Ferien in Mönchengladbach: Kai Kyas baut Raumschiff mit Jugendlichen

Ferienaktion in Mönchengladbach : In den Ferien ins Weltall

Das ist mal eine ungewöhnliche Ferienaktion: Medienpädagoge Kai Kyas baut mit Jugendlichen in diesem Sommer ein Raumschiff. Dabei lernen sie weit mehr als Programmieren und Handwerksgeschick.

Schraubenzieher, Holzbretter, Platinen, dünne Kabelstränge, Papierfetzen und einige Flaschen Apfelschorle liegen in zwei kleinen Räumen an der Sandradstraße auf dem Boden oder stehen auf Papphockern. Aaron und sein gleichnamiger Kumpel knien dazwischen und schrauben eine Platine aus einem Musik-Mischpult heraus. Wofür sie die brauchen? Für ihr Raumschiff, ist doch klar. Das wollen sie gemeinsam mit drei anderen Jungs und dem Medienpädagogen Kai Kyas in den Ferien bauen.

Wirklich, ein Raumschiff in Mönchengladbach? Nun ja, das Raumschiff an sich gibt es bereits, zumindest virtuell an der Leinwand in einem dritten Raum. Als die Jugendlichen in den Räumen von „Team Craft“ – in denen sonst Geburtstagsgruppen oder Firmen Computerspiele spielen, die nur durch Bewegungen gesteuert werden können – ihren Workshop begannen, hatte Kai Kyas das Raumschiff-Computerspiel schon installiert. Zur Einstimmung spielten die Jugendlichen das Spiel über Computer mit Tastatur und Maus. Das Raumschiff kann dabei nur mit mehreren Spielern gleichzeitig reguliert werden: Je einer ist zuständig für die Steuerung des Raumschiffes, für den Maschinenraum, die Waffen, die Kommunikation, die Wissenschaft bzw. das Ausspähen der Gegner – und einer ist der Kapitän. Jeder sieht auf seinem Bildschirm nur jene Steuerungselemente und Daten, die seinem Bereich zugeordnet sind. Also: Ohne Kommunikation geht nichts. So sieht etwa der Wissenschaftler mit seinem Scanner, wo gegnerische Raumschiffe unterwegs sind und wo ihre Schwachstellen sind. Er sagt das dem Steuermann, der die Richtung vorgibt. Und jenem Mitspieler an den Waffen, der dann genauer auf die Schwachstellen der Gegner zielen kann.

Doch so ein Raumschiff mit Tastatur und Maus zu steuern fühlt sich nicht richtig „echt“ an. Deshalb bauen die Jugendlichen in diesen Ferien Schaltpulte für ihre jeweilige Station. Zunächst schauen sie, wie viele Knöpfe und Regler auf ihrem Bildschirm zu bedienen sind. Für diese bauen sie dann aus Platinen, Kunststoffplatten und Knöpfen ein eigenes, individuelles Steuerpult zusammen. Auch ein wenig Programmieren muss man dafür. Doch eigentlich geht es um viele andere Dinge. „Die Jugendlichen arbeiten im Team mit fremden Leuten“, sagt Kai Kyas, darauf müsse man sich erst mal einlassen. Zudem falle viel „gedankliche Arbeit“ an, weil die Teilnehmer sich überlegen müssen, welche Regler und Knöpfe sie brauchen, welches Material das erfordert und wie sie das dann mit den Computerprogrammen verknüpfen. „Ich sehe mich da nicht als klassicher Lehrer, der Wissen vermittelt. Sie müssen sich das Wissen selbst erarbeiten, ich helfe nur da weiter, wo sie selbst nicht weiterkommen“, sagt Kyas. Das Ferienprojekt ist kostenlos, finanziert wird es vom Kulturbüro der Stadt. Das Konzept hat Kyas selbst erarbeitet. Das Raumschiff-Spiel kannte er noch aus seinem Studium, wo es für Kommunikationstrainings und -analysen genutzt wurde.

Medienpädagoge Kai Kyas (r.) testet mit Aaron das System des Raumschiffs. Foto: Milena Reimann
Aaron und Aaron schrauben in der Raumschiff-Werkstatt die Platinen aus einem Mischpult, um sie für ihre Raumschiff-Steuerung zu verwenden. Foto: Ilgner Detlef (ilg)

Elias, der im Team der Wissenschaftler ist, ist begeistert von dem Projekt. Durch seinen Cousin ist der 15-Jährige zum Star-Wars-Fan geworden. Auch wenn ihm das Aufzeichnen der Knöpfe und Regler etwas schwer fällt – jetzt kann er endlich einmal selbst ein Raumschiff steuern.

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