Frauen-Kolumne in Mönchengladbach: „Mädchen“ darf kein Schimpfwort sein

Frauen-Kolumne : „Mädchen“ darf kein Schimpfwort sein

Auf Schulhöfen und beim Sport fallen noch immer Beleidigungen wie „Du Mädchen“. Unsere Kolumnistin findet: Das ist keine harmlose Beleidigung.

Ich bin ein bisschen ratlos, und um ganz ehrlich zu sein, auch entsetzt. Vor einigen Wochen beobachtete ich auf einem Schulhof in unserer Stadt eine Situation in einer Jungengruppe, wie sie häufig stattfindet. Sie schubsten sich gegenseitig durch die Gegend. Ob es nur lustig gemeint war, war schwer zu beurteilen. Viel interessanter war allerdings die Wortwahl der Kinder, denn neben einigen anderen Begriffen fiel auch die Beschimpfung „Du Mädchen!“ Auf den vergleichsweise harmlosen Begriff möchte ich eingehen. Es stellt sich für mich die Frage, ob der überhaupt so harmlos ist. Wenn ein Junge als Mädchen beschimpft wird, soll er damit gedemütigt werden. Denn gesellschaftlich ist es immer noch so, dass wir unter weiblichen Eigenschaften in der Regel weich, schwach und sensibel verstehen. Und das ist für Jungs offensichtlich etwas Schlechtes.

Im Sport erlebe ich das immer wieder. Ob sich im Fitnessstudio Männer über andere Männer lustig machen und blöde Sprüche durch die Gegend rufen, weil der eine die „Frauenhanteln“ nimmt oder zum Zumba geht und deshalb ein „Weib“ ist. Oder ob im Schulsport den Jungs zugerufen wird, sie sollen nicht so rennen „wie ein Mädchen“. Wie rennen Mädchen denn? Bis zur Pubertät sind die Unterschiede nämlich kaum zu merken. Danach verändert sich der Körper der jungen Menschen und damit natürlich auch individuell die Fähigkeiten.

Was all diesen Beleidigungen gemein ist: Immer geht es dabei um Demütigung auf Kosten der Mädels. Es macht etwas mit Mädchen und Frauen, wenn ihre Attribute und Bezeichnungen als Beleidigung dienen. Es nimmt ihnen das Selbstbewusstsein unter anderem dahingehend, sich für oder gegen diese Zuschreibungen zu entscheiden.

Susanne Büdenhölzer-Boms Foto Porträt Portrait für Kolumne. Foto: Antje Proemper

Natürlich dürfen Mädchen und Frauen sensibel sein, müssen sie aber nicht. Das gilt auch für Jungs und Männer. Nun ist es so, dass unsere patriarchale Gesellschaft an allen Ecken und Enden klar zwischen Rollenbildern unterscheidet und damit eben auch Attribute bewertet. Da ist es gut, dass es den Feminismus gibt, der dafür kämpft, dass Sensibilität nicht nur den Frauen vorbehalten wird.

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