Professor Jens Wetterau: Eisenhower-Prinzip hilft gegen Stress

Professor Jens Wetterau : Eisenhower-Prinzip hilft gegen Stress

Am 4. April ist das dritte Symposium für Gesunde Arbeit an der Hochschule Niederrhein. Es sind noch einige Plätze frei.

Wie sieht betriebliche Gesundheitsförderung aus? Wodurch zeichnet sich ein Führungsstil aus, der die Gesunderhaltung der Mitarbeiter berücksichtigt? Antworten gibt das 3. Mönchengladbacher Symposium für Gesunde Arbeit, das am Freitag, 4. April, von 9.30 Uhr bis 16.30 Uhr in der Hochschule Niederrhein, Webschulstraße 39, gehalten wird. Die Veranstaltung ist öffentlich, Anmeldung möglich bei REFA BV Mittlerer Niederrhein, Kaiserstr. 41 (Tel. 02161 92689-16). Der Oecotrophologe Prof. Dr. Jens Wetterau von der Hochschule Niederrhein, Initiator des Symposiums, erklärt, wie Arbeit gesund und nicht krank macht.

Herr Wetterau, macht Arbeit krank?

Prof. Dr. Jens wetterau Stress, Hektik und eine falsche Ernährung können dazu führen, dass Arbeit in der Tat krank macht. Aber wenn man gegensteuert, sich Auszeiten nimmt und sich richtig ernährt, bleibt man gesund und produktiv. Es ist erwiesen, dass gesunde Mitarbeiter hochmotiviert sind und wesentlich mehr leisten können.

Wenn das so ist, müssten doch alle Unternehmen sofort die Reißleine ziehen und ihre Mitarbeiter entsprechend unterstützen...

Wetteraus Es ist schon festzustellen, dass viele Unternehmen die Zeichen der Zeit erkannt haben und entsprechende Programme auflegen. Nicht ohne Grund hat die betriebliche Gesundheitsförderung heute einen anderen Stellenwert als noch vor zehn Jahren. In Zeiten des Fachkräftemangels müssen Unternehmen mehr für ihre Angestellten tun. Und das trifft insbesondere auf Nachwuchskräfte zu!

Warum?

Wetterau Die junge Generation denkt heute anders. Karriere machen ist wichtig, aber noch wichtiger sind oftmals die Familie und die eigene Gesundheit. Die Ansprüche sind diesbezüglich deutlich gestiegen. Bereits in Bewerbungsgesprächen müssen Personalleiter oft die Frage beantworten: Wie sieht bei ihnen die betriebliche Gesundheitsförderung aus?

Sie haben auch Ernährung als Problemfaktor genannt. Im Fast-Food-Zeitalter ist eine Ernährungsumstellung gar nicht so einfach, oder?

Wetterau Das stimmt teilweise. Diese "To Go"-Mentalität ist ein absolut falsches Signal. Essen und Trinken "auf der Hand" verursacht Stress. Man mag dadurch zwar vordergründig Zeit gewinnen, aber der Schein trügt. Die eigene Produktivität leidet unter diesem "Hineinschlingen" von Mahlzeiten. Im Endeffekt ist dieses hastige Essen ungesund und man wird im Nachgang davon oft auch müde. Auch der Preis spielt eine Rolle. Wir steuern auf amerikanische Verhältnisse zu. Die große Frage ist: Wollen wir das?

Wie kann man gegensteuern?

Wetterau Wenn es um Ernährung geht, hilft eine einfache Formel: Man sollte sich Zeit für seine Mahlzeiten nehmen und Fast Food, wenn überhaupt, nur sporadisch konsumieren. Es gibt Alternativangebote: Obst oder Salat beispielsweise, aber auch das klassische Butterbrot. Und man sollte am Arbeitsplatz bewegte Pausen einführen. Es muss nicht gleich ein Fitnesskurs sein. Aber kurze Gymnastikübungen oder ein Spaziergang an der frischen Luft helfen weiter und laden die Akkus wieder auf. Man wird überrascht sein, wie leistungsfähig man danach wieder ist.

Die ständige Verfügbarkeit durch Smartphone & Co. haben sicherlich dafür gesorgt, dass die Arbeitszeit für viele heute stressiger ist. Wie gehen Sie damit um?

Wetterau Ich bin nicht anders als die anderen. Diese Erwartungshaltung treibt uns an. Ich schaue ebenfalls mehrmals am Tag auf mein Smartphone, ob ich neue Mails erhalten habe. Ich will das auch nicht grundsätzlich verteufeln. Schlimm ist nur, wenn man sofort auf diese Mails reagiert oder der Absender eine sofortige Reaktion erwartet. Wir leben und arbeiten heute in Echtzeit. Es vergehen zum Teil nur Sekunden, bis eine Antwort folgt. Das ist Stress, der im Regelfall aber nicht durch den Absender, sondern durch den Empfänger selbst entsteht. Keiner erwartet, dass man sofort reagiert. Und wer so einen Chef hat, sollte vielleicht den Arbeitsplatz wechseln.

Das ist einfacher gesagt als getan. Die Arbeitswelt dreht sich zunehmend schnell. Immer weniger Mitarbeiter müssen immer mehr leisten.

Wetterau Das ist ein Problem, in der Tat! Aber irgendwann ist auch der Punkt erreicht, wo man nicht noch mehr Aufgaben erledigen kann, ohne seiner Gesundheit zu schaden. Man muss auch "Nein" sagen können. Ein vernünftiges Zeitmanagement kann helfen. Man sollte sich seine Arbeit einteilen. Das Eisenhower-Prinzip hilft bestimmt.

Das Eisenhower-Prinzip? Klären Sie uns auf!

Wetterau Anstehende Aufgaben in Kategorien einteilen, die wichtigsten Aufgaben zuerst erledigen und unwichtige Dinge sofort aussortieren. Man wird überrascht sein, wie viele Dinge sich dann "von selbst erledigen."

DIRK RICHERDT FASSTE DAS GESPRÄCH ZUSAMMEN.

(RP)