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Mönchengladbach: Fahrradstadt: Die zweite Etappe beginnt

Mönchengladbach : Fahrradstadt: Die zweite Etappe beginnt

Mönchengladbach strampelt sich frei. Das viel gelobte Projekt "200 Tage Fahrradstadt" geht in die zweite Runde und bekommt Rückenwind von der Stadt. Alle Bürger sind wieder aufgerufen, mit ihren Ideen die Aktion zu bereichern.

Menschen, die beim Rudel-Rundradeln die Stadt erfahren. Poetry-Slammer, die ihre Texte leicht japsend vom klapprigen Klapprad zu Gehör bringen. Singles, die auf dem Tandem beim Speed-Dating die Liebe ihres Lebens suchen. Niederrheinische Sinfoniker, die auf dem Fahrrad bei Yoko Onos "Bicycle Piece for Orchestra" nichts vergeigen, stattdessen Entzücken bei der Beatles-Witwe auslösen. Ein roter Teppich auf der Bismarckstraße für 500 Radler.

Klingt abgefahren? Ist es auch.

Und wahrscheinlich war genau deshalb das Projekt "200 Tage Fahrradstadt" von Norbert Krause auch so erfolgreich. Auf der Website des Nationalen Radwegeverkehrsplans wird es als Best-Practice-Beispiel genannt. Und selbst in den Niederlanden, dem Dorado der Fietser, erschien ein Magazin-Artikel über die Mönchengladbacher Radfahrinitiative. Jetzt geht "200 Tage Fahrradstadt" auf die zweite Etappe. Diesmal gibt es Rückenwind von der Stadt. Denn die Verkehrsplaner und Oberbürgermeister Norbert Bude wünschten sich ebenfalls eine Fortsetzung.

Start ist am Dienstag, 29. April, um 19 Uhr in der Kulturküche an der Waldhausener Straße 64. In altbewährter Manier sollen die Bürger wieder mit ihren Ideen zum Projekt beitragen. Denn auch in der zweiten Etappe baut das Projekt auf der Methode "vormachen, mitmachen, selbermachen" auf. Was kann man tun, um das Radfahren attraktiver zu machen? Wo stelle ich mein Fahrrad sicher, trocken und schnell griffbereit ab? Um diese und ähnliche Fragen wird es an dem Abend gehen. Zu jeden Thema gibt es einen Tisch, um den sich die Bürger versammeln, um auf der Tischdecke ihre Ideen zurückzulassen. Das Organisationsteam wertet die Anregungen später aus, und guckt, was sich wie verwirklichen lässt. "Es müssen ja nicht immer gleich die Tiefbauarbeiten sein", wie Johannes Jansen von der Altstadtinitiative sagt.

Was das Radwegenetz anbetrifft, ist Mönchengladbach noch ein weißer Fleck. Dass die finanzgebeutelte Stadt nicht gleich einen Vorzeige-Radroutenplan entwickeln kann, ist allen klar. Aber vielleicht klappt's ja mit einem Erste-Hilfe-Routenplan. Dabei soll es in erster Linie gar nicht einmal um Freizeittouren gehen, sondern auch um die alltäglichen Fahrten zum Büro, zum Shoppen oder zum Sport, sagt Gerald Artkämper, Verkehrsplaner der Stadt. Jetzt sei es oft doch noch so, dass man sich bei schönem Wetter spontan entscheidet: Jetzt nehm' ich mal das Rad, sagt Norbert Krause. Und: "Die Leute nehmen dann den Weg, den sie normalerweise mit dem Auto fahren. Und spätestens auf der Limitenstraße sagen sie: ,Nie wieder!'" Dass es wenige Meter weiter womöglich einen der schönsten Radwege der Stadt gibt, wissen viele nicht.

In den ab jetzt regelmäßig stattfindenden Fahrradwerkstätten sollen Lösungsansätze gefunden werden. Dass dies klappt, dessen sind sich die Organisatoren sicher. "Wo ein Wille ist, ist auch ein Radweg", sagt Jansen.

Die 200-Tage-Fahrradstadt-Plakette (die 2000 vom vergangenen Jahr waren schnell vergriffen) wird es auch wieder geben. Sie liegen im Café van Dooren, der Radstation Rheydt und der Kulturküche aus. Aktuelle Informationen über die Aktionen findet man auf der Homepage (www.200tage.de), dem Newsletter (newsletter.200Tage.de) und über Facebook (www.facebook.com/200TageFahrradstadt).

Übrigens: Auch die Hochschule Niederrhein hat sich schon vom Fahrradfieber anstecken lassen. Im Bachelorstudiengang Kulturpädagogik steht in einem einjährigen Seminar das Fahrrad im Mittelpunkt. Die erste Aktion zu diesem Thema soll am Wahlsonntag, 25. Mai, sein. Stattfinden wird sie auf dem Schillerplatz. Was genau geplant ist will Norbert Krause nicht verraten. Das sollen die Studenten selber berichten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: 3 besonders schöne Radtouren durch Mönchengladbach

(RP)