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Mönchengladbach: Esprit-Zentrum geht an den Start

Mönchengladbach : Esprit-Zentrum geht an den Start

Vom Regiopark aus werden künftig 350 Filialen und 10 000 Verkaufsstellen des Modekonzerns in ganz Europa beliefert. Das hoch automatisierte Großlager ging zwar verspätet in Betrieb, doch nun entstehen rund 600 Arbeitsplätze. Und: Es gibt einen neuen Interessenten für Flächen im Regiopark.

23 Kilometer Förderbänder, ein automatisiertes Kartonlager mit einer Kapazität von 220 000 Kartons, 150 Millionen Esprit-Teile, die im Jahr die Hallen durchlaufen: Es sind Superlative, mit denen das neue gemeinsame Logistikzentrum von Esprit und Fiege im Regiopark aufwarten kann. Vor kurzem ist es in Betrieb gegangen — verspätet zwar und nach einigen baulichen Querelen, doch nun wird die Belegschaft schubweise nach oben gefahren. Bis zu 600 Arbeitsplätze sollen bis zum Jahr 2013 in Güdderath entstehen. Aus dem Nichts heraus kommen diese Stellen allerdings nicht: Ein Großteil der bisherigen Aktivitäten für Esprit im Fiege Mega-Center in Ibbenbüren (Kreis Steinfurt) werde in einem langfristigen "Migrationsprozess" nach Mönchengladbach verlagert, teilten der Logistikanbieter Fiege und der Modekonzern Esprit jetzt mit.

Für die Vitusstadt jedoch wird mit der Inbetriebnahme ein lange angekündigter und gebührend gefeierter Coup Wirklichkeit: Von nun an operiert eine international führende Modemarke von einem modernen und hoch automatisierten Distributionszentrum in Gladbach aus und liefert seine Kollektionen nach ganz Europa. Von dem Zentrum aus, "Esprit Distribution Center Europe" (DCE) genannt, werden künftig die 350 selbst betriebenen Esprit-Filialen sowie über 10 000 Verkaufsstellen beliefert. Die Grundfläche beträgt 76 000 Quadratmeter, die Hallenfläche 32 000. Gesteuert wird das Lager über das Fiege-eigene, SAP-basierte Lagerverwaltungssystem.

"Mit dem neuen DCE können wir unsere bisher überwiegend manuellen Prozesse hin zu höchst automatisierten Abläufen weiter entwickeln", sagte Eric Berben, Head of Global Supply Chain/Logistics von Esprit. "Damit werden wir nicht nur unsere Effizienz steigern, sondern uns auch noch besser auf die Anforderungen unserer Kunden ausrichten." Mit Einführung einer umweltfreundlichen Mehrwegkiste, der so genannten Retail-Box, zur Belieferung der Esprit-eigenen Läden, solle zum Ende des Jahres in Mönchengladbach außerdem die Umweltfreundlichkeit der Prozesse erhöht werden. Die bereits im DCE getesteten Boxen sollen "Ökonomie und Ökologie verbinden". Denn neben Kosteneinsparungen in der Beschaffung und Entsorgung spart die Kiste während ihrer fünf- bis achtjährigen Nutzung Ressourcen, da zukünftig eine große Menge an Kartons eingespart werden kann.

Um die Ansiedlung von Esprit und Fiege war lange gerungen worden — acht Städte kämpften darum, den Zuschlag als Standort zu bekommen. Oberbürgermeister Norbert Bude erfuhr Ende 2009 mitten in der Nacht per SMS, dass die Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen waren. Mit dem Esprit-Coup stand damals auch endlich fest, dass der seit Jahren vor sich hin dümpelnde Regiopark nicht zu einem Rohrkrepierer verkommen würde — bei der Grundsteinlegung im April 2010 war sogar die damalige NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) zu Gast und lobte den Standort. Dann allerdings geriet ein wenig Sand ins Getriebe: Das Zentrum wurde mitnichten, wie geplant, bereits in der ersten Jahreshälfte 2011 fertig. So soll es beispielsweise Probleme mit der Belastbarkeit des Hallenbodens gegeben haben, die erst ausgemerzt werden mussten. Im April waren erst 32 Vollzeitstellen eingerichtet worden, die Mitarbeiter habe man allesamt aus dem Raum Mönchengladbach rekrutiert, so Fiege damals. Fiege zeichnete für den Bau des Logistikzentrums verantwortlich. Sämtliche Investitionen in die technische Betriebsausstattung tätigte Esprit. Eigentümer der Immobilie ist die Investmentgesellschaft Union Investment, mit der Esprit für die Immobilie langfristige Mietverträge abgeschlossen hat.

Frühzeitig sicherte sich Esprit zudem die Option auf ein weiteres, 160 000 Quadratmeter großes Gelände für einen möglichen Ausbau. Inwiefern das vorgesehen ist, steht noch nicht fest. In einer aktuellen Mitteilung von Esprit heißt es dazu nur: "Der Standort bietet die Möglichkeit, das neue Distributionszentrum kurzfristig zu erweitern." Doch auch anderweitig könnte sich bald möglicherweise in direkter Nachbarschaft etwas tun: Nicht nur das angrenzende Logistikzentrum von DHL und Primark nimmt Formen an, auch mit einem ganz neuen Interessenten wird derzeit verhandelt. "Es laufen intensive Gespräche", sagt Andreas Wurff, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft (EWMG) und Technischer Beigeordneter. Mönchengladbach konkurriere neben einer weiteren Stadt um ein großes Investment. Details könne man noch nicht nennen. Wurff: "Wir haben gute Argumente auf unserer Seite."

(RP)