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Mönchengladbach: Eine Liebe in Teheran

Mönchengladbach : Eine Liebe in Teheran

Interview Die iranische Regisseurin und Schauspielerin Shabnam Tolouei hat ein Schauspiel geschrieben, dessen Aufführung in ihrem Heimatland verboten ist. Daher erlebte "Bahman-Bagdad" vor einem Jahr seine Uraufführung in Krefeld. Nun folgt Mönchengladbach.

Ihr persischer Vorname Shabnam bedeutet "Morgentau". Doch auch ihren Nachnamen sollte man sich einprägen, denn Shabnam Tolouei ist eine international erfolgreiche Schauspielerin, Film- und Theaterautorin. Ihr Sozialdrama "Bitter Coffee" lief 2003 bei den Mülheimer Theatertagen. In dem Film "Women Without Men", der 2009 bei den Filmfestspielen in Venedig den Silbernen Löwen in der Kategorie "Beste Regie" erhielt, spielt sie eine der Hauptfiguren. Ihr von den iranischen Behörden abgelehntes Stück "Bahman-Bagdad" inszenierte sie für die Uraufführung vor einem Jahr in Krefeld. Am 10. November erlebt "Bahman-Bagdad", das die Beziehung der Geschlechter im heutigen Iran kritisch beleuchtet, am Theater Mönchengladbach seine Premiere. Am Rande der Theater-Matinee zu der Produktion konnten wir Shabnam Tolouei (39) interviewen.

Wieso sind Sie aus Ihrer Heimat Teheran nach Paris umgesiedelt? War das Verbot Ihres Schauspiels "Bahman-Bagdad" dafür ausschlaggebend?

Shabnam Tolouei Nicht dieses Verbot allein, aber die iranischen Behörden haben mich gebannt, sie haben mir die Arbeitserlaubnis entzogen. Deshalb bin ich 2004 nach Paris umgezogen und lebe seither dort.

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Könnten Sie jederzeit zurück in den Iran?

Tolouei Ich weiß es nicht, aber solange ich dort nicht arbeiten darf, ergibt das für mich keinen Sinn.

Hat es offizielle Reaktionen seitens der iranischen Revolutionsregierung gegeben darauf, dass Sie "Bahman-Bagdad" in Krefeld und Mönchengladbach auf die Bühnen bringen?

Tolouei Es gab keine Stellungnahmen von dort. Grundsätzlich hält die iranische Regierung es so, dass sie sich vornehmlich für das interessiert, was drinnen im Lande passiert. Im Übrigen bin ich keine besonders wichtige Person, warum sollten sie meine Arbeit verfolgen?

"Bahman-Bagdad" wirkt nicht wie ein flammender Protest gegen das Regime, das Frauen in ihren Grundrechten aufs Schwerste benachteiligt. Sie geben Einblicke in das zeitgenössische Leben in der iranischen Hauptstadt und leisten mit dem Stück eine feinsinnige Auseinandersetzung über die gesellschaftliche Realität in Ihrem Land. Eigentlich kein Anlass für einen Bann, oder?

Tolouei Dazu gab es mir gegenüber keine Erklärungen seitens der Behörden. Ich habe in "Bahman-Bagdad" versucht, so nah wie möglich an die gegenwärtige Lebenswirklichkeit in der Großstadt Teheran heranzukommen. Also treffen Sie dort eben nicht auf eine Dorfsituation, wie sie zum Beispiel aus Afghanistan übers TV bekannt ist, sondern begegnen in Teheran einer modernen urbanen Welt. Wir sollten gar nicht nach den eigentlichen Gründen für das Verbot suchen. Ich kenne keine Künstlerin, keinen Künstler im Iran, die bzw. der nicht schon einmal in der Arbeit mit Zensur zu tun hatte.

Sie gehören der religiösen Minderheit der Baha'i im Iran an. Sie ist aus dem Islam hervorgegangen, lehrt ein kosmopolitisches Welt- und Menschenbild und vor allem auch die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Wie ist die Lage der Baha'i im Iran?

Tolouei Sie sind in keiner Weise frei, sie werden verfolgt, Ahmadinedschads Regierung bringt die Baha'i in große Schwierigkeiten und Bedrängnis. Menschen dringen in die Häuser von Baha'i ein, ohne dass die Polizei einschreitet, und zerstören die Einrichtung. Baha'i dürfen nicht an Universitäten studieren, sie sind gezwungen, Untergrund-Universitäten zu gründen – die seit kurzem auch verboten sind. Baha'i dürfen auch keine Krankenversicherung oder andere Versicherungen abschließen. Es gibt sogar Fälle, in denen konservative Lehrer Kinder schlagen, weil diese Baha'i sind.

Sehen Sie eine Chance auf Liberalisierung im Iran? Seit der Oppositionsbewegung "Grüne Revolution" zeichnet sich ab, dass größere Bevölkerungsteile, darunter viele Frauen, für mehr Rechte eintreten.

Tolouei Das iranische Volk ist nicht mehr so passiv wie noch vor wenigen Jahren. Ich glaube, dass es hier einen Zusammenhang mit den Aufbrüchen in der arabischen Welt und meinem Land gibt. Die Internet-Medien Facebook, Twitter, Handys und anderes mehr verhelfen der Oppositionsbewegung zu mehr Öffentlichkeit.

Was hat "Bahman-Bagdad" beim Publikum ausgelöst?

Tolouei In Krefeld war das Stück ein großer Erfolg, das zeigte sich nicht nur bei der Premiere, bei der ich zugegen sein konnte. Die Zuschauer haben angefangen, lebhaft über Iran zu diskutieren.

Wovon handelt das Stück?

Tolouei "Bahman-Bagdad" ist eine Liebesgeschichte, es behandelt das Treffen zweier Menschen aus verschiedenen Klassen der iranischen Gesellschaft, Konservative und Intellektuelle. Es spielt in Teheran.

Dirk Richerdt stellte die Fragen.

(RP)