Mönchengladbach: Euro: Patentlösung gibt es nicht

Mönchengladbach : Euro: Patentlösung gibt es nicht

Ein Patentrezept, wie die Eurokrise zu bewältigen sei, hat Professor Wolfgang Gerke nicht. Wer mit diesen Erwartungen zu den 20. Mönchengladbacher Wirtschaftsgesprächen in das Haus Erholung gekommen ist, wurde enttäuscht.

Der Präsident des Bayerischen Finanz-Zentrums machte zu Beginn seines Vortrags vor Unternehmern sowie Vertretern aus Politik und Kultur klar, dass es nicht die eine Lösung gibt. "Ich rufe nicht dazu auf, in der Diskussion Dinge als alternativlos anzusehen", sagte er, "sondern ich versuche, das Beste aus allen Gedanken herauszuziehen."

Denn nur den Griechen die Eurokrise in die Schuhe zu schieben, wäre zu einfach. Alle, auch die Deutschen, hätten an der Entwicklung zur Krise mitgearbeitet, sagte Gerke. Geladen zu der Veranstaltung hatten die Wirtschaftsförderung der Stadt und die IHK, unterstützt von Stadtsparkasse und Rheinischer Post. 350 Gäste waren gekommen.

Gerke selbst hatte einst für die Verträge von Maastricht die Werbetrommel in TV und Zeitungen gerührt. Auch heute noch ist Gerke von der Europäischen Idee, der Einführung des Euros und den Inhalten der Verträge überzeugt. "Was fehlte, waren Vertragstreue, Kontrollen und Sanktionen", sagte er. Auch Deutschland und Frankreich hätten sich nicht an die im Vertrag festgelegten Euro-Spielregeln gehalten.

Die Rolle der EZB sieht er kritisch. "Daraus wurde eine Bad Bank für Staatspapiere gemacht", sagt Gerke. "Das haben uns die Amerikaner vorgemacht, und das ist eine andere Politik, als in Maastricht geplant war." Zur Lösung der Euro-Krise empfiehlt Gerke ein Umdenken zum seriösen kaufmännischen Wirtschaften — bei den Staatsfinanzen und auf den Märkten. "Griechenland braucht eine neue Chance", betonte er. "Einen hohen Schuldenschnitt sowie ein Aufbau- und Restrukturierungsprogramm." Und: Griechenland müsse aus dem Euro raus.

Auch wenn der Austritt Deutschland vermutlich 80 bis 90 Milliarden Euro kosten werde, plädiert Gerke dafür. "Wenn es so weiter geht wie bisher, wird es noch teurer", sagte er.

(gam)
Mehr von RP ONLINE