Mönchengladbach: Falscher Wasserwerker gab Betrug zu

Mönchengladbach : Falscher Wasserwerker gab Betrug zu

Allein der 33-jährige Angeklagte aus Marl war bereit, vor der Zweiten Strafkammer des Mönchengladbacher Landgerichts auszusagen. Tatsächlich wirft die Staatsanwaltschaft ihm und zwei Mitangeklagten (31 und 43 Jahre alt) gewerbsmäßigen Betrug und Trickdiebstahl in insgesamt 61 Fällen vor.

Mit dem sogenannten "Wasserwerkertrick" (wir kommen von den Stadtwerken) sollen sich die Männer Zutritt in die Wohnungen von Senioren verschafft und dort die hilflose Lage von älteren Frauen ausgenutzt haben. Im vergangenen Jahr sollen sie mit ihrer trickreichen Masche in Mönchengladbach, Viersen und außerdem in 24 Orten aufgetaucht sein und in wechselnder Beteiligung insgesamt 143 000 Euro erbeutet haben.

Dem 33-Jährigen wirft der Anklagevertreter vor, sich an neun Taten beteiligt zu haben. Nach einer versprochenen Höchststrafen-Vereinbarung war der Mann sofort geständnisbereit: "So wie es in der Anklage steht, haben wir es gemacht." Anfang 2009 habe er einen Schlaganfall erlitten und sei in eine finanzielle Notlage geraten. Auf die Betrugsidee sei er zusammen mit dem frühereren Kollegen und Mitangeklagten (43) aus Haltern am See gekommen. "Wenn kein Geld mehr da war, zogen wir los", erinnerte sich der Angeklagte sinngemäß.

Er präsentierte sich den Opfern auch als Versicherungsvertreter. So erklärte er in einem Fall einer 75-jährigen Dortmunderin, sie habe zu viel gezahlt. Sie bekäme 80 Euro zurück. Aber sie müsse wechseln. Er habe nur einen großen Geldschein. Die gutgläubige Rentnerin holte ihre Schatulle mit den Wertsachen. Inzwischen betrat auch der mitangeklagte Komplize die Wohnung.

Einer der "Versicherungsvertreter" lenkte die 75-Jährige ab, während sich der andere aus der Schatulle bediente. In einem Fall habe er das Geld zurückgezahlt, ergänzte der Angeklagte unbeeindruckt sein Geständnis. Die Mitangeklagten, verantwortlich für die meisten Betrugsfälle, wollen demnächst aussagen.

(RP)