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Mönchengladbach: Ein Antrag? Nicht auf der Bühne!

Mönchengladbach : Ein Antrag? Nicht auf der Bühne!

Interview mit dem neuen Prinzenpaar Bärbel Wienen und Hartmut Gold über ihre besondere Beziehung zum Winterbrauchtum, ihre früheren Karnevalskostüme und die Schwierigkeit, authentisch zu bleiben und vor vielen Jecken lustig zu sein.

Sie werden Mönchengladbachs neues Prinzenpaar, obwohl sie relativ neu im Winterbrauchtum sind. Wer von Ihnen hat sich zu diesem Schritt entschlossen?

Gold Wir haben daran eigentlich gar keinen Anteil, wir sind durch Zufall daran gekommen.

Wie ist es dann passiert?

Gold Wir sind letzten Rosenmontag zum Feiern in den Rheydter Ratskeller gegangen und haben dort das ehemalige Prinzenpaar Haas getroffen. Georg Haas hat dann später aus Spaß gesagt, dass wir das neue Prinzenpaar werden. Wir haben da natürlich nichts drauf gegeben. Acht Wochen später hat er wieder bei uns angerufen. Und zwischenzeitlich hatten sich schon Dieter Beines und Bernd Gothe gemeldet. Nach langen Überlegungen haben wir uns dann entschieden, es zu machen.

Wie haben Sie denn bislang Karneval gefeiert?

Gold Wir haben Altweiber gefeiert und sind sonntags zum Zug in Giesenkirchen gegangen. Wir haben uns aber nicht groß kostümiert.

Wienen Ich war mal Tanzmariechen bei der KG Botterblom. Das war es aber auch schon.

Gold Wir haben uns natürlich in letzter Zeit oft die Frage gestellt, warum gerade wir es machen sollen. Ich weiß es bis heute nicht. Es gibt sicher viele andere Paare, die es gerne machen würden. Jetzt machen wir es eben. Wir fühlen uns auch geehrt, es ist eine große Aufgabe. Doch wir sind auch aufgeregt, denn noch wissen wir nicht, was genau auf uns zukommt.

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Wem haben sie es sofort erzählt, dass sie das neue Prinzenpaar werden?

Wienen Meiner Tochter, die fand es gleich toll. Unsere Eltern haben uns dagegen in der ersten Reaktion für bekloppt erklärt.

Gold Mittlerweile sehen sie das aber anders und unterstützen uns total.

Wienen Wir mussten natürlich auch mit unseren Arbeitgebern reden, denn zeitlich müssen ja viele Zugeständnisse gemacht werden.

Was machen Sie beruflich?

Wienen Ich arbeite in einem Reha-Zentrum in Viersen-Dülken. Mein Chef hat zwar nicht so das Verständnis für den Karneval. Aber er sagte, ich solle es ruhig machen.

Gold Ich bin im Vertrieb im Bereich Maschinenbau tätig. Mein Chef kommt aus Bremen und weiß noch überhaupt nicht, was das genau für ihn bedeutet.

War es schwer, das Geheimnis so lange zu wahren?

Wienen Unheimlich schwer. Besonders gegenüber den Menschen, mit denen man täglich zu tun hat.

Gold Ich habe bei bestimmten terminlichen Nachfragen immer wieder sagen müssen, dass ich bis zum 23. Juli nichts sagen kann. Mit diesem Datum verbindet ja auch niemand etwas. Zumal wir auch immer völlig wertfrei davon erzählt haben, wie wir zum neuen Prinzenpaar gemacht wurden, das für uns aber überhaupt nicht infrage kommt.

Wovor haben Sie besonders großen Respekt, wenn Sie an die Session denken?

Wienen Das Sprechen auf der Bühne wird eine große Aufgabe für uns sein. Jeder erwartet etwas Lustiges von uns, fast alles muss spontan kommen. Aber ich habe mir fest vorgenommen, deswegen keine schlaflosen Nächte zu haben.

Gold Ich bin es durch meine Arbeit durchaus gewohnt, vor Leuten zu sprechen. Aber das sind dann nicht gleich mehrere hundert Menschen. Auf diesem Gebiet haben wir keine Erfahrung.

Haben Sie sich denn bei Ihren Vorgängern noch etwas abschauen können?

Gold Wir haben sie mittlerweile mal getroffen, aber im Vorfeld haben wir nichts mitbekommen. Ihren Orden fanden wir aber sehr schön. Es ist gar nicht so einfach, da etwas Eigenes zu entwickeln. Es gibt ein paar schöne Ideen, aber noch ist nichts spruchreif.

Worauf freuen Sie sich besonders?

Wienen Auf die Proklamation, die ist immer besonders schön. Aber eigentlich wird die gesamte Session eine ganz spannende Zeit für uns.

