Mönchengladbach: Ein märchenhafter Aufstieg

Mönchengladbach: Ein märchenhafter Aufstieg

Die Aunde-Gruppe hat Firmen in Belgien und Frankreich übernommen. Sie produziert Sitze und Stoffe unter anderem für Mercedes, BMW und VW – und macht damit 1,6 Milliarden Euro Umsatz. Rolf Königs hat weitere Pläne.

Der beste Anfang, um die Geschichte des Textilunternehmens Achter & Ebels zu erzählen, ist eindeutig: „Es war einmal.“ Also: Es war einmal eine kleine Weberei mit zwölf Webstühlen an der Alsstraße. Die wuchs zu einer Volltuchfabrik, die an der Waldnieler Straße große Hallen baute, um dort Stoffe für Herren- und Damenkleidung und Textilien für Droschken zu produzieren. Die Zeiten änderten sich. Und die meisten Textilfirmen mussten aufgeben. Nur Achter & Ebels wuchs und wuchs und wuchs. Jetzt hat die Aunde-Gruppe 83 Firmen mit 12 000 Mitarbeitern in 22 Ländern – und ist Marktführer in Europa.

Werke in 22 Ländern

Doch die Geschichte ist weder ein Märchen, noch sind unerklärliche Wunder passiert. Sie ist schlicht das Ergebnis erfolgreichen wirtschaftlichen Handelns. Wie groß dieser Erfolg ist, zeigen zwei Zahlen: Innerhalb von gut 40 Jahren haben am Mittleren Niederrhein über 90 Prozent der Textilunternehmen aufgegeben. Aunde hat seinen Umsatz in den vergangenen 25 Jahren von umgerechnet 18 Millionen Euro auf nun 1,6 Milliarden gesteigert. Um das Rezept zu erklären, braucht Geschäftsführer Rolf Königs genau zwei Sätze: „Aus dem Tuchhersteller wurde ein Systemlieferant für die Automobilindustrie. Und aus dem Einzelunternehmen eine Gruppe.“ Das heißt: Längst liefert Aunde nicht mehr nur die Stoffe oder das Leder für die Autositze, sondern bietet gleich den kompletten Sitz an. Zum Beispiel für den Mercedes Sprinter oder den VW Polo. Und das nicht nur in Deutschland.

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„1982 haben wir uns aufgemacht in die Welt“, sagt Königs. In 22 Ländern gibt es jetzt Aunde-Werke. So ist die Gruppe im südafrikanischen Durban der drittgrößte Arbeitgeber. In Brasilien und Mexiko sind die jeweiligen Firmen Marktführer für Automobil-Textilien. Doch am stärksten ist Aunde in Europa: Bei der Produktion für Autositze waren die Gladbacher schon länger Marktführer. Durch die Übernahme der belgischen Firma De Witte Lietaer und der franzözischen Delcar sind sie es nun auch die Nummer eins in Europa für Automobil-Textilien. Um rund 120 Millionen Euro Umsatz erhöht Aunde mit den beiden Übernahmen seinen Umsatz.

Was kann jetzt noch kommen? Eine Menge, ist sich Rolf Königs sicher. „Amerika und Asien sind für uns die größten Wachstumsmärkte.“ Das Ziel: Auch dort die Nummer eins zu werden. Dazu wird Aunde in vier bis fünf weitere Länder gehen – und 2010 rund 100 Werke haben. „Das sind keine hochtrabenden Wunschvorstellungen. Vieles davon ist schon konkret in Vorbereitung“, sagt Rolf Königs. Gesteuert wird das Großunternehmen nach wie vor vom Firmengelände an der Waldnieler Straße aus. So wie einst, als die Geschichte begann.

(RP)
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