Mönchengladbach: Explosion: Täter schuldfähig

Mönchengladbach : Explosion: Täter schuldfähig

Zuerst drehte Sascha H. den Gashahn auf. Dann sah er schweigend zu, wie sich seine unwissende Freundin eine Zigarette anzündete. So steht es in der Anklageschrift. Jetzt beschäftigen sich die Richter mit der Gasexplosion.

Einen Mord mit "gemeingefährlichen Mitteln" und einen Mordversuch aus Heimtücke soll der 22-jährige Automechaniker laut Staatsanwalt begangen haben. Das geht aus der gerade erstellten Ablageschrift hervor, Sascha H. habe eine Gas-therme geöffnet und dadurch die Explosion herbeigeführt, bei der am 9. März ein Mehrfamilienhaus am Siepensteg in Hermges regelrecht zerfetzt wurde.

Der Angeklagte selbst und dessen Freundin wurden damals schwer verletzt. Ein 45-jähriger Mitbewohner konnte nur noch tot geborgen werden. Das Wohnhaus Siepensteg 11 mit drei Wohnungen, einer Pizzeria und einem Anbau wurde so zerstört, dass komplett abgerissen werden muss.

Bereits am 25. März wurde der Automechaniker als tatverdächtiger festgenommen. Als ihn die dmals 17-jährige Freundin verlassen wollte, soll er den Entschluss gefasst haben, sich und die Partnerin zu töten.

Davon geht die Staatsanwaltschaft aus. Sie wolle nur noch ihre Sachen abholen, hatte die Freundin am Tattag am Telefon angekündigt. Sie würde sich etwas verspäten. Inzwischen soll der 22-Jährige, der seine Freundin keinesfalls an einen Nebenbuhler verlieren wollte, eine Überwurfmutter an der Gaszuleitung seiner Gas-therme in der Wohnung geöffnet haben. Als die junge Frau eintraf, schloss er das Ventil.

Das sind die Ergebnisse der Ermittlungen.

Offensichtlich bemerkte die 17-Jährige das ausgeströmte Gas nicht. Schweigend beobachtete der enttäuschte Partner, wie sie sich eine Zigarette anzündete.

Die Anklage wirft dem 22-Jährigen vor, das nicht verhindert und damit den Tod anderer Personen billigend in Kauf genommen zu haben. Der Mieter in der darüberliegen Wohnung wurde durch die Explosion aus dem Haus geschleudert und durch Trümmerteile erschlagen. Die 17-Jährige erlitt schwere Verbrennungen.

Das Pärchen kannte sich seit zwei Jahren. Aber bereits seit Jahresbeginn soll es in der Beziehung gekriselt haben. Einen Tag vor der Tat besuchte die junge Frau den Freund in dessen Wohnung am Siepensteg.

Nachmittags erschien ein Bekannter der beiden. Dann gab es Streit. Der Gastgeber reagierte eifersüchtig, weinte und lief ins Badezimmer. Nach ein paar Minuten soll er sich zum ersten Mal an der Gastherme zu schaffen gemacht haben.

Davon geht nunmehr die Anklage aus. Die Freundin soll ihn angeschrien haben, wenn er sich umbringen wolle, solle er das allein tun. Anschließend verließen Freundin und Begleiter die Wohnung. Danach soll der eifersüchtige Mann 33mal versucht haben, die 17-Jährige per Handy zu erreichen.

Demnächst muss sich der 22-Jährige vor dem Schwurgericht verantworten.

Zweifel an dessen Schuldfähigkeit wurden im Ermittlungsverfahren nicht festgestellt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Gasexplosion in Mönchengladbach

(RP)
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