"Ende Gelände": 2500 Klima-Aktivisten ziehen durch Mönchengladbach

Demonstration von „Ende Gelände“ : Klima-Aktivisten ziehen durch Mönchengladbach

Vom Klima-Camp in Viersen zogen am Freitag Nachmittag 2500 Umwelt-Aktivisten nach Mönchengladbach. Begleitet wurden sie von einem Polizei-Großaufgebot. Hubschrauber kreisten stundenlang über der Stadt.

Marschieren macht müde. „Wir machen jetzt 15 Minuten Pause“, ruft  eine junge Frau in die Menge, die längst hinter ihr zum Stehen gekommen ist. Es ist Freitag, kurz nach 15 Uhr. Der Zug der Klima-Aktivisten, viele davon in weißen Maler-Overalls, erstreckt sich vom Schürenweg fast bis zur Schwogenstraße. Besser gesagt: Er sitzt. Die Aktivisten sind zu Fuß aus Viersen gekommen und lassen sich nun auf der Straße nieder, auf den Gehwegen und den Einfahrten der anliegenden Häuser. Einige packen Stullen aus – Picknick am Demorand. Vorne parkt mitten auf der Straße ein weißer Geländewagen mit riesigem Lautsprecher am Heck und einem Transparent an der Seite. „Kapitalismus ist kein Naturgesetz“ steht darauf.

Die Nacht haben viele der teils aus dem Ausland angereisten Klima-Aktivisten in einem Zeltcamp in Viersen verbracht, nun soll es weiter in Richtung Tagebau gehen. Doch die Polizei hat den Viersener Bahnhof gesperrt. Das Aktionsbündnis „Ende Gelände“ organisiert Busse. Die reichen offenbar für viele nicht aus. Sie machen sich zu Fuß auf den Weg zum Mönchengladbacher Hauptbahnhof. 2500 sollen es sein. Begleitet werden sie von einem Polizei-Großaufgebot. Stundenlang drehen zwei Hubschrauber Runden über der Innenstadt. Viele Anwohner rufen bei der Polizei an und fragen, was los sei.

Dank der Marschpause ist die Kaldenkirchener Straße in Richtung Innenstadt für den Autoverkehr erst mal dicht. Polizeimotorräder und -wagen halten am hinteren Ende des Zuges, an der Ecke Schwogenstraße stehen eine Hand voll Polizeibullis, über allem kreist der Hubschrauber. Wohin es denn gehen soll? „Zur Grube“, sagt ein dunkelhaariger Aktivist, der am Straßenrand im Schatten Zuflucht gesucht hat. Zu Fuß? „Am liebsten mit dem Zug, aber die Polizei lässt uns ja nicht.“ Dass es bis zum Tagebau noch sehr weit ist, schreckt ihn nicht ab. „Wir haben ja noch das ganze Wochenende Zeit“, sagt der junge Mann und lächelt.

Doch so richtig ruhen die Aktivisten auch nicht während ihrer Pause. „Für das Leben, SUVs sind voll daneben“, tönt ein ums andere Mal ein Sprechchor, als ein großkalibriger Wagen in Richtung Viersen an den Demonstranten vorbeifährt. Aus der Viertelstunde wird dann doch mehr als eine halbe Stunde. Dann formiert sich der Zug neu. Die erste Reihe nimmt ein Transparent mit der Aufschrift. „This is just the Beginning. Heute Kohle, morgen Kapitalismus. By 2020 we rise up“ wieder in die Hände und weiter geht es Richtung Kaiser-Friedrich-Halle. Mitten im Zug geht eine Trommler-Truppe, „Ende Gelände“-Rufe, hier und da auch ein „Revolution“, und es erschallen auch Demo-Klassiker, die schon die Generation der Eltern beim Anti-AKW-Protest sangen: „Wehrt euch, leistet Widerstand...“. Kurz vor der Kaiser-Friedrich-Halle wird der Zug von jungen Männern erwartet. Sie haben am Straßenrand eine ganze Batterie Wasserflaschen aufgebaut. Die Demonstrierenden sollen sich doch bitte bedienen.

Anders als in Viersen konnten die Aktivisten Züge vom Mönchengladbacher Hauptbahnhof nehmen. Foto: Milena Reimann

Vorbei am Bismarckplatz geht es schließlich zum Mönchengladbacher Hauptbahnhof – und anders als in Viersen dürfen die Demonstranten geradewegs reinmarschieren. „Psssst“, ruft jemand vorne im Zug durch ein Megaphone. „Pssst“, antworten die Dahinterstehenden und ihre Hände schnellen in die Luft – sie drücken den Daumen gegen den Rest der Finger und formen so den „Schweigefuchs“. Grüppchenweise schnellt die Geste nach hinten, bis alle ruhig geworden sind. Nach und nach lässt die Polizei die Demonstranten auf den Bahnsteig von Gleis sechs, geduldig warten Hunderte im Tunnel, bis sie sicher die Treppe nach oben laufen können. Ihr Ziel sei ein „Aktionsort am RWE Tagebau“, sagt eine Sprechrin von „Ende Gelände“: „Wir wollen die Infrastruktur von RWE blockieren.“ Fast alle Demonstranten haben dicke Rucksäcke und Isomatten dabei. „Lasst die Leute durch“ rufen die Grüppchen nun nach hinten durch und machen im Tunnel links und rechts so viel Platz, dass Menschen mit Koffern und Kinderwagen gut vorbeikommen. Die Aktivisten wollen keinen Stress – zumindest nicht mit den Mönchengladbachern.

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