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Mönchengladbach: Eisenbahn-Romantik zum Anfassen

Mönchengladbach : Eisenbahn-Romantik zum Anfassen

Wilfried Küffner macht Träume wahr, nicht nur für Eisenbahn-Nostalgiker. Am 16. Juni kommt der Rheingold-Zug mit der Weltrekord-Lok zum Niederrhein, macht auch Halt in Mönchengladbach: zum Gucken, Ein- oder Aussteigen.

Es ist längst nichts Neues mehr für Wilfried Küffner. Doch der 75-jährige Odenkirchener gerät immer noch ins Schwärmen, wenn er über seine Leidenschaft spricht, die auch zu einem kleinen "Geschäftsmodell" geworden ist: Reisen, "aber nicht einfach nur fahren", mit der Eisenbahn. Nicht im hochmodernen Transrapid, sondern mit einer Dampflokomotive und luxuriösen Waggons. Der bekannteste hierzulande ist der legendäre Rheingold-Zug, der gerade 90. Geburtstag hat. Er kommt nun auf einer der vier Jubiläumsfahrten am 16. Juni auch nach Mönchengladbach, lädt zum Schauen aber auch Mitfahren ein - wenn denn noch Platz ist (Zu- und Ausstieg ist je nach Buchung über Telefon 02166-680122 möglich).

 Die schnellste Dampflok der Welt "18 201" hält auch in Mönchengladbach.
Die schnellste Dampflok der Welt "18 201" hält auch in Mönchengladbach. Foto: Klaus Peter Kühn

Der Rheingold-Sonderzug ist nicht nur etwas für ausgewiesene Eisenbahn-Nostalgiker. Und auch, wenn es beschaulich geht, keineswegs ein "Bummelzug", sondern der mit der schnellsten noch betriebsfähigen Dampflokomotive der Welt: der "18 201". Sie wurde 1960/61 in der DDR aus Teilen verschiedener älterer Loks gebaut und ist für eine Geschwindigkeit bis zu 180 Stundenkilometern zugelassen - damals, um Reisezugwagen bei hohen Geschwindigkeiten zu testen.

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Was hinter der Lok kommt, ist Luxus und Nostalgie aus längst vergangener Eisenbahnzeit: historische Salonwagen, die Rheingold-Bar, der kürzlich renovierte Speisewagen aus dem Jahr 1928, der berühmte Aussichtswagen, aber dann auch klassische Schnellzug-Abteilwagen Erster und Zweiter Klasse.

Die kompletten Jubiläumsreisen des Sonderzugs gehen vom 9. Juni nach Magdeburg, 10. Juni Assmannshausen bis zum 17. Juni nach Koblenz. Am 16. Juni ist der "Rheingold"-Sonderzug am Niederrhein, hält auf Hin- und Rückfahrt u. a. in Viersen, Mönchengladbach, Rheydt, Odenkirchen und Grevenbroich. Zu- und Aussteigen ist je nach Buchung an allen Stationen möglich, ebenso zum Beispiel in Duisburg, Düsseldorf oder Köln.

Wilfried Küffner ist auf der ganzen Fahrt an Bord - und schon seit Monaten mit der Vorbereitung beschäftigt. Der pensionierte Bankkaufmann hatte als Kind in den 50er Jahren zu Hause in Odenkirchen eine elektrische Eisenbahn und hat später angefangen, ausgefallene Lokomotiven und Waggons zu sammeln. Seit den 90er Jahren ist er mit seiner Frau Hiltrud im "Freundeskreis Eisenbahn Köln". 1999 hat er als Mitglied des Heimatvereins Odenkirchen das große Fest zum 125-jährigen Bestehen des Bahnhofs gemeinsam mit dem damaligen Heimatverein-Boss Emil Knour organisiert - inklusive Vorfahrt des historischen "Niederrhein-Express" mit seiner Stromlinien-Dampflok "01 !102" als Höhepunkt.

