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Mönchengladbach: Eltern und Sohn gemeinsam vor Gericht

Mönchengladbach : Eltern und Sohn gemeinsam vor Gericht

Angeklagt waren sie wegen Betruges mit einer gestohlenen EC-Karte, Hehlerei oder Urkundenfälschung.

Betrug, Urkundenfälschung mit einer gestohlenen EC-Karte und Diebstahl warf die Staatsanwältin gestern einem 19 Jahre alten Angeklagten vor. Dessen Eltern mussten wegen Hehlerei vor dem Jugendschöffengericht ebenfalls auf der Anklagebank Platz nehmen. Der Sohn hatte bereits bei der Polizei ein komplettes Geständnis abgelegt, das er gestern wiederholte. "Ich habe damals auf der Straße gelebt. Dann habe ich die Eltern angerufen und ihnen gesagt, dass ich mit einer geklauten EC-Karte einkaufen könnte", erinnerte sich der Angeklagte. Er habe auch für die Eltern eingekauft. "Ich hatte nachher nichts", ergänzte der junge Mann. Die 49-jährige Mutter verfolgte die Verhandlung schweigend. "Ich will aussagen", rief dagegen der Vater (43) sofort. "Das ist alles frei erfunden, was der Sohn gesagt hat. Ich weiß nichts davon. Unser Sohn ist kurz vor seinem 18. Geburtstag zu Hause ausgezogen", empörte sich der Vater. Doch der 19-Jährige erklärte, er habe zum Beispiel Tiernahrung in großer Menge mit der EC-Karte gekauft. Tiere, Hunde, Goldfische und Hühner habe es aber nur im Haushalt der Eltern gegeben. Er habe damals auch aus der Wohnung von Freunden, die ihn aufgenommen hatten, Gegenstände gestohlen. Die Beute sei in einem Auto transportiert worden, so der Angeklagte. Dabei wies er auf den Vater. Der habe schließlich ein Auto.

Danach sagte der 22-jährige Bruder des Angeklagten aus. Auch er wohnt inzwischen nicht mehr bei den Eltern. "Wir Kinder wurden von den Eltern oft unter Druck gesetzt", erinnerte sich der 22-Jährige. Der Angeklagte hatte gesagt, die Kinder seien von den Eltern zu Diebstählen angehalten worden. "Das stimmt so nicht. Das ging von uns aus. Aber ich vermisste die Unterstützung von meinen Eltern", ergänzte der ältere Bruder. Vor Gericht wurde bekannt, dass der Angeklagte sich inzwischen von der Familie distanziert hat. Der 19-Jährige lebt in einer Wohngruppe in Wuppertal und besucht eine Abendrealschule. "Ich will den Schulabschluss nachholen. Und ich habe bereits eine "Eins" geschrieben", freute sich der junge Mann gestern. Das Gericht verurteilte ihn am Ende zu einer einjährigen Jugendstrafe mit Bewährung. Außerdem muss er 70 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Die Eltern wurden wegen Hehlerei zu Geldstrafen verurteilt, die vorbestrafte Mutter zu 1000 Euro und der Vater zu 700 Euro.

(RP)