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Mönchengladbach: Es klingt nach Frühling

Mönchengladbach : Es klingt nach Frühling

Die Zugvögel sind zwar noch nicht aus ihren Winterquartieren zurück, doch auch unter den in Gladbach verbliebenen Vögeln sind Sänger zu finden. Blaumeise, Rotkehlchen und Heckenbraunelle erfreuen jetzt mit ihrem Gezwitscher.

Kaum, dass die Sonne hinter den Wolken hervorlugt, ist es von den Bäumen Mönchengladbachs zu hören: das lebhafte "zizi"und "tscheretetet" der Blaumeisen oder das hohe "ziht" der Heckenbraunelle. Auch wenn die Zugvögel aus dem Süden noch nicht zurückgekehrt sind, so erfreuen uns einige Wintervögel doch bereits mit ihrem Gesang. "Die sonnigen Tage animieren die Vögel zu zwitschern", sagt Ruth Seidel, Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) Mönchengladbach. "Besonders die Meisen, allen voran die Blaumeisen, lassen ihre Stimme erklingen, wenn die Sonne lockt."

Den Blaumeisen eigen ist ihr lebhaftes Wesen. Sie sind ständig in Bewegung und häufige Gäste in Gärten. Ihr Gesang ist abwechslungsreich, beginnt aber meist mit einem hohen "zizi", der mit einem hübschen Triller endet. "Zum Teil ist der Gesang ein Ausdruck von Freude, wenn die Blaumeisen jetzt schon bei milden Temperaturen den Frühling spüren", sagt Seidel. Gewöhnlich singen die kleinen Geschwister der Kohlmeise jedoch, um ihr Revier abzustecken oder nach Weibchen zu suchen. "Der Gesang zeigt Artgenossen an: Das Revier ist besetzt", sagt Seidel. "Auf die Weise sorgen die Vögel dafür, dass jeder in seinem Gebiet genug Nahrung findet."

 Die Heckenbraunelle ist ein unauffälliger Vogel mit auffälligem Gesang. Bevor sie zu singen beginnt, sucht sie einen Aussichtspunkt.
Die Heckenbraunelle ist ein unauffälliger Vogel mit auffälligem Gesang. Bevor sie zu singen beginnt, sucht sie einen Aussichtspunkt. Foto: Hasenfuß
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Während die Blaumeisen erst jetzt langsam zu singen beginnen, sind Rotkehlchen und Heckenbraunelle auch im tiefen Winter zu hören. Das Rotkehlchen ist dabei ein echter Frühaufsteher. Schon zur Morgendämmerung ist sein "Ticksen" und "Schnickern" zu hören. Mit diesem Alarmruf warnt er Artgenossen, sobald sich Fressfeinde am Himmel zeigen. Der Gesang des Rotkehlchens ist schwieriger zu beschrieben. Charakteristisch ist eine längere, perlend dahinfließende Strophe, die sich aus überwiegend sehr hohen Tönen zusammensetzt.

Weniger melodisch klingt dagegen das Lied der Heckenbraunelle. Es wird zwar flüssig vorgetragen und ist auch sehr laut, umfasst jedoch nur wenige Töne. Menschen erinnert der Gesang eher an ein quietschendes Wagenrad. Trotzdem sucht der unauffällige Vogel, der häufig mit einem Spatz verwechselt wird, für seinen Auftritt die große Bühne. Erst nachdem die Heckenbraunelle einen Baumwipfel oder einen exponierten Zweig gefunden hat, legt sie mit ihrem schnellen auf- und absteigenden Klirren los.

 Der im Frühjahr weithin hörbare Reviergesang der Amselmännchen ist gefällig. Im Herbst hat ein Virus aber viele Amseln verenden lassen.
Der im Frühjahr weithin hörbare Reviergesang der Amselmännchen ist gefällig. Im Herbst hat ein Virus aber viele Amseln verenden lassen. Foto: Limburg

Die nächsten Vertreter, die ihre Stimmen erheben werden, sind nach Einschätzung der Nabu-Vorsitzenden Kleiber, Zilpzalp und Zaunkönig. Letzterer schmettert dann seine rund fünf Sekunden langen Strophen in einer Lautstärke los, die angesichts seiner winzigen Größe in Stauen versetzt. Noch halten die Sänger aber ihren Schnabel. Um Energie zu sparen, wie Seidel erklärt. "Auch wenn uns der Gesang der Vögel erfreut, für das Vergnügen der Menschen ist er nicht gedacht", sagt sie. Stattdessen dient er der Kommunikation. Damit sollen Partner angelockt und Reviere markiert werden. "Im Winter, wenn keine Nistzeit ist, haben die Vögel also keinen Grund zu singen", erklärt die Nabu-Vorsitzende weiter. "Singen erfordert schließlich Energie, und in der kalten Jahreszeit müssen die Vögel ihre Kräfte schonen."

Ohnehin wurden in diesem Winter nur wenige Singvögel beobachtet. Die Gründe dafür sind vielfältig: Zum einen hat im Herbst vergangenen Jahres das Usutu-Virus viele Amseln verenden lassen. "Der Einbruch der Population war gravierend. Die Bestände werden lange brauchen, um sich wieder zu erholen", sagt Seidel. Darüber hinaus war die Brutsaison im letztjährigen Frühjahr sehr kalt, wodurch die Vögel zu wenig Insekten gefunden haben und verhungert sind. Seidel appelliert an die Gladbacher, die Gärten naturnah zu belassen und insektenfreundliche Blumen wie Sommerflieder und Rote Johannisbeere zu pflanzen.

(beaw)