Mönchengladbach: Eselswege, Pfandringe, Chaplin statt Hindenburg

Mönchengladbach : Eselswege, Pfandringe, Chaplin statt Hindenburg

Rund 400 Vorschläge von Bürgern zur Aufwertung der Gladbacher Innenstadt sind bereits abgegeben worden. Seit dieser Woche laufen zudem die "Stadt-Checks", bei denen Passanten gezielt befragt werden.

Was soll in der Gladbacher City so bleiben, wie es ist? Und was muss sich dringend ändern? Das sind die zwei Fragen, die die Gladbacher bei den "Stadt-Checks" des Büros Urbanista derzeit beantworten sollen, gestern etwa vor dem Minto. Die Ideen sollen im Rahmen des "Integrierten Handlungskonzepts" Berücksichtigung finden. Die Beteiligung war, trotz des Wetters, gestern gut, die Bürger schätzten es, dass "so auch unsere Meinung mit berücksichtigt wird", so ein Passant.

Auf der Ideenkarte auf der Seite www.innenstadt-dialog-mg.de sind bereits etwas mehr als 400 Vorschläge eingetragen worden. Dabei überwiegen die Orangetöne ("Was soll sich ändern?"), kaum überraschend, klar die Grautöne ("Was soll so bleiben?"). Die Ideen der Bürger beziehen sich auf die unterschiedlichsten Orte und Themenkomplexe, haben aber erfreulicherweise zwei Dinge gemein: Sie sind, entgegen derzeit gängiger Umgangsformen im Netz, kultiviert und überwiegend konstruktiv vorgetragen. Und bemerkenswert konkret.

Verkehr und Lärm Zahlreiche Einlassungen der Bürger beziehen sich auf den Themenkomplex Verkehr, speziell im Bereich von Aachener-, Burggrafen- und Luisenstraße. Es bräuchte aber auch, einem Bürger zufolge, eine vernünftige Bushaltestelle zwischen Haus Zoar und Marienhof. Das heutige Radwegenetz wird sogar als "lebensgefährlich" tituliert, mehr Park-and-ride-Möglichkeiten werden eingefordert. Sauberkeit Bürger fordern einen Aktionsplan gegen Graffiti, der auch die Freigabe bestimmter Flächen für talentierte Sprayer beinhaltet. Mehr Abfalleimer in der Stadt würden begrüßt; ein Teilnehmer der Ideenbörse berichtet von kleinen, zweigeteilten Mülleimern, die er in London sah und in die Passanten Kaugummis und Zigarettenkippen werfen können. Auch die Teilnahme an der "Pfand gehört daneben"-Initiative oder der Einsatz von Pfandringen wird gefordert, damit Flaschensammler nicht unwürdig in Mülleimern herumwühlen müssen, wobei sie sich verletzen könnten. Beleuchtung Die Citykirche sollte abends angemessen illuminiert werden, lautet ein Vorschlag. Auch die Esel am Sonnenhausplatz gehörten mit Strahlern "ins rechte Licht gesetzt". Selbiges gelte für die Ettl-Skulptur am Abteiberg.

Stadtgrün Monotone "Verkehrsgrünflächen" könnten in Bienenschutzwiesen umgewandelt werden, die Straße Fliescherberg könnte zur Baumallee werden. Auf der Krichelstraße, schreibt ein anderer Teilnehmer, befinde sich eine Mauer, deren Funktion sich nicht erschließt; könne diese nicht bepflanzt werden? Ein Bürger hätte den Bismarckplatz gerne komplett begrünt, ein anderer schlägt vor, die Brunnen als Beete zu nutzen. Mehr Sitzgelegenheiten "ohne Konsumzwang" und Blumen an der Hindenburgstraße wünschen sich Teilnehmer. Ein anderer schreibt zur Wegeführung im Geropark: "Vergleicht man die ,Eselswege' mit den von Menschenhand angelegten Wegen, sieht man sehr schnell und sehr deutlich, dass es Sinn machen würde, diese überein zu bringen."

Zentrale Punkte Warum den Alten Markt nicht ganz neu denken?, fragt ein Bürger: "Sich von den festgesetzten Strukturen wie Fahrspur oder abgegrenzter Außengastronomie lösen und den Platz gliedern. Unterteilen in verschiedene Abschnitte, Sitzen unter Bäumen oder rund um den Brunnen, mehr Sitzmöglichkeiten, die baulich integriert sind. Konzentrierte kleinere Flächen für Märkte oder Feste schaffen." Jemand anderes schlägt vor, die Hindenburg- in Charly-Chaplin-Straße umzubenennen. Der sei Antifaschist, Humanist und Streiter für eine bessere Welt gewesen und ein besserer Namenspate als der Reichskanzler, gegen den sich etliche Bürger richten. Eine Markthalle am Kapuzinerplatz wird begrüßt, der "Schilderwald" am Sonnenhausplatz kritisch gesehen.

(RP)
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