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Mönchengladbach: Elferrat – Parlament der Narren

Mönchengladbach : Elferrat – Parlament der Narren

Nur dasitzen und nichts tun: So einfach kann sich der Elferrat einer Karnevalsgesellschaft nicht aus seiner Verantwortung stehlen. Die Herren im Hintergrund sind bei Sitzungen Animateure fürs Publikum. Und nebenher organisieren sie den Karneval – so wie bei Schwarz-Gold Rheydt.

Nein, ein leichter Job ist das nicht. Im Hintergrund sitzen, klatschen, "All Rheydt!" rufen, am Bier- oder Wasserglas nippen und einen netten Abend verbringen: Wer diese Vorstellung von einem Elferrat hat, der kennt das karnevalistische Geschäft nicht. Denn das Parlament unter der Narrenkappe verbreitet nicht nur Frohsinn – jeder Einzelne muss zugleich Vorzeigekarnevalist, Eisbrecher, wandelnde Stimmungskanone und Organisator in einer Person sein. Ohne den Elferrat läuft nichts im Sitzungskarneval. Und wenn die im Hintergrund agierenden Animateure mal wenig inspiriert sind, dann, so weiß Thomas Schmitz von der Karnevalsgesellschaft Schwarz-Gold Rheydt, gibt's gleich etwas auf die Mütze. "Unsere Mitglieder haben uns bereits kritisiert, wenn der Elferrat zu lahm war", sagt der Vorsitzende der 111 Jahre alten Gesellschaft.

Das ist eine Ehre

Schmitz ist einer der jungen Präsidenten im Mönchengladbacher Karneval. Der 39-Jährige ist im Karneval ein alter Hase, der bereits als 13-Jähriger mit Schwester Ruth Ahrweiler über die schwarz-goldene Karnevalsbühne der Rheydter tanzte. Irgendwann ergab es sich dann, dass bei der altehrwürdigen Gesellschaft ein Platz im Elferrat frei wurde und Schmitz das Angebot erhielt, ihn zu besetzen. Für ihn war es nicht nur Verpflichtung, sondern vor allem Ehre. "Das ist eine Auszeichnung. Früher bekam man nur dann diese Chance, wenn jemand etwa wegen Krankheit oder Tod ausschied. Auch heute noch ist der Elferrat etwas Besonderes", sagt der Präsident.

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Das wird jedem klar, der in die Geschichte der Schwarz-Goldenen eintaucht. Der 1866 in Rheydt gegründete katholische Gesellenverein war der Vorläufer der Gesellschaft: Zuerst bildete sich eine Laienspielschar, die schließlich mit Büttenreden die ersten karnevalistischen Gehversuche unternahm. Ein Foto, das Original-Programm und Liedtexte von 1898 liegen im Archiv der Rheydter Karnevalisten, als ihre Vor-Vor-Vor-Gänger Millowitschs Theaterstück "Drei Tage Kölner Leben" auf die Bühne brachten. Walter Langen war nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur Präsident von Schwarz-Gold, sondern ein Oberkarnevalist in Rheydt. Sein Nachfolger Manfred Breuers sorgte nicht nur für neuen Schwung, er war auch der Lehrmeister für Thomas Schmitz. "Er hat mir alles beigebracht, was ich für dieses Amt brauche", sagt Schmitz.

Aber er, der sich mit einer Rolle im Hintergrund nie zufrieden gibt, und die Aktion im Narrenkleid auf der Bühne liebt, hat schnell neue Akzente gesetzt. "Ein Elferrat muss immer ein ganz bestimmtes Bild ergeben, das der Besucher der Sitzungen auch wahrnimmt", sagt er. Er selbst sitzt natürlich in der Mitte, rechts von ihm sein Vize Manfred Breuers, links Geschäftsführer Thomas Gerresheim. Und wenn jemand aus dem Rat bei einem Programmpunkt mitmischt, nehmen Springer seinen freien Platz ein. Schmitz achtet sogar darauf, dass die Elferrats-Mitglieder nach ihrer Größe links und rechts Platz nehmen – und ein Kleiner mittendrin dieses Bild nicht sprengt.

Und was macht der Elferrat, wenn er nicht vor 450 Besuchern bei der Großen Rheydter Narrensitzung den Ton angibt? Selbst in der karnevalslosen Zeit ist Schmitz mit seinem kongenialen Partner Thomas Gerresheim damit beschäftigt, Sitzungen zu organisieren, Künstler zu verpflichten, Säle zu mieten. Jedes Mitglied aus dem Elferrat hilft – je nach Talent und Fähigkeiten. "Wir sind", sagt Schmitz, "eine eingeschworene Gemeinschaft." Und so sieht diese aus: Thomas Schmitz, 39 Jahre, Versicherungsfachwirt, aktiv seit 1988, Lieblings-Karnevalskostüm: Pharao, Karnevalsmotto: Lach ens weer. Manfred Breuers, 70, Rentner, aktiv seit 1973, Kostüm: Sultan, Motto: Spaß und Freud für alle. Thomas Gerresheim, 31, Drucker, aktiv seit 1995, Kostüm: Hippie, Motto: Et kütt wie et kütt. Hans Erdmann, 58, Techn. Angestellter, aktiv seit 2003, Kostüm: Pirat, Motto: Mer lasse uns der Spass net verderbe. Herbert Wirtz, 72, Rentner, aktiv seit 1975, Kostüm: Pommpomm, Motto: Komm loss mer fiere. Dieter Kühn, 59, Beamter, aktiv seit 1989, Kostüm: Vogelscheuche, Motto: Emmer jönne könne. Ralf Wingerath, 45, Controller, aktiv seit 1991, Kostüm: Clown, Motto: Wer blieve wie mer worre. Jean Marc Heitz, 56, Angestellter, aktiv s. 1990, Kostüm: Uniform, Motto: Et es noch immer joot jejange. Harry Bihn, 58, Rentner, aktiv seit 1989, Kostüm: Littfass-Säule, Motto: Je oller je doller. Bernd Schmidt, 35, Elektroinstallateur, aktiv seit 1996, Kostüm: Mozart, Motto: Jeck wie immer. Georg Thomsen, 75, Rentner, aktiv seit 1998, Kostüm: Uniform, Motto: Wer blieve wie mer worre.

(RP)