Mönchengladbach: Eine Schülerin mit Courage

Mönchengladbach : Eine Schülerin mit Courage

Als sie 2003 von Kuba nach Mönchengladbach kam, konnte sie gerade mal drei Sätze auf Deutsch sagen. Viele Projekte für Toleranz hat sie seitdem unterstützt. Nun bringt Yanelvis Hechavarria den "Bus der Toleranz" ins Rollen.

Die 19-jährige Yanelvis Hechavarria ist schon vor langer Zeit in Deutschland angekommen. Nicht 2003, als sie damals im Alter von zwölf Jahren aus ihrem Heimatland Kuba nach Deutschland auswanderte und gerade einmal "Ich heiße Yanelvis Hechavarria. Ich komme aus Kuba. Wie heißen Sie?" auf Deutsch sagen konnte.

Doch mit der Zeit und vor allem mit viel Engagement hat sie sich integriert. Nun steht sie kurz vor ihren Abiturprüfungen (sie erwartet einen Notendurchschnitt von zwei) und bringt bald mit anderen Schülern aus Mönchengladbach den "Bus der Toleranz" in Bewegung. Ihr aktuelles Projekt gegen Ausländerfeindlichkeit.

"Wenn am Ende eine eins vor dem Komma steht, freue ich mich natürlich noch mehr", meint Yanelvis über ihre bevorstehenden Abi-Prüfung. Das wäre eine beachtenswerte Leistung, denn Yanelvis Hechavarria ist keine Muttersprachlerin. Die gebürtige Kubanerin kam erst vor sieben Jahren nach Deutschland, über die multinationale Schule in Eicken fand sie den Weg an das Rheindahlener Gymnasium. Im letzten Schuljahr war sie dort Schülersprecherin, bei der Schulaufführung des Literaturkurses hat sie mitgespielt und in ihrer Freizeit einen Kursus in kreativem Schreiben belegt. Ein beispielhafter Werdegang.

Yanelvis Hechavarria ist absolut integriert, gehört zu den Menschen mit ausländischen Wurzeln, die in der neuen Heimat tatsächlich angekommen sind. Die Schülerin weiß jedoch, dass das längst nicht bei allen Migranten so ist: "Einerseits gibt es Ausländer, die sich nicht integrieren wollen. Andererseits machen viele von ihnen aber auch Erfahrungen mit Rassismus." Um das zu ändern, engagiert sich die 19-Jährige im europaweiten Schulnetzwerk "Schulen ohne Rassismus — Schulen mit Courage".

Vor drei Jahren wurde sie auf die Initiative aufmerksam und machte ihre Schule zum ersten Netzwerkmitglied im Stadtgebiet. Dort organisiert sie seither Aktionen, um auf Fremdenfeindlichkeit aufmerksam zu machen, am besten schon, bevor sie entsteht. "Unser Engagement für Toleranz ist wie eine Impfung", erklärt Yanelvis. "Die macht man ja auch vor einer Krankheit, damit sie gar nicht erst ausbricht."

Die erste "Impfung" findet am kommenden Freitag statt. Dann gestalten zahlreiche Mönchengladbacher Schüler und Lehrer auf dem Theater vor der Hindenburgstraße einen Linienbus um — er wird zum "Bus der Toleranz". "Wir werden ihn mit an Frieden und Toleranz erinnernden Motiven bemalen", erklärt Yanelvis, sie hat die Projektidee entwickelt.

Das Gefährt wird in den kommenden sechs Monaten dann auf verschiedenen Busstrecken im Liniennetz der Stadt im Einsatz sein. Yanelvis Hechavarria hofft inständig: "Es wäre toll, wenn wir viele Menschen zum Nachdenken anregen können."

(RP)
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