Mönchengladbach: Einkaufs-Sonntag im Zeichen des Abrisses

Mönchengladbach: Einkaufs-Sonntag im Zeichen des Abrisses

Viele Tausend Besucher zog der verkaufsoffene Sonntag auf die Hindenburgstraße. Der Anblick der halb abgerissenen Theatergalerie und des alten Stadttheaters sorgte für gemischte Gefühle.

Es scheint, als setze der Anblick der Baustelle alle Verkehrsregeln außer Kraft: Mitten auf der Straße bleiben die Sonntagseinkäufer stehen, legen den Kopf in den Nacken und staunen über den großen Haufen aus Stahl und Schutt, der einmal ihr Stadttheater war. Erst wegen eines hupenden Busses wird die Straße wieder freigegeben.

"Den Aufbau der Stadt nach dem Krieg habe ich miterlebt, auch, wie dieser riesige Platz sich weiter entwickelt hat", erzählt ein Passant, "Ich bin gespannt, wie es mit dem neuen Projekt weiter geht." Mit einer Kamera dokumentiert er seit September den Abriss und will auch in den nächsten Monaten festhalten, wie die Arbeiten voranschreiten.

Um Platz für die mit rund 200 Millionen Euro teuren "Mönchengladbach Arcaden" zu schaffen, rückte Anfang letzten Monats ein Großbagger dem ehemaligen Schauspielhaus zu Leibe. Schon lange ist durch die mehr als zwei Meter hohen Stellwände nichts mehr von den Treppen zu sehen, auf denen sich viele Jahrzehnte lang Jugendliche trafen. Besonders bewusst wird das Ausmaß der Baustelle den Besuchern des gestrigen verkaufsoffenen Sonntags, die mit Hilfe eines riesigen Krans viele Meter über der Baustelle schweben. Bis zu einer Stunde setzen einige Besucher ihre Einkäufe aus, um am Kran Schlange zu stehen. "Wie nach einem Bombenangriff sieht es hier aus", sagt Klaus Loseries. Einmal in der Woche kommt er vorbei und beobachtet die Abrissarbeiten.

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Die Kranfahrt lässt sich der 67-Jährige bei dieser Gelegenheit natürlich nicht entgehen. Als er wieder sicheren Boden unter den Füßen hat, resümiert er: "Das ist schon unglaublich. Im Moment sieht es schrecklich aus. Aber es muss eben auch immer wieder etwas Neues her. Ich blicke dem Ganzen sehr positiv entgegen."

Gegenüber im Übergangsbau Vis-à-Vis, in dem jetzt unter anderem Sport-Scheck und die Mayersche Buchhandlung ihren Platz gefunden haben, scharen sich Besucher um die Modelle und Infotafeln des neues Baus. Schwer vorstellbar ist es angesichts der Baustelle für viele, dass an dieser Stelle tatsächlich einmal die riesigen "Mönchengladbach Arcaden" stehen sollen. An allen Ecken und Enden der Hindenburgstraße, so scheint es, bestimmen Bagger und Kräne die Gespräche.

Auch Stefan Wimmers, Vorsitzender des Mönchengladbacher City-Managements, bleibt vor der Baustelle stehen und schaut nach oben. "Das ist schon eine gute Lage für das Theater gewesen. Aber die negativen Schlagzeilen nach den Gambler-Aufführungen überlagern die Erinnerungen", sagt Wimmers, "Gut, dass es jetzt vorangeht."

(ansc)
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