Serie Was Macht Eigentlich?: Erst ein Sturz, dann ein Autounfall: Zwei Olympia-Medaillen verpasst

Serie Was Macht Eigentlich? : Erst ein Sturz, dann ein Autounfall: Zwei Olympia-Medaillen verpasst

Es war der 11. August 1960, ein regnerischer Abend in der Pfalz, als auf einer kurvenreichen Straße der Borgward Isabella von Renate Junkers Vater verunglückte. Die Rheydterin und Gert Potgieter saßen nach einem Sportfest und Empfang des Bürgermeisters von Edenkoben bei der Rückfahrt nach Köln auf der Rückbank, ein Sprinter und ein Journalist aus Südafrika auf den Vordersitzen. Renate Junker kam mit leichteren Verletzungen davon, doch Gert Potgieter verlor ein Auge. Und damit die Chance, 22 Tage später bei den Olympischen Spielen in Rom Gold zu holen.

Der 23-Jährige galt für die Spiele als der große Favorit über 400 Meter Hürden, seine Spezialstrecke. Gert Potgieter hielt den Weltrekord über die "klassischen" 440 Yards (402,35 Meter) mit 49,3 Sekunden — als Erster auf der Welt, der diese Strecke elektronisch gestoppt unter 50 Sekunden gelaufen ist. In den vorangegangenen Jahren hatte er die bis dahin unangreifbare Dominanz der US-amerikanischen Leichtathleten im Hürdenlauf durchbrochen und ihnen am 16. April 1960 — an seinem 23. Geburtstag — den Weltrekord entrissen.

Dass er nun in Rom nach seinem schweren Unfall nicht starten konnte, war doppelt tragisch. Denn schon vier Jahre zuvor, 1956 im australischen Melbourne, hatte Gert Potgieter als 19-Jähriger mit großem Pech eine olympische Medaille verpasst: Eine heftige Windböe fegte in dem Moment, in dem er, damals noch als Außenseiter an zweiter Stelle liegend, die letzte Hürde nehmen wollte. Potgieter sprang etwas zu weit vor dem Hindernis ab — trat in es hinein und stürzte. Die sicher scheinende Silbermedaille war verloren. Und dann 1960 der Autounfall, 22 Tage vor seinem zweiten Anlauf auf eine olympische Medaille, diesmal als der große Favorit.

Gert Potgieter hat nach seiner Genesung noch einmal ein Comeback versucht. Doch die alte Stärke kam nicht zurück. 1966 wurde er noch einmal südafrikanischer Meister im Zehnkampf. Danach hörte er mit dem Leistungssport auf. Später wurde er zum "Leichtathleten des Jahrhunderts von Südafrika" gewählt.

Gert Potgieter war ab 1964 Direktor der Sportstiftung Südafrika, Public Relations Manager der Rembrandt Group in Stellenbosch, danach Sportdirektor der Universität von Pretoria. Seit 1988 steht er an der Spitze der Organisation "altussport", die Kinder und Erwachsene über den Sport zu kritischem und kreativem Denken und Führungsstärke erzieht, sich um sozialen Wandel bemüht und gegen Aids kämpft.

(oes)