So entstand die Idee, am Niederrhein "Ausflugsfahrten" zu organisieren und anzubieten. In der Regel sind es Eintagesfahrten. Aber alle zwei Jahre veranstaltet Küffner seit 2007 mit seiner dafür gegründeten Firma "wk-press" auch eine einwöchige Tour im eigens gecharterten Rheingold-Zug,. Eine Idee, die längst einen festen Kundenkreis gefunden hat: "Ein Großteil der Reisenden ist regelmäßig dabei." Dies auch, weil Wilfried Küffner und seine Frau sich intensiv um ihre Gäste kümmern, sachkundige Reiseleiter sind, die Wissenswertes und Amüsantes zu erzählen haben.

Das wird auch jetzt im Juni bei den vier Rheingold-Jubiläumsfahrten nicht anders sein. Diesmal ist Wilfried Küffner nicht alleiniger Veranstalter, sondern hat wegen des großen Aufwands vier Partner, darunter den Freundeskreis Eisenbahn Köln, mit ins Boot (Pardon: in den Zug) genommen.

Am 10. Juni, auf der Fahrt von Köln nach Assmannshausen, gibt es sogar ein Sechs-Gang-Menü von und mit einem Spitzenkoch: Klaus Kremer, Chefkoch des Luxus-Transatlantik-Kreuzfahrtschiffs "Queen Mary 2", ist dann an Bord des Nostalgiezugs mit seiner Kreuzfahrt auf Schienen.

Die Fahrpreise sind recht unterschiedlich, je nach Kategorie, ob mit oder ohne Essen, und bewegen sich zwischen 49 bis 219 Euro.

Eine komplette siebentägige Reise kostet ab etwa 1400 bis 1900 Euro - je nach gebuchtem Waggon, immer mit Frühstück und Abendessen, Übernachtung in Vier-Sterne-Hotels und diversen Events. So standen auf dem bisherigen Reiseprogramm u.a. Malmö, Karlsbad, Erzgebirge, Dresden, Halle, Berlin, Schorfheide, Spreewald, Potsdam, Rostock, Wismar, Stralsund, Leipzig, Erfurt, Weimar, Eisenach, Lindau, Zürich, Freiburg und Breisach.

"Reisen, nicht nur einfach fahren" ist zum Hobby Küffners geworden, der dazu seit 1987 auch Autor der Stadtteilblättchen "Odenkirchener Nachrichten" und später "Unser Odenkirchen" wurde. "Wk-press - Salonwagenzug-Reisen" nennt er seine kleine Firma, mit dem Zusatz "Zeitgeschehen - Touristik - Vergnügen".

Er bietet nicht nur die Eintagesfahrten und die Jubiläumstouren des Rheingold-Sonderzugs. Küffner hat im Lauf der Jahre auch manch andere nostalgische Rarität auf Schienen präsentiert, in Mönchengladbach und am Niederrhein Da war zum Beispiel 2004 der 1953 nur 15 Mal gebaute "Schienen-Straßen-Bus". Und vor allen der Salonwagenzug BR VT08, mit dem 1954 die "Helden von Bern" nach dem Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft" von ihrem Quartier in Spiez am Thuner See nach München gefahren sind, um sich auf dort auf dem Marienplatz von einer unüberschaubaren Menge feiern zu lassen. 2003 kam der "Weltmeisterzug" nach Mönchengladbach zum 150-jährigen Bestehen der Eisenbahnverbindung mit Neuss, drei Jahre später auch zum 140-Jährigen des Bahnhofs Kaldenkirchen.

Zu allen Ereignissen hat Wilfried Küffner Wissenswertes oder persönliche Anekdoten zu erzählen. Auch auf den Jubiläumsfahrten mit dem Rheingold-Sonderzug werden ihm die Geschichten kaum ausgehen.

Informationen: www.wk-press.de

(RP)