Familien in Mönchengladbach: Wann ein Kind ins Krankenhaus muss

Familien in Mönchengladbach  : Wann der Sturz ein Notfall ist

Wann müssen wir mit dem Kind ins Krankenhaus? Kinderkrankenschwester Franca Rittmann erklärt in SOS-Kids-Kursen, warum verschluckte Batterien eher kein Problem sind – Erbrechen aber schon.

Franca Rittmann weiß, wovon sie redet, wenn sie über Bauchschmerzen, Fieber oder Erbrechen spricht. Sie ist nicht nur Kinderkrankenschwester und Lehrrettungsassistentin und hat als solche schon viel erlebt. Sie ist auch Mutter von drei Kindern und kennt aus eigener Erfahrung die Ängste und Sorgen, die Eltern umtreiben, wenn das Kind Fieber hat, gestürzt ist oder über Bauchschmerzen klagt. Beim Kurs SOS-Kids im Rahmen der Elternschule des Elisabethkrankenhauses erklärt sie, welche Symptome auf eine Gehirnerschütterung hindeuten, was hinter Bauchschmerzen stecken kann und wann man den Notruf wählen sollte.

Stürze Ein Baby stürzt vom Wickeltisch und schlägt mit dem Kopf auf – ein Horrorszenario, das alle Eltern vermeiden wollen und das doch manchmal Wirklichkeit wird. Aber ein Sturz ist natürlich nicht nur für Babys gefährlich. „Ein Fall aus großer Höhe, bei dem der Kopf auf einen harten Untergrund schlägt, kann eine Gehirnerschütterung auslösen“, erläutert die Kinderkrankenschwester. Erbricht das Kind anschließend oder ist es kurz bewusstlos oder benommen, sollten Eltern mit dem Kind in die Klinik fahren. Durchaus auch mit dem Rettungswagen: „Haben Sie keine Angst, die 112 zu wählen“, sagt Franca Rittmann. Selbst zu fahren, wenn man aufgeregt ist, sei keine gute Idee. Selbst wenn das Kind direkt nach dem Sturz keine Symptome zeigt, sollten die Eltern noch 48 Stunden lang besonders aufmerksam sein. „Wenn sich das Kind am nächsten Tag in der Kita erbricht, sollte man nicht unbedingt an einen Magen-Darm-Infekt, sondern durchaus noch an den Sturz denken“, erklärt sie.

Franca Rittmann bei ihrem SOS-Kids-Seminar im „Eli“. Foto: Ilgner Detlef (ilg)

Fieber Fiebert ein Kind, sind die Eltern oft unsicher, was zu tun ist. „Fieber ist keine Krankheit“, sagt die Kinderkrankenschwester. „Aber es sollte vor allem zur Nacht gesenkt werden.“ Von Fieber spricht man bei einer Körpertemperatur zwischen 38,5 und 41 Grad. Bei Kindern unter sechs Monaten sollte Fieber gar nicht auftreten, sie haben noch einen Nestschutz. Fiebern sie dennoch, ist ein Arztbesuch immer ratsam. Hatte ein Kind Fieber, rät die Expertin, es zu Hause in Ruhe gesund werden zu lassen. „Nicht gleich am nächsten Tag wieder in den Kindergarten bringen“, warnt sie.

Krämpfe Fieber kann sich bei Kindern schnell entwickeln. Deshalb ist es wichtig, die Temperatur zur Nacht, wenn man das Kind nicht ständig im Auge hat, zu senken. „Fiebersenkenden Saft und Zäpfchen sollten Eltern im Haus haben“, sagt Kinderkrankenschwester Franca Rittmann. „Bei Kindern entwickeln sich Krankheiten sehr viel schneller als bei Erwachsenen.“ Übrigens kann nicht nur hohes Fieber, sondern auch Reizüberflutung durch Lärm und flackerndes Licht bei Kleinkindern schnell zu einem Krampf führen. Die Krankenschwester erzählt von einem einjährigen Kind, das krampfte, nachdem der Vater es bis tief in die Nacht auf die Kirmes mitgenommen hatte.

Bauchschmerzen Bauchschmerzen gehören für Eltern zu den schwierigen Erscheinungen, weil sich dahinter die unterschiedlichsten Gründe verbergen können. Kommt es zu Durchfall und Erbrechen, steckt unter Umständen ein Magen-Darm-Infekt dahinter. „Wenn ein Baby dann zwei Mal sein Fläschchen nicht getrunken hat, sollten die Eltern zum Kinderarzt kommen“, sagt Rittmann. „Im Säuglingsalter trocknen die Kinder schnell aus.“ Bei älteren Kindern kann auch psychischer Stress hinter den Bauchschmerzen stecken. Und in jedem Alter ganz klassisch auch verschluckte Gegenstände. Von Batterien über Nüsse, Legosteine und Kugelschreiber hat die Krankenschwester schon alles erlebt. Batterien sieht sie recht gelassen. „Nur wenn sie auf dem normalen Weg nicht wieder rauskommen, muss man medizinisch eingreifen“, sagt sie. Wichtig: Bei verschluckten Knopfzellen aber muss man schnell handeln und direkt mit dem Kind ins Krankenhaus. Und auch wenn das Kind eine Packung Anti-Baby-Pillen gegessen hat, ist keine Panik angesagt. „Da passiert nichts“, sagt Franca Rittmann, obwohl Tabletten aller Art natürlich nicht in die Reichweite von Kinderhänden gehören. Bei den meisten Medikamenten aber, bei Putzmitteln oder giftigen Pflanzenteilen müssen Eltern aktiv werden. „Schnell den Giftnotruf 030 19240 wählen“, rät sie. Und dann ins Krankenhaus.

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