Kolumne in Mönchengladbach: Wenn Opa seinen Enkelinnen von Jesus erzählt

Opa Kolumne : Wenn Opa seinen Enkelinnen von Jesus erzählt

Die jüngste Enkelin unseres Kolumnisten schwärmt für Jesus. Sie kennt ihn aus der Weihnachtskrippe und ist seither Fan. Doch nun an Ostern erfährt sie von seinem Schicksal.

Die Sache mit Gott ist schwierig. „Gott ist im Himmel“, sage ich, und meine Enkelinnen schauen nach oben, sehen ein Wolkengebirge und fragen zurück: „Und wo ist Gott? Wie sieht er aus?“ Ich könnte jetzt antworten, dass sich die Menschen kein Bildnis von Gott machen sollen. Ersticke ich damit die kindliche Neugier und ihre Nachfragen? Und was sagt ihnen das: „Kein Bildnis machen?“

Nein, ich bleibe lieber bei Jesus. Zumal er mir die Aufgabe viel leichter macht. Denn Jesus übt auf alle drei Mädchen und besonders auf meine Enkelin Elisa (2) einen riesengroßen Reiz aus. Gottes Sohn ist bei ihr allgegenwärtig. Spiele ich mit ihr mit Playmobil-Figuren, kommt ganz schnell die Forderung: „Jesus! Jesus gucken.“ Und dann packe ich selbst im Hochsommer die Krippe aus und ordne die Figuren an: Maria, Josef, Ochse, Esel, Schafe mit Schäfer, die Heiligen Drei Könige – und in ihrer Mitte liegt der kleine Jesus in einer Krippe. Da bleibt er nicht lange. Verlässt Elisa unser Haus, muss Jesus mit, um an ihrem Bett weiter Wache zu halten. Jesus wird‘s freuen. „Lasset die Kinder zu mir kommen, hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes.“ Diese Stelle findet sich in den Evangelien von Markus, Mathäus und Lukas.

Jüngst war Elisa mit mir in der Viersener Stadtbibliothek. Da gibt es eine Wand, die mit Montagen von Kunstwerken bemalt ist. Eine Mona Lisa findet sich da ebenso wie die blauen Pferde von Franz Marc. Elisa besah sich die Gemälde und forderte: „Jesus! Jesus gucken!“ Es fand sich kein Jesus, wohl aber eine Kirche. „Jesus ist in der Kirche“, sagte ich. Die Erklärung zündete nicht. „Jesus gucken!“, trompetete Elisa, und die Bibliotheks-Mitarbeiterin holte aus der Bibelecke so viele Bücher, dass wir Jesus im Übermaß hatten. och kaum hatten wir die Bücherei verlassen, ging‘s weiter. „Jesus! Jesus gucken!“, verlangte Elisa. Bei der benachbarten Pfarrkirche war das Portal geschlossen. Wir fanden in der Nähe die golden schimmernde Skulptur einer Frau, die ein Kind auf dem Arm trägt. „Das ist Jesus‘ Mama. Sie heißt Maria. Und sie hat Jesus auf den Arm“, erklärte ich. Unseren geplanten Spaziergang mit Besuch einer Eisdiele mussten wir danach abblasen. Kaum hatten wir uns ein Stück von der goldenen Madonna entfernt, kam die ultimative Forderung aus Elisas Mund: „Jesus gucken!“ Wir kreisten nur noch um das Kunstwerk.

Eine neue Facette in der Anteilnahme für das Schicksal von Gottes Sohn kündigte sich vor kurzem an. Da sahen wir bei einem Spaziergang den gekreuzigten Jesus, vor dessen Kreuz Maria und Maria Magdalena trauerten. Weil Matilda (5) dabei war, erzählte ich gleich die biblische Ostergeschichte. Natürlich nur ansatzweise, denn wie soll eine Zweijährige das alles verstehen und verarbeiten. Doch das Kreuz machte Eindruck, und ich konnte auch die Dornenkrone zeigen und eine Verletzung, die der gekreuzigte Jesus in der Rippengegend hat. Die Forderung „Jesus gucken!“ wurde leiser, erstarb sogar ganz. Stattdessen folgte erst ein leises, dann bestimmtes: „Angst! Elisa hat Angst!“

Wieder erklärte ich. Doch alle meine Versuche, die Kuh vom Eis zu bekommen, scheiterten kläglich. „Angst“, jammerte Elisa. Da schaltete sich Matilda mit der ganzen Autorität ein, die eine fünfjährige Schwester im Gegensatz zu einem alten Opa hat: „Elisa, du brauchst keine Angst zu haben“, beruhigte sie. „Das ist alles doch nur Dekoration!“

Dieter Weber. Foto: Ilgner

Kolumnist Dieter Weber ist Opa von Hannah (8), Matilda (5) und Elisa (2). An dieser Stelle berichtet er regelmäßig vom aufregenden Opa-Leben. Foto: Ilgner

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