Mönchengladbach: Einzelhandel verhalten optimistisch

Mönchengladbach: Einzelhandel verhalten optimistisch

27 Prozent der Einzelhandelsbetriebe rechnen mit einem guten ersten Halbjahr 2010, sieben Prozent wollen mehr Mitarbeiter einstellen. Dies sind Ergebnisse der Frühjahrskonjunktur-Umfrage des Rheinischen Einzelhandelsverbandes. Kleine Betriebe bauen allerdings oft Personal ab.

Wenn eine Branche einen Umsatzrückgang von zwei Prozent verkündet, ist das im Allgemeinen kein Grund für zufriedene Mienen. Anders beim Einzelhandel. Dr. Peter Achten, Hauptgeschäftsführer des Rheinischen Einzelhandels- und Dienstleistungsverbands (REHDV), war die Erleichterung anzumerken, als er dieses Ergebnis verkündete: "Das ist bemerkenswert. Wir sind gut durch die Krise gekommen."

Die Krise — das ist das Jahr 2009, als wegen der Turbulenzen in der Finanzwelt die Wirtschaft in die Knie ging und die meisten Branchen drastische Einbrüche vermeldeten. Ungeschoren blieb der Einzelhandel zwar nicht. Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen: Der Umsatz im Verbandsgebiet lag im Vorjahr bei 14,5 Milliarden Euro. Hiervon entfielen 1,5 Milliarden Euro auf Mönchengladbach, knapp 2,1 Milliarden auf den Rhein-Kreis Neuss. Die Frühjahrskonjunktur-Prognose verspricht eine positive Geschäftslage. Der REHDV hat alle 2500 Mitgliedsunternehmen angeschrieben, 291 antworteten. Wichtigste Ergebnisse für Gladbach und den Rhein-Kreis Neuss:

Geschäftslage Sie hat sich im 2. Halbjahr 2009 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bei 37 Prozent verbessert, 29 Prozent gaben an, dass sie konstant geblieben sei. Bei 34 Prozent ist sie schlechter im Vergleich zum Vorjahr — allerdings ist der Trend günstiger (2008: 39%).

Arbeitsmarkt Insgesamt werden im Mönchengladbacher Einzelhandel rund 7100 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, im Rhein-Kreis Neuss sind es ca. 9700. 76 Prozent hielten die Mitarbeiterzahl im 2. Halbjahr 2009 konstant, 11 Prozent der Betriebe steigerten sie sogar. Achten: "Kleinere Betriebe bauen oft Stellen ab. Dieser Verlust wird aber von den Großbetrieben aufgefangen, die zum Teil deutlich aufstocken." PERSPEKTIVE 2010 Verhalten optimistisch. Etwa 70 Prozent rechnen mit einer konstanten oder verbesserten Geschäftslage im 1. Halbjahr 2010. Mehr als drei Viertel der Unternehmen wollen die Mitarbeiterzahl gleich halten, 7 Prozent denken über Neueinstellungen nach. Eine große Sorge der Betriebe: "Wenn die Energiepreise weiterhin so anziehen wie derzeit, führt das zu einer Verschlechterung des Konsumklimas. Denn dann haben die Menschen weniger Geld zur Verfügung", sagt Achten. Die Zahl der Betriebe im Einzelhandel sei seit Jahren leicht rückläufig. Oft würden Geschäftsleute keine Nachfolger mehr für den Betrieb finden.

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preisentwicklung Der "beinharte Wettbewerb" der Discounter und in der Lebensmittelbranche hält die Preise, so Achten, auf einem historisch niedrigen Niveau. Er rechnet auch 2010 damit, dass die Preise stabil bleiben.

Branchen Der Bau- und Heimwerkerbereich lief im Vorjahr gut, so Achten. Ebenfalls deutlich im Plus: Foto und Optik, Möbel und Einrichtung, Schuhe und Lederwaren. Verhalten war das Ergebnis bei den Spielwarengeschäften und wegen des Preiskampfs in der Lebensmittelbranche.

knackpunkte Achten warnt vor einer Hängepartie beim geplanten Einkaufscenter an der Hindenburgstraße: "Wenn die Politik entschieden hat, muss das Projekt zeitnah verwirklicht werden. Es wäre nicht gut, wenn der unterlegene Investor das zu verhindern sucht." Kritisch sieht er weiterhin die Situation in Rheydt: "Da muss endlich etwas passieren. Wenn das Innenstadtkonzept scheitert, wäre das für diesen Einzelhandelsstandort fatal."

(RP)