein kurzes Ziehen mit den Fingernägeln – gefolgt von Kühlung unter Wasser und gegebenenfalls Auftragen eines Gels. Bei Stichen in den Mund oder Rachen oder bei einer Allergie gegen die Gifte der entsprechenden Insekten besteht die Gefahr der Atemnot und Lebensbedrohung. Hier ist eine sofortige notärztliche Behandlung nötig. Falls der Patient einen sogenannten Anaphylaxie-Pen bei sich trägt, muss dieser sofort angewendet werden.

Zecken, deren Verbreitung auch in unserer Region deutlich zunimmt, stechen und geben ein örtliches Betäubungsmittel ab, damit sie möglichst unbemerkt agieren können. Nach Aufenthalten im Freien sollte der Körper auf Zecken abgesucht werden, um diese möglichst bald nach dem Stich entfernen zu können. Vor dem Entfernen ist eine Desinfektion anzuraten. Von einem Vorgehen, dass beim Herausziehen zur Quetschung führt, ist abzusehen. Auch sollten kein Lack oder Klebstoff aufgetragen werden, da die Wahrscheinlichkeit der Absonderung von Krankheitserregern wie dem FSME-Virus oder dem Borreliose auslösenden Bakterium sonst steigt. Entsteht noch nach Tagen eine deutliche Rötung um den Zeckenstich, so muss unbedingt ein Arzt konsultiert werden, da von einer Borreliose-Infektion auszugehen ist.

Stiche durch alle Arten von Insekten können sich durch Kratzen entzünden, weswegen ein Reiben zur Juckreizstillung dem Kratzen mit den Fingernägeln unbedingt vorzuziehen ist. Eine ärztlich zu behandelnde Entzündung ist an Schmerz, Bildung von sichtbarem Eiter, geschwollenen Lymphknoten und reduziertem Allgemeinbefinden oder Fieber zu erkennen. Bildet sich von der ursprünglichen Rötung eine rötliche Linie, so liegt eine Lymphbahnenentzündung vor, die lebensbedrohlich sein kann. Mediziner sprechen von einer Sepsis – bitte suchen Sie bei solchen Anzeichen unverzüglich einen Arzt auf.

Renate Harnacke ist Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin. Foto: Reichartz

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