Mönchengladbach: Ein Heimspiel für Hannelore Kraft

Mönchengladbach : Ein Heimspiel für Hannelore Kraft

Prominente Unterstützung gab es am Mittwoch für Gladbachs SPD-Bundestagskandidatin Gülistan Yüksel. Wenige Tage vor der Wahl suchte Hannelore Kraft, NRW-Ministerpräsidentin, das direkte Gespräch mit den Wochenmarktbesuchern.

Rund um den SPD-Infostand auf dem Rheydter Wochenmarkt hatte sich am Mittwochmorgen eine Traube neugieriger Gladbacher gebildet. Wenige Tage vor der Bundestagswahl am Sonntag gab es für die Gladbacher SPD-Bundestagskandidatin Gülistan Yüksel noch einmal kräftig Rückenwind: NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft war gekommen, um im direkten Gespräch mit den Marktbesuchern die Kernthemen der SPD zu diskutieren. Dabei zeigte sich die Rheinländerin gewohnt offen und ohne Berührungsängste. "Ich bin immer gerne in Gladbach, aber das wissen Sie ja", sagte Kraft zur Begrüßung und spielte dabei auch auf ihre regelmäßigen Besuche im Borussia-Park an.

Am SPD-Infostand auf dem Rheydter Wochenmarkt war gestern viel los: NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hatte sich angekündigt, um die Gladbacher Bundestagskandidatin Gülistan Yüksel zu unterstützen. Foto: Hans-Peter Reichartz

Vor dem Marktrundgang gab es dann natürlich noch eine kurze Rede der Ministerpräsidentin. Dabei zeigte sie die verschiedenen politischen Ansätze der Parteien auf — "die Unterschiede liegen auf der Hand", betonte Kraft. Geschickt gelang es ihr, die Zuhörer aus der Reserve zu locken: "Ich weiß, oftmals fehlen die Zeit und auch die Muße, sich intensiv mit politischen Themen auseinanderzusetzen. Aber es ist wichtig — Augen auf bei der Stimmabgabe", appellierte Hannelore Kraft und verwies dann auf die Gladbacher SPD-Kandidatin Gülistan Yüksel: "Vertrauen Sie denen, die Ihnen zuhören. Ihre Kandidatin hier vor Ort kennt die Probleme der Stadt am allerbesten."

Foto: Reichartz,Hans-Peter(hpr)

In ihrer Ansprache kam Kraft zudem auf die Themen Steuererhöhungen, Krankenversicherung und Mindestlohn zu sprechen: "Die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland wird immer größer. Das wollen wir ändern."

Den Marktbesuchern schien besonders die bürgernahe, unkomplizierte Sprache der NRW-Chefin zu gefallen. So erntete Hannelore Kraft etwa nach Kommentaren wie, "Steuerschummlern wollen wir die Hammelbeine langziehen" und "wir müssen aufpassen, dass uns der Laden nicht um die Ohren fliegt" Applaus und Zuspruch. Und auch mit ihrer selbstkritischen Art wusste Kraft zu punkten. "Wir haben unter Gerhard Schröder die Tür für die Leiharbeit aufgemacht. Die Idee ist missbraucht worden. Jetzt wollen wir diesen Fehler korrigieren", sagte sie. Gülistan Yüksel richtete vor allen Dingen Worte des Danks an die Gladbacher: "Ich möchte mich für den Wahlkampf bedanken, den ich hier machen durfte. Ich habe schon gewonnen, alleine durch die Kontakte, die ich knüpfen durfte."

Danach hieß es dann endlich — Fragen frei. In vorderster Reihe hatten sich die beiden Schüler Malek Maraoub (14) und Ayyoub Zamantouti (15) vom Hugo-Junkers-Gymnasium postiert. Sie waren mit ihrer ganzen Politikklasse auf den Rheydter Marktplatz gekommen und wollten sich die Chance nicht nehmen lassen, der Ministerpräsidentin ein paar Fragen zu stellen. Und die Fragen hatten es in sich. "Was will die SPD, im Falle eines Wahlsieges, unternehmen, um die Schuldenkrise in den Griff zu bekommen?", wollte der 15-jährige Ayyoub Zamantouti wissen. Als Antwort erhielt der Schüler, dass es dafür nötig sei, mehr Einnahmen zu haben, und dass die SPD daher unter anderem für die einkommensstarken Bürger Steuern erhöhen möchte. Am Ende zeigten sich die beiden Jugendlichen überzeugt: "Sie ist eine sehr sympathische und starke Frau. Ich vertraue ihr", sagte Malek Maraoub.

Larissa Lipkina hatte ein ganz persönliches Anliegen auf dem Herzen: "Ich habe Frau Kraft dafür gedankt, dass die Studiengebühren abgeschafft wurden. So kann mein Sohn in Düsseldorf Physik studieren. Sonst wäre das finanziell sehr schwierig für mich geworden." Noch nicht vollends überzeugt zeigte sich hingegen Ursula Trautmann. "Ich wackel noch, wem ich am Sonntag meine Stimme gebe. Frau Kraft finde ich unheimlich sympathisch. Aber den Steinbrück kann ich einfach nicht leiden."

(RP)
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