Mönchengladbach: Emil Pahlke — Baumeister von Rheydt

Mönchengladbach: Emil Pahlke — Baumeister von Rheydt

Es ist nicht besonders üblich, dem Bürgermeister bei Dienstantritt gleich eine Ode an die Freude zu schreiben. Als Emil Pahlke am 4. Januar 1877 seinen ersten Tag als Bürgermeister von Rheydt verbrachte, umschmeichelten ihm diese Zeilen das Gehör:

"Nun bricht herein die neue Zeit / Für Dich, mein liebes, trautes Rheydt / Und ob auch draußen tobt der Krach, / Und mancher seufzet ,Weh und Ach' / In Gladbach und auch anderswo — / Uns kümmert's nicht — wir singen froh: / Der neue — juvivallera / Herr Bürgermeister ist nun da!" Man kann sagen: Emil Pahlke wurde begrüßt wie kein zweiter Bürgermeister in Rheydt. Dieser Sympathiebekundung wurde Pahlke in 16 Jahren an der Stadtspitze durchaus gerecht.

Pahlke prägte sowohl das Erscheinungsbild der Stadt Rheydt wie auch Strukturen in der Verwaltung. Als er seinen Dienst antrat, hatte die Verwaltung ganze drei Mitarbeiter. Die Verwaltungskosten beliefen sich auf 17 200 Mark im Jahr. 1893, als er starb, waren es 30 325 Mark. Rheydt expandierte immer weiter, und das merkte man auch dem Gesicht der Stadt an. War sie in dieser Hinsicht 1877 noch ein beschauliches Landstädtchen, wurde aus ihr eine expandierende Industriestadt. Pahlke förderte das Bauwesen.

Als eine der ersten Amtshandlungen erließ Pahlke im Mai 1877 ein Ortsstatut, das die planmäßige Anlage von Straßen erlaubte. Erstmals gab es dauerhaft angelegte Bürgersteige, und ab 1882 hatte Rheydt mit Hermann Kraatz sogar einen Stadtarchitekten. Es wurden Fabrikgebäude, das Krankenhaus in Ohlerfeld, das Wasserwerk auf der Geistenbecker Höhe, ein neuer Schlachthof, und zum Schluss auch der Kaiser-Park (heute Schmölderpark) errichtet, dessen Eröffnung Pahlke allerdings nicht mehr erlebte. Ab 1881 verkehrte die Pferde-Straßenbahn zwischen Gladbach und Rheydt im Zehn-Minuten-Takt. Das Straßennetz wuchs auf 46 Kilometer Länge an, insgesamt gab es 1897 (also vier Jahre nach Pahlkes Tod) 3275 Wohn- und Geschäftshäuser. Die Steuereinnahmen stiegen von 249 459 Mark (1887) auf 621 847 Mark (1893).

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Keine Frage: Rheydt wurde unter Pahlke innerlich und äußerlich langsam zur bedeutsamen Industriestadt. Der in Emmerich geborene Pahlke, dessen Militärkarriere als Artillerieoffizier eine Kriegsverletzung beendet hatte, trug mit seiner besonnenen Art entscheidend dazu bei. Dass die Stadtverordnetenversammlung ihn 1889 wiederwählte, war keine große Überraschung. Im Gegenteil: Kaiser Wilhelm II. verlieh ihm sogar als erstem Rheydter Stadtoberhaupt den Titel "Oberbürgermeister".

Folglich war die Bestürzung nach seinem Tod am 25. Januar 1893 groß. Die Rheydter Zeitung kleidete die Todesnachricht am folgenden Tag in blumige Worte: "Als sich der Oberbürgermeister gegen 10 Uhr in seine Häuslichkeit begab, pflog er noch der Geselligkeit im Kreise der Seinen, da sank er plötzlich vom Stuhle und verschied. Ein Herzschlag hatte seinem rührigen Dasein ein Ende gemacht und dem kräftigen Leben ein rasches, jähes Ende bereitet. Der hinzugezogene Arzt konnte nur den inzwischen eingetretenen Tod constatiren." Darüber gibt es kein Lied.

(RP)
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