Mönchengladbach: Eine ganze Stadt fährt mit dem Rad

Mönchengladbach: Eine ganze Stadt fährt mit dem Rad

Das Fahrrad bestimmte gestern bei dem schönen Wetter das Stadtbild: Ab 6.30 Uhr traten die ersten Fahrer zum 19. Mal für das Münster in die Pedale. Um 10 Uhr folgte dann die Eröffnung des Stadtradelns auf dem Rheydter Markt.

Gerade ist es allmählich hell geworden, da stehen Axel Siebel und Christian Lenart schon mit ihren Sporträdern in der Schlange für den Radmarathon an der Gesamtschule Hardt. Die Arbeitskollegen aus Wuppertal sind extra um 3 Uhr morgens aufgestanden, um mit der S-Bahn pünktlich nach Mönchengladbach zu gelangen und dann zusammen mit dem Gladbacher Radsportbezirk 225 Kilometer durch die Eifel zu fahren. Für Axel Siebel ist das schon der vierte Marathon in diesem Jahr. "Christian und mir liegen die Räder einfach im Blut", sagt Siebel.

Mit den beiden Wuppertalern am Start wartet Florian Franek aus Mönchengladbach. Er ist mit seinem Freund Diego Fort aus Uruguay gekommen. "Aus Trainingsgründen", wie er sagt. Denn mit seinem Freund bereitet er sich derzeit auf den Iron Man in Roth bei Nürnberg vor.

Matthias Matyanowski und Sohn Vincent holen sich bei Britta Gehlen den Stempel ab. Foto: Isabella Raupold

"Einen Marathon wie diesen fahre ich etwa fünfmal im Jahr. Mit dem Fahrrad bin ich an fünf Tagen in der Woche unterwegs", sagt Franek. Ähnlich geübt auf dem Rad ist Jan Ohlenforst. Die Strecke nach Süden, über Jülich, Maria-Wald, Lommersum bis nach Breinig in der Eifel und wieder zurück ist er schon vier Mal gefahren.

Insgesamt 230 Fahrer gehen bis 7 Uhr an den Start. Auf die Sportler warten nun sechs Verpflegungsstellen, ein warmes Mittagessen in der Eifel, 2300 Höhenmeter und fünf lange Steigungen. Zwölf Stunden Zeit steht den Radfahrern dafür zur Verfügung. "Die ersten Fahrer werden aber garantiert noch vor 14 Uhr wieder zurück sein", sagt Johann Konder aus dem Organisations-Team. Unterstützt wird er von Günter Dauven.

Der ist für das "Radeln fürs Münster" bereits um 3.30 Uhr aufgestanden, hat um 4.30 Uhr 850 Brötchen geholt und steht nun seit 5 Uhr in der Gesamtschule. Es wird ein langer Tag für ihn und die anderen 60 Helfer in der Schule und entlang der Strecke: Bis 19 Uhr können die letzten Fahrer kommen. Dauven kümmert sich gerne um alles.

Eines aber ärgert ihn: "Sonst wurde der Marathon immer von zwei Fahrzeugen der Polizei sicher aus der Stadt begleitet. Dieses Jahr wurden uns jedoch keine Fahrzeuge zur Verfügung gestellt, da es sich bei unserer Tour um eine Breitensportveranstaltung handelt und dafür keine Zeit sei", sagt Dauven.

Neben dem Marathon werden den Radfahrern noch fünf weitere Touren ab 25 Kilometer Länge, hinzu kommt ab 8 Uhr das Volksradeln. Hans Heuser wagt sich auf die 151 Kilometer lange Tour - mit 81 Jahren. Für ihn ist das aber Routine. Um sich fit zu halten, fährt Heuser so oft, wie es geht. "Dreimal in der Woche habe ich Training und am Wochenende fahre ich dann Touristik. Ohne Fleiß eben kein Preis", sagt der Rentner.

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Auch die 23-jährige Nathalie Kutsch aus Essen möchte die 151 Kilometer lange Strecke bewältigen. Jedoch nicht allein: Ihr Zwillingsbruder, ihre Eltern und ihr Verlobter begleiten sie. "Ein großer Familienausflug", sagt Kutsch. 1000 Fahrer kommen auf diese Weise zusammen. Die Gebühren für alle Strecken werden als Spenden gesammelt: für die Sanierung des Brunnenhofs des Münsters.

Gesammelt werden können auch wieder jede Menge CO2-freie Kilometer. Und das bis zum 26. Mai. Denn bis zu diesem Tag organisiert die Stadt mit dem Klimabündnis zum vierten Mal in Folge das "Stadtradeln", bei dem Teams aus Unternehmen, Vereinen und Schulen für den Klimaschutz gegen Ratsmitglieder antreten können. Jeder kann jederzeit einsteigen, selbst ein Team gründen oder sich einem offenen Team anschließen.

Ziel ist es, möglichst viele Kilometer mit dem Fahrrad zurückzulegen. Am 13. Juni findet dann im Rathaus Abtei eine Preisverleihung statt. Wer wohl das fahrradaktivste Team wird? "Ich freue mich sehr, das Stadtradeln zu eröffnen. Die Bedingungen könnten bei dem Wetter heute nicht besser sein", sagt Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners bei der Eröffnung auf dem Rheydter Marktplatz.

740 Teilnehmer haben sich bereits angemeldet, das sind jetzt schon mehr als insgesamt im letzten Jahr (719 Teilnehmer). Aus dem Rat sind bisher sechs Mitglieder im Rennen.

Die Motivation bei den Teilnehmern, etwas in der Stadt und in der Politik zu bewegen, ist groß. "Ich glaube, dass wir schlicht und einfach alle mehr Fahrradfahren müssen. Das Auto ist einfach nicht mehr zukunftsfähig", sagt Teilnehmer Marcel Klotz, der das erste Mal beim Stadtradeln dabei ist. Dieser Meinung ist auch Martin Klietsch von den "Rheydter Radfahrern": "Wir brauchen dringend bessere und mehr Radwege. Gerade auch auf den Fernwegen", sagt Klietsch, der in den nächsten Wochen jeden Tag 40 Kilometer mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren wird.

Die ersten Kilometer können gleich im Anschluss an die Eröffnung mit dem ADFC Mönchengladbach gesammelt werden: entweder als Zubringer zu der NRW-Fahrradsternfahrt nach Düsseldorf oder zum Erkelenzer Fahrradfrühling. Bei Bülent Bagir und seinem Team von der Radstation werden noch schnell die Bremsen nachgezogen, dann geht es los: Die Herausforderung hat begonnen.

(mcv)
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