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Mönchengladbach: Eine Busschleife extra für die Hocksteiner

Mönchengladbach : Eine Busschleife extra für die Hocksteiner

Christine Haupts ist Leidtragende einer Straßensperrung: Die 92-Jährige kann nicht mehr mit dem Bus in die Stadt fahren, weil die Böningstraße Sackgasse ist - und hat sich an unsere Redaktion gewandt. Ab heute gibt es die Hocksteiner Schleife.

Christine Haupts ist eine Oma wie aus dem Bilderbuch. Weißes, dichtes Haar, gütige Augen, heller Pullover und dazu eine dunkelrote Cord-Hose. "93 Jahre werde ich bald", erzählt sie. Und wer sie so erlebt, wie sie mit Enkel Ralf Müller schäkert und sich immer wieder nach dem Befinden ihres Gastes erkundigt ("Wollen Sie nicht doch 'en Tässken Kaffee und 'en Plätzken?"), der würde glatt behaupten: Sie hat bei ihrem Geburtsjahr geschummelt und ist tatsächlich mindestens zehn Jahre jünger.

Christine Haupts legt allergrößten Wert darauf, alle Einkäufe selbst zu machen. Genau da liegt aber das Problem: Die Fast-93-Jährige nutzt dafür immer den NEW-Bus, mit dem sie von der Böningstraße aus in die Rheydter Innenstadt fährt. Und das mehrfach in der Woche. Weil aber die NEW für rund eine Million Euro Kanäle ersetzt, Versorgungsleitungen verlegt und dann noch die Böningstraße mit neuem Asphalt ausstatten lässt, ist das Straßenstück zur Hubertusstraße derzeit eine Sackgasse. Hier fährt mindestens bis Mitte März kein Bus mehr. Nicht nur Christine Haupts ist betroffen: Alle Hocksteiner, die Am Hasenberg, Klusenstraße, Eichhornstraße und Böningstraße leben, müssen teilweise weite Wege in Kauf nehmen, um zu den provisorischen Bushaltestellen an der Hubertusstraße zu kommen. "Ich schaffe diesen weiten Weg nicht mehr", sagt Christine Haupts, "und deshalb bin ich momentan regelrecht in meiner Wohnung gefangen." Wenn sie in die Rheydter Innenstadt zum Einkaufen, zur Friseurin und zu ihrem Arzt fährt, nimmt sie ein Taxi. "Da zahle ich aber 20 Euro, wenn ich hin und zurück fahre. Das kann ich mir nicht so oft leisten", sagt sie.

Die Leiden seiner Oma lassen ihrem Enkel Ralf Müller keine Ruhe. "Warum hängt die NEW beim Busverkehr Hockstein so ab? Das erschließt sich mir nicht. Man kann doch über die Straßen Am Hasenberg, Klusenstraße und Eichhornstraße eine Schleife bis Urftstraße und Hubertusstraße fahren", sagt er verwundert. Tatsächlich - diese Route ist machbar. Die RP fragte bei der NEW nach und rannte offene Türen ein. "Ja, das machen wir! Und zwar ganz schnell. Schon heute", verspricht Firmensprecherin Daniela Veugelers. Halteverbotsschilder rund um die Kirche stehen bereits, damit sich die Hocksteiner darauf einstellen können. Veugelers: "Wir appellieren an alle Autofahrer, das Halteverbot unbedingt einzuhalten. Wenn nur ein Auto an der Kirche falsch steht, kommt der Bus nicht mehr um die Kurve herum."

Für Christine Haupts hat sie auch eine gute Nachricht: "Sie bekommt Blumen - als Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten."

(RP)