Mönchengladbach: Ein Tag im Zeichen des Friedhofs

Mönchengladbach : Ein Tag im Zeichen des Friedhofs

Zum ersten Mal feierten die Wickrathberger gestern einen Tag des Friedhofs. Nach einem Gottesdienst in der Kapelle erfuhren sie Interessantes über die Geschichte des Friedhofs. Der Verein für Heimat- und Denkmalpflege übergab zwei Platten mit Namen von Gefallenen des ersten Weltkriegs.

Es war Im Juni 1821, als auf dem evangelischen Friedhof Wickrathberg die erste Beerdigung stattfand. "Vorher wurden die Toten rund um die Kirche bestattet", erklärte Esther Gommel-Packbier den Wickrathbergern gestern beim Tag des Friedhofs.

Die evangelische Gemeindepfarrerin zelebrierte zuvor gemeinsam mit dem Wickrather evangelischen Pfarrer Martin Gohlke einen Gottesdienst in der Friedhofskapelle. Dabei kamen so viele Menschen, dass nicht alle in der Kapelle einen Platz fanden. Daher stellte man kurzerhand vor der Kirche Bierbänke auf und öffnete die Türen der Kapelle. Nach der Messe übergab der Verein für Heimat- und Denkmalpflege zwei Muschelkalkplatten, auf denen die Namen der evangelischen Gefallenen des ersten Weltkriegs zu lesen sind.

Historischer Leichenwagen

"Die beiden Platten hingen früher in der Kirche. Als sie 1965 renoviert wurde, wollte man sie nicht mehr haben und deshalb wurden sie entfernt", erklärte Ulrike Grüner, die Führungen über den Friedhof anbot. Vor zehn Jahren tauchten die als verschollen geltenden Platten wieder auf. Der Verein für Heimat- und Denkmalpflege ließ sie restaurieren und übergab sie gestern offiziell der Gemeinde. "Jede Platte wiegt rund 320 Kilogramm. Sie zeigen die Namen der 74 evangelischen Gefallenen der Gemeinde", erklärte der Vereinsvorsitzende Peter Neuß den Gästen.

Diese hatten danach die Gelegenheit, sich über die verschiedenen Grabformen und deren Preise zu informieren und sich Tipps für die richtige Bepflanzung geben zu lassen. Wer mochte, konnte auch einen historischen Leichenwagen besichtigen. Anders als die heutigen Modelle, handelte es sich dabei um einen kuppelförmigen Anhänger. In der Kapelle konnten Urnen und Särge besichtigt werden.

Bei Führungen über den Friedhof stand die Historie im Mittelpunkt. Auf dem Wickrathberger Friedhof existieren zahlreiche Grabsteine aus dem 19. Jahrhundert, zu denen Ulrike Grüner die passenden Geschichten kennt. "Das älteste noch erhaltene Grab ist aus dem Jahr 1825. Dort liegt die Witwe des Gerichtsschreibers Cornelius Laufs begraben", erzählte sie.

Auch das Grab des 1844 verstorbenen Pfarrers Adam Everhard Zillessen ist erhalten. Eine Rarität sind einige Grabplatten aus Porzellan. Sie stammen aus den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts. Doch auch die Zukunft des Wickrathberger Friedhofs war ein Thema. "Der Friedhof soll begrünt werden. Außerdem möchten wir gerne Bänke aufstellen", sagte Esther Gommel-Packbier. Daher hatten die Gemeindemitglieder die Möglichkeit, Patenschaften für Bäume und Bänke zu übernehmen.

Mit einem Orgelkonzert von Jens Ebmeyer und Sängerin Gabriele Jahn endete der erste Wickrathberger Tag des Friedhofs. Esther Gommel-Packbier resümierte: "Unser Friedhof ist ein Schmuckkästchen."

(RP)
Mehr von RP ONLINE