Mönchengladbach: Empörung über Grab-Streit

Mönchengladbach : Empörung über Grab-Streit

Die Hocksteiner Beerdigungs-Farce sorgt für Aufregung und Unverständnis. Viele RP-Leser meldeten sich gestern kritisch zu Wort. Auch der evangelische Pfarrer Stephan Dedring reagierte: "Eine schlimme Geschichte!"

Ist Ökumene für die katholische Kirche nur ein modischer Gag? Rosemarie Heymanns findet die Hocksteiner Beerdigungs-Farce "einfach ärgerlich". Die 82-jährige ehemalige Sonderschullehrerin, bezeichnet sich selbst als "praktizierend katholisch". Und sie betont: "Ich gehöre glücklicherweise einer Gemeinde an, in der die Ökumene wirklich gelebt wird. Und das ist auch gut so." So wie Rosemarie Heymanns meldeten sich gestern viele Leser in der Redaktion und bei rp-online zu Wort, um Kommentare zu den Vorgängen in der Gemeinde St. Margareta abzugeben.

Vor Gott sind die Menschen gleich

Der Kirchenvorstand hatte die Beerdigung des verstorbenen Protestanten Horst Potz auf dem katholischen Friedhof zunächst verweigert. Erst als die — ebenfalls evangelische — Witwe Gisela Potz sich bereit erklärte, zu konvertieren, gab der Kirchenvorstand nach. Horst Potz soll morgen hinter der Pfarrkirche seine letzte Ruhestätte finden. Dazu meinen die Leser: Vor Gott sind alle Menschen gleich, warum zwingt man Gisela Potz, den Glauben zu wechseln? Und: Der verstorbene Horst Potz war in der Honschaft beliebt und angesehen. Bei seinem Engagement in der Bruderschaft hat doch auch keiner nach der Religionszugehörigkeit gefragt, oder?

Der katholische Pfarrer Wolfgang Bußler leitet die regionale Arbeitsgruppe "Bestattungskultur". Er nimmt den Kirchenvorstand von St. Margareta in Schutz: "Wir haben sechs katholische Friedhöfe in der Stadt, der in Hockstein in mit Abstand der kleinste." Deshalb sei die Friedhofssatzung auch so rigide. "Die Gemeinde bekommt sonst echte Platzprobleme." Allerdings räumt Bußler ein, dass Ausnahmen grundsätzlich denkbar sein müssen. "Der Kirchenvorstand muss jetzt seine Satzung überprüfen und möglicherweise modifizieren."

Deutliche Worte zu den Vorgängen in Hockstein findet Pfarrer Stephan Dedring von der evangelischen Gemeinde in Rheydt: "Dass man die Witwe zwingt zu konvertierten, mutet an wie ein mittelalterlicher Akt. Das ist Erpressung." Auch für den evangelischen Friedhof an der Nordstraße gibt es eine Satzung. Darin ist geregelt, wer in der schönen Parkanlage mitten in Rheydt seine letzte Ruhe finden kann. Das sind alle Christen aller Religionsgemeinschaften, die zur Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Nordrhein-Westfalen gehören. Insgesamt 28 Mitglieder hat die ACK. Das sind neben den evangelischen Kirchen auch die katholischen, die griechisch-orthodoxen, die anglikanischen und die russisch-orthodoxen Kirchen — um nur einige zu nennen. Auch Konfessionslose werden an der Nordstraße beerdigt. Ein Gesitlicher ist immer dabei.

Nächste Woche beerdigt der evangelische Pfarrer Dedring einen katholischen Christen. "Wir versuchen, auf jede Besonderheit zu reagieren. Die Seelsorge steht an erster Stelle." Und die sei im Fall der Familie Potz eindeutig vernachlässigt worden. "Eine schlimme Geschichte!" Kommentar

(RP)