1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach

Serie Denkanstoss: Ein Thema von weltkirchlicher Relevanz

Serie Denkanstoss : Ein Thema von weltkirchlicher Relevanz

Als die deutsche Bischofskonferenz im Februar mit Dreiviertelmehrheit entschieden hatte, im Einzelfall auch protestantische Ehepartner zur katholischen Kommunion zuzulassen, haben wir uns in der Evangelischen Kirche in Deutschland sehr gefreut, weil wir darin einen großen Fortschritt in der Ökumene sahen.

Erstaunt waren wir dann allerdings über die Appellation der sieben katholischen Bischöfe unter Führung des Kölner Kardinals Wölki gegen diesen Beschluss ihrer Amtsbrüder an Rom.

Ganz begeistert waren wir aber bald darauf, als wir davon hörten, dass Papst Franziskus meinte, diese Frage solle nicht in Rom, sondern von der deutschen Bischofskonferenz selbst entschieden werden. Und nun dieses Wechselbad der Gefühle: Papst Franziskus ließ jetzt verlauten, dass das von der Deutschen Bischofskonferenz verabschiedete Dokument doch noch "nicht reif sei zur Veröffentlichung", weil es ein Thema sei, "das den Glauben der Kirche berührt und von weltkirchlicher Relevanz ist".

Wir stutzten, als wir das lasen und waren zunächst sehr enttäuscht. Aber dann dachten wir doch tiefer über diese wichtige Frage nach und weil wir Papst Franziskus als glaubwürdigen Vertreter der Ökumene kennen und schätzen, kam uns ein ganz anderer Gedanke: Franziskus trägt die wunderbaren Worte Jesu aus dem 17. Kapitel des Johannesevangeliums im Herzen "damit sie alle eins seien" und ebenso die für die Ökumene wegweisenden Worte des Apostels Paulus aus dem 4.Kapitel des Epheserbriefs: "Seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens; e i n Leib und e i n Geist, wie ihr auch berufen seid zu e i n e r Hoffnung eurer Berufung; e i n Herr, e i n Glaube, e i n e Taufe; e i n Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen" (Epheser 4,3-6).

  • Analyse : Rom hat gesprochen
  • Kardinal Reinhard Marx, Bischof von München
    Teilnahme protestantischer Ehepartner an der Kommunion : Der Papst düpiert Kardinal Marx
  • Himmel Und Erde : Die Ökumene lebt!

In wahrhaft katholischem (das heißt: allgemein umfassendem christlichen) Geist möchte Papst Franziskus dieses wichtige Thema von weltkirchlicher Relevanz nun nicht nur der deutschen, sondern der ganzen Weltkirche anvertrauen, zu der ja eigentlich auch alle anderen christlichen Kirchen gehören, denn - wie Martin Luther es immer wieder betont hat - : katholisch im Sinne von allgemein christlich sind wir alle!

Und da ist es doch wunderbar, wenn dieses wichtige Thema nun endlich weltumfassend theologisch erörtert wird. Das ist für uns alle, die wir uns der "una sancta ecclesia catholica", der "einen, heiligen, katholischen (= christlichen) Kirche" zugehörig wissen, eine große Freude. Und daher haben wir auch im Reformationsjubiläumsjahr 2017 in der 10. Ökumenischen Trinitatisvesper in der Münsterbasilika zu Mönchengladbach der Gemeinde die Vision eines umfassenden ökumenischen Papstamtes geschenkt, das einem so begnadeten Hirten wie Papst Franziskus im wahrsten Sinne des Wortes als Hirtenamt über die ganze Christenheit anvertraut werden könnte.

Auch und gerade in der Ökumene leben wir Christen von Visionen, und darum sollten wir uns nicht von vermeintlichen Rückschritten demotivieren lassen. Denn der Geist Gottes wirkt in der ganzen ökumenischen Christenheit, weil sie als das Salz der Erde den Menschen die Botschaft von der Liebe Gottes in seinem Sohn Jesus Christus bezeugen soll in Wort und Tat, denn das Evangelium kann nur katholisch und das heißt, ökumenisch von der ganzen Christenheit gemeinsam der Welt und den Menschen glaubwürdig bezeugt werden.

HANS-ULRICH ROSOCHA IST EVANGELISCHER PFARRER IM RUHESTAND.

(RP)