Kinderkrankheiten-Kolumne: Weniger Spielzeug ist mehr

Kolumne aus Mönchengladbach : Warum weniger Spielzeug mehr ist

Gerade erst ist Ostern vorbei und wieder einmal hat sich der Spielzeughandel über ein großes Geschäft gefreut. Für insgesamt über drei Milliarden Euro pro Jahr kaufen die Deutschen laut dem Handelsverband Spielwaren Spielzeuge für ihre Kinder und Enkel.

Wofür haben Großeltern, Eltern und sonstige Schenkende zum „Frühlingsweihnachtsfest“ eine so große Summe ausgegeben? Leider für etwas, das in den meisten Fällen nicht nur unnötig, sondern auch noch schädlich für die Kindesentwicklung ist.

Studien und Feldversuche belegen, dass vollgestopfte Regale und aus übervollen Schränken quillende Spielzeuge – die spätestens am Abend überall herumliegen – die Kreativität einschränken, Kinder hibbelig machen und nicht selten ganze Familien übel gelaunt. Dort, wo das Angebot deutlich verknappt ist, wird besser gespielt und die sprachlichen und sozialen Kompetenzen deutlich mehr geschult. Kinder lernen auf diesem Weg ganz natürlich, verschiedene Dinge wie Kartons, Tücher oder Knete in vielfältiger Weise zu verwenden. Dabei wird ihre Phantasie geschult und sie müssen ihren Mitspielenden ihre Ideen erklären, was die sprachliche Ausdrucksweise erheblich trainiert. Wer sich in der Sprache gewandt ausdrücken kann, hat oft auch bessere schulische Leistungen.

Dass der sprachlich Gewandtere Konflikte besser „managen” kann, versteht sich fast von selbst – so führt eine Vermeidung eines Zuviels an Spielzeug auch zu einer Reduzierung von Gewalt. Also: ein Umdenken ist nötig! Statt eines Zuviels an Spielzeug ist ein Mehr an Zeit, Zuwendung und Interaktion mit den Kindern vonnöten! Und wenn schon vieles vorhanden ist, kann ein erster Schritt sein, nicht mehr als etwa fünf verschiedene Spielzeuge im Angebot zu haben und die anderen wegzuräumen. Nach einiger Zeit können diese dann ausgetauscht werden. Wer sensibel mit dem Kind in Kontakt ist, spürt, welche Anregung die richtige ist.

Renate Harnacke ist Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin. Foto: Jana Bauch

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