Mönchengladbach Eintauchen in die Welt eines Tiergartens

Mönchengladbach · Der kleine Zoo in Odenkirchen gibt mehreren seltenen Haustierrassen eine Heimat.

 Gut versteckt im Kaninchen-Gehege: ein Nest voller Jungtiere.

Gut versteckt im Kaninchen-Gehege: ein Nest voller Jungtiere.

Foto: Sebastian Esch

Der Tiergarten in Odenkirchen ist seit vielen Jahren ein beliebtes Ausflugsziel - besonders bei Kindern. Wer schon einmal im Park war, der weiß: Hier ist einiges anders als in sonstigen Zoos. Statt Löwen, Elefanten oder Giraffen sieht der Besucher Zwergotter, Meerschweinchen, Kaninchen, Skubbe (eine Ziegenrasse) oder Kunekune (eine Schweinerasse).

 Ein Blick einer Seerobbe kann mehr als 1000 Worte sagen. Der Tiergarten Odenkirchen setzt beim Bestand vor allem auf Haustierrassen.

Ein Blick einer Seerobbe kann mehr als 1000 Worte sagen. Der Tiergarten Odenkirchen setzt beim Bestand vor allem auf Haustierrassen.

Foto: Sebastian Esch

Denn: Neben Kriterien wie "Wie attraktiv ist das Tier für Besucher?", "Ist es am Tag aktiv und für die Menschen auch zu sehen?" und "Ist es süß und niedlich, also besucherfreundlich?", setzt die Leiterin des Tiergartens, Katrin Ernst, vor allem auf das Ziel: "Die Hauptaufgabe von Zoos sollte die Erhaltung der Artenvielfalt sein", sagt Ernst.

 Die Meerschweinchen haben eine große Wiese zum Auslaufen.

Die Meerschweinchen haben eine große Wiese zum Auslaufen.

Foto: Sebastian Esch

Und um ihren Teil dazu beizutragen, nimmt die 49-Jährige in ihrem Park eben eher bedrohte Haustierrassen auf - beispielsweise die Kunekune-Schweine statt der "normalen" Schweine. "Wenn ich an neue Tiere für unsere Besucher denke, frage ich mich immer: Gibt es von diesem Tier vielleicht auch eine bedrohte Haustierrasse, die es nötiger hat als eine andere Rasse?", sagt Ernst.

 Leiterin Katrin Ernst bei der Arbeit mit den Kunekune-Schweinen.

Leiterin Katrin Ernst bei der Arbeit mit den Kunekune-Schweinen.

Foto: Sebastian Esch

Ein weiteres Beispiel sind die Nerze. "Diese Tiere waren in Deutschland praktisch ausgestorben." Unter anderem dank Katrin Ernst und des Tierparks sind sie jetzt wieder im Saarland heimisch. "Wir haben ein schwangeres Muttertier erhalten, das hier Junge geboren hat", erklärt sie. Diese habe der Tierpark dann ein halbes Jahr aufgezogen. Anschließend hat sie der Verein Europäischer Nerz im Saarland wieder angesiedelt. "Das ist einfach ein tolles Gefühl", sagt Ernst. Auf diese Weise setzt sich ein großer Teil des Parks zusammen.

 Ein Känguru-Junges schaut aus der Bauchtasche der Mutter.

Ein Känguru-Junges schaut aus der Bauchtasche der Mutter.

Foto: Sebastian Esch

"Fast alle Haustierrassen, die wir haben, sind bedroht", sagt die 49-Jährige, die schon wieder neue Haustierrassen im Auge hat: die Thüringerwaldziege und den Vietnamsika (Hirsch). Diese Rassen sollen nach und nach, die bisherigen Tiere ersetzen, sollte mal eines sterben oder abgegeben werden müssen. "Vielen Besuchern wird das vielleicht gar nicht auffallen, da sich die Tiere nicht so sehr unterscheiden. Und wir tun dadurch trotzdem etwas Gutes", freut sich Ernst. Es gibt aber noch einen weiteren Grund, warum der Besucher keine wirklich großen Tiere in Odenkirchen zusehen bekommt: der Platz. "Unser Areal ist begrenzt, deshalb müssen wir auf große Tiere verzichten", sagt Katrin Ernst. "Aber das ist auch so gewollt. Wir müssen ja auch den steigenden Tieransprüchen noch gerecht werden." Das sei schwierig genug: So muss für jedes Tier ja auch ein passender Pfleger vorhanden und ausreichend Platz im Gehege sein.

 Die beiden Zwergotter Ernie und Bert bei der Futtersuche.

Die beiden Zwergotter Ernie und Bert bei der Futtersuche.

Foto: Sebastian Esch

Der fehlende Platz ist allerdings nicht nur ein Problem im Tiergarten Odenkirchen. Auch andere Zoos in der Umgebung können keine Tiere mehr aufnehmen. Auch deshalb hat Tierpark-Leiterin Ernst, als sie den Park vor drei Jahren übernahm, eine Nachwuchsregulierung eingeführt. Ein gutes Beispiel sind die Esel: "Wenn wir die Paarung nicht unterbinden würden, hätten wir in jedem Jahr drei Fohlen", erklärt Ernst. "Diese haben eine Lebenserwartung von 30 bis 40 Jahren. Aber jeder Zoo hat schon eigene Esel. Die Tiere sind nicht mehr zu vermitteln." Auf die Dauer würde die Zahl also immer weiter steigen. Deshalb wurde der Hengst kastriert, und nur auf konkrete Nachfrage gibt es im Tierpark noch Esel-Nachwuchs. "Das ist natürlich sehr schade, aber man muss so viel Verantwortung haben", sagt Ernst. Gleiches gelte unter anderem auch für die Ponys.

 Ein Wellensittich muss feststellen, dass der Zaun sehr stabil ist.

Ein Wellensittich muss feststellen, dass der Zaun sehr stabil ist.

Foto: Sebastian Esch

Finanziert und getragen wird der Tierpark von einer gemeinnützigen gGmbH - dem Tiergarten Mönchengladbach. "Durch den Eintritt, Spenden und auch schon einmal eine Erbschaft kamen wir bislang jedes Jahr gut durch", erklärt Ernst. Wenn etwas Geld übrigbleibt, wird dieses sofort in die Anlage investiert. "Oder das Geld wird für konkrete Projekte gespart. Wie beispielsweise zuletzt für den Spielplatz."

Und auch die Besucher können aktiv etwas Gutes für die Tiere tun - indem sie eine Patenschaft übernehmen. "Das geht für jedes Tier im Park", erklärt Ernst. Diese Patenschaften werden ab einem jährlichen Betrag von 35 Euro angeboten - je nachdem, welches Tier unterstützt werden soll. Auch mehrere Patenschaften pro Tier sind möglich. "Am beliebtesten sind Kaninchen und Meerschweinchen", sagt die Leiterin. "Viele Kinder sparen über das Jahr ihr Taschengeld und kommen dann vorbei, um die Spende für "ihr" Tier persönlich abzugeben", freut sich die 49-jährige Tiergarten-Leiterin. Oft würden Patenschaften außerdem verschenkt, besonders zu Weihnachten. Auch der ehemalige Stadtkämmerer Bernd Kuckels erhielt zu seinem Abschied eine Patenschaft. Er ist Pate von einem Goldfasan.

(se)