Mönchengladbach: Einem Dorf stinkt's

Mönchengladbach: Einem Dorf stinkt's

Immer wieder freitags zieht ein störender Geruch durch Beckrath. Schuld sollen Abwässer eines Saftherstellers sein.

Im beschaulichen Örtchen Beckrath trauen sich Bürger an manchen Tagen nicht vor die Tür - da kann das Wetter noch so schön sein. Der Grund: Es stinkt aus dem Kanal. "Das ist teilweise nicht auszuhalten", sagt ein Anwohner. Es rieche ätzend und beißend, einfach widerlich. Und die Beckrather haben auch schon eine Vermutung, wer für den Gestank verantwortlich ist. Der Safthersteller Refresco in Herrath. Das Problem habe es vor Jahren schon einmal gegeben. Da hätte die NEW den Kanal ausgespült. Und Kanaldeckel abgedichtet. Danach habe man auch wieder frische Landluft einatmen können. "Aber jetzt fängt es wieder an. Am schlimmsten ist der Geruch freitags so ab 14.30 Uhr. Meine Mieter haben sich schon mehrfach beschwert und sogar von Auszug gesprochen", berichtet ein Beckrather.

Bei Refresco kann man sich den Gestank nicht erklären. "Wir haben eine eigene Kläranlage, und dort wird täglich der PH-Wert geprüft. Stimmt er nicht, wird sofort gehandelt", heißt es aus dem Werk. Bei jeder neuer Saftproduktion würden zwar die Leitungen zur Neutralisation gereinigt, aber dies geschehe an unterschiedlichen Tagen zu unterschiedlichen Zeiten. Außerdem überprüfe auch die NEW die Kanäle, auch da gebe es keine Beanstandungen. Das bestätigt auch der Versorger. Aber das Thema ist bei der NEW hinreichend bekannt. "Bei uns liegen Meldungen aus 2013, 2015, 2017 und 2018 über eine Geruchsbelästigung im Bereich Beckrather Straße vor", teilt eine Sprecherin mit. Wegen des üblen Geruchs seien die Straßenabläufe im Jahr 2013 mit Geruchsverschlüssen versehen worden. Allerdings nicht alle. Denn eine Be- und Entlüftung für den Kanal über die in den Schachtabdeckungen vorhandenen Öffnungen müsse gewährleistet sein, "damit keine Fäulnisprozesse in Gang gesetzt werden, die dann die Situation für den Kunden noch verschlimmern würden".

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Die Kanäle im betroffenen Bereich seien im Juni 2015 mit Wasserhochdruck gereinigt worden, so die Unternehmenssprecherin weiter. Emissionsmessungen hätten ergeben, dass die ermittelten Messwerte unterhalb der in der Entwässerungssatzung bestimmten Grenzwerte liegen. Dennoch will die NEW nun erneut Kontakt zum Gewerbebetrieb aufnehmen, und sehen, ob und was zur Verbesserung der Situation anlagentechnisch bewirkt werden kann.

(gap)
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