Mönchengladbach: Ein Biobauer braucht Toleranz

Mönchengladbach : Ein Biobauer braucht Toleranz

Vor 25 Jahren stellte der Lenßenhof auf Bio um. Landwirt Joachim Kamphausen hat das nie bereut.

Seit 25 Jahren betreibt Joachim Kamphausen auf dem Lenßenhof in Odenkirchen Biolandwirtschaft. Seitdem spritzt er nicht mehr, benutzt keinen Kunstdünger, hat aufgehört, im Winter umzupflügen. Das hat vieles verändert. Den Boden zum Beispiel. Kamphausen ist sicher: Er würde die Erde von damals sofort von der heutigen unterscheiden können. "Der Boden ist heute viel lockerer und voller Aktivität", sagt er. "Früher brauchte man viel Kraft, um einen Spaten hinein zu stoßen, heute geht das ganz leicht."

Um das zu erreichen, musste er die Technik der Bodenbearbeitung ändern, die Fruchtfolgen anpassen, Sensibilität für den Boden entwickeln. "Ich habe zu Anfang Fehler gemacht", meint er rückblickend. "Es ist auch mal was schief gegangen." Aber bereut hat er die Umstellung nie. "Konventionell wirtschaftende Bauern sind viel stärker vom Markt mit seinen wechselnden Preisen abhängig", erklärt er. "Wir haben sichere Partner und sind sehr breit aufgestellt." Auf dem Lenßenhof werden rund achtzig verschiedene Kulturen angebaut, davon fünfzig unterschiedliche Gemüsesorten. Jedes Jahr kommt eine neue Sorte hinzu. "Ich probiere gern etwas Neues aus", sagt der Biobauer. Im vergangenen Jahr war es Haferwurz, eine Pflanze, die im 18. Jahrhundert kultiviert wurde und gut auf den schweren niederrheinischen Böden wächst. In diesem Jahr sind Flower Sprouts dazugekommen, eine gerade schwer angesagte Kreuzung aus Rosenkohl und Grünkohl, die in diesem milden Winter geerntet werden konnte.

Der Biolandbau ist Kamphausen nicht in die Wiege gelegt, die Landwirtschaft schon. Seine Eltern bewirtschaften den Lenßenhof zunächst konventionell. Der Sohn lernt den Beruf von Grund auf, besucht die Meisterschule und landet anschließend auf einem Biohof. Das fasziniert ihn, auch aus einem ganz persönlichen Grund. "Der Geruch von Spritzmitteln hat mich immer total abgestoßen", sagt er. "Genauso wie die Beize von Getreide."

Er kommt zurück auf den elterlichen Hof und beginnt auf einem Acker von insgesamt 44 Hektar mit Bioanbau, 1993 unterzeichnet er den Biolandvertrag. Heute bewirtschaftet er 25,5 Hektar Anbaufläche plus 7,5 Hektar Grünland. Der Biolandbau ist personalintensiv: Was früher sein Vater allein bearbeitet hat, braucht heute sieben zusätzliche Arbeitskräfte. Hinzu kommen weitere Mitarbeiter für die Direktvermarktung im Hofladen und auf den Wochenmärkten. "Ein Biohof schafft Arbeitsplätze", sagt er. Führt der Verzicht aufs Spritzen oder auf Kunstdünger nicht zu Ernteausfällen? Es gebe schon mal Insektenbefall, der dazu führt, dass eine Gemüsesorte teilweise ausfalle. Die Kohlmotten zum Beispiel haben einmal dafür gesorgt, dass der Blumenkohl weggemacht werden musste. "Aber in 25 Jahren ist das vielleicht fünf Mal passiert", sagt er.

Als Biobauer lerne man auch Toleranz, und die zahle sich manchmal aus. So ließ er eine Getreidesorte, die von einem Pilz befallen war, einfach stehen. Das Wetter änderte sich, der Pilz konnte sich nicht weiter verbreiten. "Der Weizen ist weitergewachsen und hatte eine gute Qualität", stellt Kamphausen fest. "Früher hätte ich die Geduld nicht gehabt." Gegen Insekten helfen sonst Netze, die die Pflanzen schützen. "Wir decken penibel ab und achten auch auf die Windrichtungen, der Wind hält die Insekten ab", sagt er. Und auch auf die Sorten, die er anbaut, muss ein Biolandwirt natürlich achten. "Wir verwenden samenfeste Sorten, die sind widerstandsfähiger und nicht so anspruchsvoll." Man muss einfach wissen, was gut wächst auf den heimischen Böden. Die Kunden schätzen neben dem Verzicht auf Chemie vor allem den Geschmack der Bioprodukte. "Viele der älteren Kunden sagen mir, dass Gemüse und Obst bei uns noch so schmecken wie in ihrer Kindheit", sagt Kamphausen.

(arie)
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