Mönchengladbach: Ein Hotel für die Insekten

Mönchengladbach: Ein Hotel für die Insekten

Kleingärtner tauschen sich über Insektensterben und Artenvielfalt aus. Sie geben Tipps für den Garten.

Kleingärtner fühlen sich der Natur in der Regel immer ganz besonders verbunden. Auf den wenigen Quadratmetern, die zur Verfügung stehen, entstehen oft wahre Biotope für viele Tier- und Pflanzenarten. Seit längerer Zeit blicken viele Kleingärtner aber mit Sorge auf die Entwicklung von Bienen und Insektenpopulation hier in der Region.

Bei einem Informationsabend im Vereinshaus des Kleingartenvereins "Zum Burggrafen" tauschten sich nun Hobbygärtner mit Naturschützern und Ökologen über Maßnahmen und Projekte aus.

"Kleingärten sind wichtiger denn je", erklärt Referentin Caroline Dormans vom Naturschutzbund Mönchengladbach zu Beginn ihres Vortrags. In Gladbach gibt es 52 Kleingartenanlagen auf einer Fläche von insgesamt 130 Hektar verteilt. "Im öffentlichen Raum wird kaum etwas für die Artenvielfalt gemacht", so die Kritik der Referentin.

Wenn Grünflächen nicht zugebaut würden, werde die Wiese gekürzt oder Totholz möglichst schnell entsorgt. Die Bepflanzung gebe den Insekten ebenfalls nicht viel Nahrung oder gar Lebensraum innerhalb der Stadt. Umso wichtiger sei die ökologische Arbeit der Kleingartenvereine.

Nach dem Vortrag wurde sich bei einem kühlen Getränk über die verschiedenen Methoden und Tricks untereinander ausgetauscht. Die Tipps der Experten: Heimische Pflanzen in den Garten setzen. "Exotische Pflanzenarten bringen den Insekten aus unseren Breitengraden überhaupt nichts", weiß Kurt Sasserath, Vorsitzender des Gladbacher Naturschutzbunds. Holunder, Weißdorn oder Salweide seien, je nach Platzangebot im heimischen Garten, ideale Lebensräume für hunderte verschiedener Arten von Insekten.

Des Weiteren gilt: Die simplen Dinge wirken am besten. "Einfach wachsen lassen", lautet der Tipp von Sabine Rütten, Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz in Mönchengladbach. Natürlich soll man den eigenen Garten nicht komplett verwildern lassen, aber wild und natürlich wachsende Pflanzen, Kräuter, oder auch das sogenannte "Unkraut" sind ideal für sämtliche Kleintiere.

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Totes Holz nicht in die Biotonne werfen, sondern eine Totholzecke anlegen. Das Laub im Herbst nicht komplett wegfegen, sondern lieber zu einem Laubhaufen zusammenkehren, in dem Igel beispielsweise ein Zuhause finden können. Ein Komposthaufen lohne sich ebenfalls, da man sich neben dem positiven Effekt für die Umwelt auch die Bio-Tonne sparen könne.

Ein Insektenhotel könne man sogar selbst bauen. Anleitungen dazu gibt es viele im Internet. "Es ist im Grunde ein Holzgerüst mit angebohrten Holzscheiteln." Den Rest würden die Insekten schon selbst erledigen. Auch eine Regenwurmkiste eignet sich sehr gut für die Artenvielfalt im eigenen Garten.

"Ideal ist natürlich ein Teich", so die einstimmige Meinung der Experten. Ein Teich sei ein nahezu komplettes Biotop für sehr viele Insekten- und Tierarten. Der Pflegeaufwand sei allerdings mit zu berücksichtigen.

Selbst wenn man nur einen Balkon zur ökologischen Entfaltung zur Verfügung hat, kann man schon einiges bewirken. Wildblumen und Kräuter lassen sich auch hier gut Pflanzen und locken auch in höheren Stockwerken Insekten und Bienen an.

Ein absolutes Tabu sind Schottergärten, sind sich die Ökologen sicher. "Diese Gärten bringen keinem Lebewesen etwas", so Rütten. Lediglich dem Hausbesitzer, denn dieser habe dann weniger Arbeit. Auch Kunstdünger, Torf und Chemie sind ein No-Go für den eigenen Garten. Der glatt-rasierte Rasen bringt Tieren ebenfalls wenig. Eine Wildblumen-Wiese bringt größere ökologische Vielfalt.

"So eine Wiese kann noch schöner anzusehen sein, als ein normaler Rasen", ist sich Sasserath sicher. Allerdings könne man dazwischen auch ruhig etwas Stutzen oder eher ästhetische als ökologische Pflanzen einpflanzen. "Ein Naturgarten macht wesentlich weniger Arbeit und hat für Lebewesen erheblich mehr zu bieten."

(dola)
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