Mönchengladbach: Experten fordern mehr Allgemeinbildung

Mönchengladbach: Experten fordern mehr Allgemeinbildung

Bei den 5. Rheydter Schlossgesprächen stellte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer ihr Konzept vor.

Eine bessere Bildung hatte die FDP im Wahlkampf für NRW versprochen. Jetzt war Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) bei den Schlossgesprächen zu Gast und präsentierte einen Überblick über die Maßnahmen, die in ihrem Haus nach dem Regierungswechsel eingeleitet wurden.

Mehr als 2000 offene Lehrerstellen, die Hälfte davon an den Grundschulen - das ist ein Problem, vor allem, wenn man wie die Schulministerin die Klassengrößen an Grundschulen eigentlich reduzieren möchte. Es helfe nichts, Stellen zu schaffen, stellte sie fest: "Den Stellen müssen Köpfe folgen." So einfach ist das aber nicht. Von 2400 Lehramtskandidaten für die Sekundarstufe II, die zwei Jahre an Grundschulen aushelfen sollen und dafür eine Einstellungsgarantie bekommen, reagierten nur 130 positiv, nur 60 Verträge wurden bisher geschlossen. Ihr ist auch klar, dass die Besoldung beim Lehrermangel an den Grundschulen eine zentrale Rolle spielt. Aber eine Anpassung der Besoldung koste viel Geld. Die Schulministerin will auch Sozialpädagogen einstellen, den Unterrichtsausfall schulscharf und flächendeckend erfassen und die Inklusion weiterführen, aber verlangsamt.

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In der anschließenden, von RP-Redaktionsleiterin Denisa Richters moderierten Podiumsdiskussion, an der neben der Ministerin die Personalchefin Anja Kiehne, der Vorsitzende des Philologenverbandes NRW, Peter Silbernagel, und der stellvertretende Präsident der Hochschule Niederrhein, Prof. Berthold Stegemerten, teilnahmen, wurden erst einmal die Defizite benannt. Schlechte Ausstattung, ungepflegte Räumlichkeiten und frustrierte Lehrer bemängelte Kiehne. "Ich würde mir neben besseren Kenntnissen in Deutsch und Mathe auch mehr Allgemeinbildung und ein Fach wie Lebensführung wünschen", sagt sie. Auch Stegemerten hat einen Wunsch: "Es sollte Hochschulreife drin sein, wenn Hochschulreife drauf steht." Wer mit dem Studium anfängt, sollte wenigstens Prozentrechnung und Dreisatz beherrschen. Beim Thema Digitalisierung sind ihm Inhalte wichtiger als die Infrastruktur. Außerdem hält er einen stärkeren Austausch zwischen Schule und Hochschule über die erforderlichen Kompetenzen der Schüler für sinnvoll. Peter Silbernagel definiert die Digitalisierung als digitale Bildung, die medienpädagogische Konzepte bräuchte. Er fordert zudem eine Erziehungspartnerschaft zwischen Schule und Eltern. "Es kann nicht sein, dass Kinder auf einer Klassenfahrt zum ersten Mal erleben, wie es ist, gemeinsam zu essen", sagt er. Auf den Einwand aus dem Publikum, es gebe zu viele Abiturienten, verweist der Hochschulvertreter auf die Digitalisierung, die fast alle Jobs betreffen werde. Dies erfordere Bildung und Ausbildung.

Mit dem Zukunftsthema Bildung haben Bernd Fabry, Geschäftsführer der Ip² Patentanwälte, und Detlev Rauch, Inhaber von EO Mönchengladbach, als Veranstalter der Schlossgespräche ein Thema gefunden, das so viele Gäste anlockte, dass in den Rittersaal von Schloss Rheydt ausgewichen werden musste. Ein gelungenes Format - Fortsetzung erwünscht.

(RP)