Ackerhelden expandieren: Experiment "Selbstversorgung" geglückt

Ackerhelden expandieren : Experiment "Selbstversorgung" geglückt

Mit einem eigenen Stück Bio-Acker wurde die Gladbacherin Kristin Gruden (24) für ein halbes Jahr zur Hobby-Bäuerin. Nach sechs Monaten Pflanzen ziehen, Unkraut jäten und Ernte einfahren zieht sie eine positive Bilanz als Ackerheldin.

Die Hokaido-Kürbisse blitzen leuchtend Orange aus dem Feld von Kristin Gruden (24) hervor. Auch Rotkohl, Mangold und Kartoffeln kann die Studentin der Hochschule Niederrhein noch abernten. Sechs Monate lang hat sie das Experiment Selbstversorgung gewagt und in Venn einen Mietacker von 40 Quadratmeter Fläche bewirtschaftet. Spricht man sie auf ihre Erfahrungen als Ackerheldin — abgeleitet vom Name des Anbieters der Mietflächen — an, dann sprudelt es förmlich aus ihr heraus. Die eigenen Tomaten bezeichnet sie als "Geschmacksexplosion" und die lustigen Wunderlinge, die bei der Ernte von Bamberger Hörnchen, einer Kartoffelsorte, ans Licht kamen, waren optisch wie geschmacklich "Höhepunkte der Saison".

Selbstversorgung ist "in"

Diesen "Aha-Effekt" würden Kunden vor allem bei bekannten Produkten wie Kartoffeln, Tomaten oder Salat schmecken, sagt Birger Brock (38), Mitgründer der Ackerhelden GmbH. "Das sind Augenöffner, denn ein frisch geernteter Bio-Salat ist einfach butterweich und so geschmackvoll, das schafft kein Supermarkt", sagt Brock. Gemeinsam mit Tobias Paulert (37) hat er die Idee zu den Ackerhelden umgesetzt. Unter dem Motto "Supermarkt kann jeder — echte Helden ackern selbst" bieten die Freunde in Venn vorbepflanzte Acker-Parzellen zur Miete an. 248 Euro kostet eine 40 Quadratmeter großes Feldstück, 445 Euro eine 80 Quadratmeter große Fläche für eine Saison von Juni bis November.

Dass sie damit einen Nerv getroffen haben, zeigt die wachsende Nachfrage: 2014 soll es deutschlandweit 15 neue Ackerhelden-Standorte in Städten wie München, Freiburg, Frankfurt oder Heidelberg geben. Auch in Mönchengladbach wollen die Ackerhelden aufstocken und gemeinsam mit dem Bioland Brungs künftig 100 Parzellen zur Miete anbieten. "Generell können wir unser Konzept überall umsetzen", sagt Tobias Paulert. Voraussetzung sei ein Partner vor Ort, der Felder ausschließlich nach den Richtlinien des ökologischen Anbauverbands Bioland betreibt. Denn beim Thema Bio geht das Duo, das sich bereits aus Schulzeiten kennt, keine Kompromisse ein.
Mit der Entscheidung für einen Mietacker bekommt der Kunde eine Art Rundum-sorglos-Paket geliefert: ein Schuppen mit Geräten steht auf dem Feld bereit und regelmäßig gibt es Experten-Tipps zur korrekten Pflege und Ernte der Pflanzen. Damit die Hobby-Bauern ihre Ernte auch verwerten können, erhalten sie außerdem Rezeptvorschläge von Spitzenkoch Stefan Marquard, der Gründer der Küchenhelden "Junge Wilde".

Selbstversorgung rechnet sich

Dass sich das Konzept auch finanziell lohnt, bestätigt Kristin Gruden: "Wir waren die ganze Saison über mit Gemüse versorgt und mussten praktisch nichts dazu kaufen", erzählt sie. Rechnet Gruden Miete und Ernteertrag gegeneinander auf, dann hat sie fast den dreifachen Wert an Bio-Gemüse geerntet.

"Es war alles viel besser als erwartet", sagt die 24-Jährige. Dass sie Bekannten eine Freude mit frischem Mangold oder Zucchini — denn die gab es im Überfluss — machen konnte und der Austausch mit den anderen Ackerhelden, das alles hat Gruden so viel Freude bereitet, dass sie auch für das kommende Jahr eine Parzelle reserviert hat. Nur in einem Punkt will sie sich dann verbessern: dem Anbau von Wirsing. "Der hat bei uns auf dem Feld irgendwie gar nicht funktioniert, obwohl die Nachbarn alle fleißig geerntet haben", sagt sie.

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