Mönchengladbach: Ein Ort der Nächstenliebe

Mönchengladbach : Ein Ort der Nächstenliebe

In der Brandts-Kapelle wird Menschen, die von Armut betroffen sind, eine Möglichkeit geboten, wieder am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Die Steyler Missionsschwestern gestalten dort mit ihren Besuchern ein breitgefächertes Angebot vom Kochkursus bis zur Liturgiegruppe.

Waldhausen Coelia, Hildegard, Christina und Bettina – mit den Namen der vier Steyler Missionsschwestern können viele Mönchengladbacher wohl nichts anfangen. Mit ihrem Konterfei hingegen schon. Denn das Quartett ziert zurzeit die Werbeplakate des Volksvereins Mönchengladbach, die an öffentlichen Litfasssäulen und Infoboards von Unternehmen und Vereinen für die gemeinnützige Gesellschaft werben. "Wir wollen mit der Aktion die Diskussion um eine gerechtere Gesellschaft weitertragen", sagt Hermann-Josef Kronen, Geschäftsführer des Volksvereins – und um Spenden werben.

Nur zu werben ist den Missionsschwestern allerdings zu wenig – sie packen lieber an. Wie im Treff am Kapellchen (TaK) an der Rudolfstraße. "Dieser Ort ist ein Ort des Lebens, der Gemeinschaft, des Essens und Trinkens", erklärt Schwester Bettina, "dort gibt es Treff- und Austauschmöglichkeiten. Er erlaubt die gemeinsame Suche nach Antworten in Zukunfts- und Lebensfragen sowie nach Gott."

Das Besondere am TaK ist aber nicht nur das Angebot, sondern sind die Akteure selbst. Arbeitslose engagieren sich dort mit vielen anderen und gestalten ihren Treffpunkt selbst. "Etwa 50 Prozent der ehrenamtlichen Helfer sind selbst von Armut betroffen, damit ist es kein Angebot von uns Schwestern für, sondern von und mit den Besuchern", verdeutlicht Schwester Bettina. So gibt es dort nicht nur jeden Mittwoch den offenen Treff mit Gottesdienst, einem Vortrag und warmem Essen, sondern auch Kreativnachmittage, eine Liturgiegruppe und einen Kinderkochkursus. Der muss allerdings zurzeit ausfallen, da an den Gebäuden an der Rudolfstraße fleißig gearbeitet wird. "Der Treffpunkt wird umgebaut, damit wir Schwestern in Zukunft dort wohnen können, um das Angebot noch auszuweiten und, um präsenter zu sein", erklärt Schwester Bettina. Denn eins habe sie bei ihrer Arbeit gelernt: "Im Treff am Kapellchen sieht man, wie die Menschen wieder aufblühen, weil sie wertgeschätzt werden." Denn nicht selten, so die Schwester weiter, würden bei den Vorträgen Hartz-IV-Empfänger auf Manager treffen und sich austauschen. "Dort gibt es keine Berührungsängste. Dort gibt es nicht Arm oder Reich", sagt Schwester Bettina.

Und damit dieser Ort der Zusammenkunft und des Treffens auch in Zukunft ein beliebter Anlaufpunkt ist, haben die Schwestern nach dem Umbau Großes mit dem Treff am Kapellchen vor. "Als wir hier begonnen haben, gab es eine Zukunftswerkstatt, in der wir Ideen gesammelt haben. Die soll es jetzt auch nach dem Umbau wieder geben, damit sich unsere Besucher die neuen Räume selbst erschließen können", sagt die Ordensschwester. Und da auch eine Kleinkunstbühne geplant ist, werden die Steyler Schwestern mit ihren Besuchern unter dem Titel "Das Leben ist schön" ein eigenes Theaterstück auf die Beine stellen. Das wird im kommenden Jahr in der Projektwoche am Bodensee erarbeitet, in der 18 Personen – 80 Prozent von ihnen sind Hartz-IV-Empfänger – ein paar Tage Urlaub vom Alltag machen.

(RP)
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