Familien in Mönchengladbach: So laufen Kurse für Babysitter

Kurs der Familienbildungsstätte : Was ein Babysitter können muss

Babysitten kann man lernen. Zum Beispiel in Kursen der Familienbildungsstätte. Wer dort geschult wurde, landet in der „Babysitter-Kartei“. Die können Eltern nutzen, um einen Sitter zu finden.

Wer Babysitter werden will, sollte auch auf solche Fragen vorbereitet sein: „Was macht ihr, wenn ein Kind etwas verschluckt, das ihm im Hals stecken bleibt?“, fragt Anne Hommen. „Man kann versuchen, es mit den Fingern herauszuholen“, schlägt eine Kursteilnehmerin vor. Die Pädagogin schüttelt energisch den Kopf. Nein, dabei könne der Gegenstand nur tiefer in die Luftröhre gedrückt werden. „Wenn die Kinder noch klein sind, am besten über die Beine legen und kräftig zwischen die Schultern klopfen“, erklärt sie und demonstriert das auch noch gleich bei Söhnchen Paul, der sie begleitet. Natürlich nicht wirklich kräftig, denn er hat ja nichts verschluckt. Paul kichert, die Kursteilnehmer merken sich den Handgriff.

14 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren nehmen am zweitägigen Babysitterkurs in der Familienbildungsstätte in Rheydt teil. Sie lernen, wie man Babys badet, wickelt und füttert. Sie erfahren etwas über das richtige Verhalten bei Verletzungen oder Unfällen, üben Halte- und Tragetechniken an Puppen. Sie lernen die Entwicklungsphasen von Kindern kennen und besprechen Formen der Beschäftigung. Das gefällt dem 15-jährigen Patrice besonders. „Ich wusste nie, was ich mit meiner zweijährigen Cousine machen konnte. Jetzt kenne ich ihre Fähigkeiten und weiß, dass ich inzwischen gut mit ihr Ball spielen kann.“ Mit dem Wickeln tut er sich nicht schwer, das kennt er.

Auch Juana ist im Umgang mit Kleinkindern erfahren. „Ich habe eine kleine Schwester und arbeite außerdem seit fünf Jahren als Babysitterin“, sagt die 18-Jährige. Aber jetzt soll sie sich um Kinder mit höherem Pflegebedarf kümmern und nutzt den Kurs, um sich mit den Grundlagen zu beschäftigen. Carolin dagegen will mit dem Babysitten gerade erst anfangen und macht den Kurs, damit sie beim ersten Mal nicht so nervös ist.

Junge Familien, die zum ersten Mal einen Babysitter beschäftigen, sind oft unsicher: Woran erkennt man eigentlich, dass der Babysitter zur Familie passt? Eltern sollten den oder die Jugendliche kennen lernen, sympathisch finden und dann auf ihr Bauchgefühl hören, meint Annette Staff, die zuständige Fachbereichsleiterin. Die Tatsache, dass der mögliche Babysitter einen Kurs absolviert hat, ist natürlich ein Pluspunkt. „Das zeigt Professionalität“, sagt sie.

Anne Hommen, die Kursleiterin, hält viel von persönlichen Empfehlungen und einer längeren Eingewöhnungszeit, in der die Betreuung des Kindes gemeinsam erfolgt. „Dann merkt man, ob das passt.“ Es bleibt eine wichtige Entscheidung. „Eltern vertrauen dem Babysitter mit dem Kind schließlich das Wertvollste an, das sie haben“, betont Annette Staff. Das braucht nun mal Vertrauen.

Die Kursteilnehmer jedenfalls werden auch auf schwierigere Situationen vorbereitet. Zum Beispiel, wenn ein Kind schreit und nicht zu beruhigen ist. Die 14-jährige Hannah hat das schon erlebt. Ein zweieinhalbjähriges Mädchen, auf das sie aufpassen sollte, war bockig und schrie ausdauernd. „Ich habe versucht, mit ihr zu reden und sie abzulenken, aber als das nichts half, habe ich mich einfach neben sie gesetzt und gewartet“, berichtet sie. Genau richtig, sagt die Kursleiterin. „In der Trotzphase passiert so etwas. Wenn nichts hilft, daneben setzen und abwarten, aber auf keinen Fall alleine lassen.“

Immer wieder rät sie den Kursteilnehmern auch, die Eltern zu kontaktieren – wenn ein Kind gar nicht aufhört zu schreien, aber natürlich auch bei Verletzungen oder Stürzen. Die erste Wahl ist bei Unfällen aber erst mal oft der Notarzt. Deshalb gehen die Teilnehmer auch noch einmal durch, welche Informationen der Notarzt braucht und wie er zu erreichen ist. Aber auch so praktische Fragen wie Sonnenschutz („Keine Sonnencreme bei unter Einjährigen. Besser sie halten sich dünn bekleidet im Schatten auf.“) oder den Einsatz von Pflastern („Pflaster beruhigen die Kinder auch, wenn es nicht blutet.“) werden besprochen. Die angehenden Babysitter sind gerüstet für ihren Job.

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