Großfamilie in Mönchengladbach: Urlaub mit vielen Kindern

Großfamilie aus Mönchengladbach : Wenn die Kinder im Urlaub endlich das Haargel weglassen

Wenn in den Sommerferien der Druck wegfällt, finden Kinder und Jugendliche Äußerlichkeiten plötzlich nicht mehr so wichtig, hat unsere Großfamilien-Kolumnistin beobachtet. Was bei der Großfamilie sonst noch in den Ferien los war.

Heute wie damals, als die Kinder noch klein waren, freuen wir uns einfach riesig auf die Sommerferien: Endlich lange schlafen, im Schlafanzug frühstücken, bei Regenwetter Monopoly spielen bis zum Abendessen. Bei Sonnenschein Wasserschlachten im Garten mit allen, die noch nicht das Land verlassen hatten und damit sich auch niemand benachteiligt fühlte, vergaßen wir natürlich auch nicht den Papa, der im Anzug von der Arbeit kam, an unserem feuchten Vergnügen teilhaben zu lassen. Die Nächte, in denen meine Kinder samt Nachbarskindern im Garten schliefen, gehörten ebenfalls zu den favorisierten Ferienaktionen. Während unsere beiden Ältesten den „Kleinen“ spannende Geschichten erzählten, passierte es nicht selten, dass Pünktchen, die Katze des Nachbarn, aufs Zelt sprang. Was zur Folge hatte, dass man auf den Schreck kollektiv die Toilette aufsuchen musste und sich ein entsetzliches Hungergefühl einstellte. Erst nach dem Essen konnte sich die „junge Fraktion“ wieder zur nächtlichen „Ruhe“ begeben – die, wenn mein Mann und ich Glück hatten, bis sechs Uhr in der Früh anhielt.

In der zweiten Ferienhälfte fuhren wir in den Süden. Weil wir natürlich mit fünf Kindern eine „kleine“ Familie waren, nahmen wir noch zusätzliche Kinder mit. Schließlich kann man keinem zumuten, solange ohne Freunde auszukommen. Also wurden auch sie mit Sack und Pack ins Auto verfrachtet. Jetbag oben drauf, Einkäufe in den Fußraum und für jeden nur einen Koffer, das war Bedingung. Schnuffeltiere, Fußbälle oder Schmusekissen mussten auf den Schoß genommen werden. Während der Fahrt lernten wir die bevorzugten CDs jedes Einzelnen kennen. Am Ende konnten wir alle Bibi-Blocksberg-Geschichten mitsprechen, kannten die Songs der Backstreet Boys, der Ärzte, der Toten Hosen und die von Tic Tac Toe. Frankreich, Italien, Spanien waren unsere Reiseziele. Da wir ziemlich eng saßen, gab es immer eine Übernachtung in Frankreich. Für die Wahl des Hotels war ein Pool oberste Priorität, der natürlich stets als Erstes ausprobiert wurde. Die Gäste, die bis zu unserer Ankunft friedlich im Wasser herumgeplätschert waren, verließen oft fluchtartig das kühle Nass, wenn wir kamen. Wobei ich als Wasserratte bis heute nicht verstehe, warum? Schließlich kann man im Wasser auch mal nass werden kann. Nach dem Bad ging es traditionell ins nahegelegene amerikanische Schnellrestaurant, zu dem natürlich niemand geht, aber das bis heute noch keinen Konkurs angemeldet hat.

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen wurde die zweite Reiseetappe eingeläutet. Die Campingplätze, die wir besuchten, zählten laut Reiseveranstalter zu den beliebtesten und das waren sie auch für uns. Meinem Mann und mir gefiel besonders gut, dass die Teenager jegliche Lust an ihrem vorher ach so wichtigen Haargel verloren, die coolen Marken-Klamotten im Koffer blieben und der Wunsch nach dem Konsum irgendwelcher Medien ausblieb. Sie konzentrierten sich auf das Wesentliche: den Spaß. Das „Jungvolk“ ging auf den Sportplatz, tobte im Meer oder im Pool, fuhr Tretboot oder „Banane“, nahm am Animationsprogramm teil oder spielte einfach nur Scharade vor dem Caravan. Wir schliefen wie die Murmeltiere in schmalen Betten, kochten auf zwei Gasflammen und duschten in einer Kabine, die mit Schuhgröße 43 komplett ausgefüllt war. Oft schauen wir uns heute die Fotoalben an und erzählen von unseren Urlaubsabenteuern.

Samira Rippegather ist Mutter von fünf Kindern, Oma von fünf Enkelkindern und Leiterin des Familienzentrums „Pfiffikus“. Hier berichtet sie vom Leben in ihrer Großfamilie. Foto: Ilgner

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