Gold Wir freuen uns auch auf die sozialen Aktionen mit kranken Kindern in dieser Zeit. Wir engagieren uns auch sonst mit einer Spendenaktion für die Elternakademie.

Zwei der größeren Auftritte werden bei Borussia sein, im Stadion und auf ihrer Sitzung. Sind Sie Borussia-Fans?

Gold Ich fiebere schon mit, bin aber keiner, der ins Stadion geht.

Kommen Sie gebürtig aus Mönchengladbach?

Gold Ich komme aus Rheydt, mache da aber keinen Unterschied.

Wienen Ich komme aus Giesenkirchen und habe dort mein ganzes Leben gewohnt. Allerdings ziehen wir gerade nach Hochneukirch um.

Warum das?

Wienen Weil wir dort ein Haus gefunden haben, wie wir es uns immer vorgestellt haben. Zudem ist es ja nicht weit bis nach Gladbach.

Welche Hobbys haben Sie?

Gold Wir fahren beide Quad und sind mit dem Quad-Action-Team in Deutschland unterwegs. Von April bis September geht es immer in die Kiesgruben. Dort müssen wir Aufgaben bei einem Parcours bewältigen. Dann ist Geschicklichkeit gefragt.

In der Session kommt es auch darauf an, die Strapazen durchzuhalten.

Gold Das ist aber positiver Stress. Wir bekommen schließlich auch etwas von den Leuten zurück. Wenn wir uns mit ehemaligen Prinzenpaaren unterhalten, sprechen sie immer mit einem Funkeln in den Augen von der Zeit. Aber wir werden sicher mit den Kräften haushalten.

Wie halten Sie sich fit?

Gold Ich gehe zweimal in der Woche zum Physiotherapeuten und bekomme dort persönliches Training. Ich brauche jemanden, der hinter mir steht und mich antreibt. Und da ist mein Physio gnadenlos. Ansonsten gehe ich eigentlich noch laufen, doch dafür bleibt gar keine Zeit mehr.

Wienen Ich bin dagegen nicht so der Sportsfreund.

Sind Sie auch außerhalb der Session im Brauchtum aktiv?

Gold Wenn sich Menschen im Verein engagieren, sollte man sie wenigstens in der Form unterstützen, dass man zu den Festen geht. Wir haben immer das Schützenfest in Schelsen besucht, werden das auch nach dem Umzug tun. Genauso werden wir es jetzt in Hochneukirch machen. Das ist auch eine Form von Integration. Zudem feiere ich gerne. Und nicht nur mit Wasser. Das wird jedoch in dieser Session sicher etwas anders sein.

Wie haben Sie sich überhaupt kennengelernt?

Gold An einem Karnevalssonntag an einer Bushaltestelle in Giesenkirchen. Das war vor acht Jahren.

Wienen Wir kannten uns überhaupt nicht, haben aber gemeinsame Bekannte. Die haben sich jedes Jahr an dieser Bushaltestelle getroffen um zum Karnevalszug zu gehen. Diese Bekannten haben dann später auch dafür gesorgt, dass wir irgendwann einmal uns an der Theke gegenüber standen.

Sie sind allerdings nicht verheiratet. Wird es während der Session einen Antrag geben?

Gold Nein, die große Bühne ist nicht unser Ding. Diese Frage hat aber allen beim Spargel-Essen des MKV auf den Nägeln gebrannt. Ich habe sie aber beantwortet, bevor sie jemand ausgesprochen hat.

Würden Sie denn Ja sagen, wenn er sie auf einer Bühne fragt?

Wienen Ich würde ihm wohl vor sein Schienbein treten. Aber das macht er auch nicht. Er weiß doch, dass er dann mächtig Ärger bekommen würde.

Haben Sie schon Ihr Kleid anprobiert?

Wienen Ich war zum Vermessen. Es sah sehr gut aus.

Und wie hat er in Strumpfhosen ausgesehen?

Wienen Also mir hat es gefallen.

Gold Ich habe das Licht ein wenig gedämpft.

Ist Ihnen eines Ihrer früheren Kostüme besonders in Erinnerung geblieben?

Gold Als Junge war ich ganz klassisch Cowboy. Sonst war das Malermeister-Outfit noch mein ausgefallenstes Kostüm.

Wienen Wir haben einmal mit einer Gruppe ein schönes Kostüm aus einem Kartoffelsack gemacht.

Träumen Sie schon vom Veilchendienstagszug, wie Ihnen die Leute zujubeln?

Wienen Dafür gibt es noch zu viel zu tun, die Vorbereitung steht noch im Vordergrund.

Gold Ich wollte zwar nun Mitglied in der Rheydter Prinzengarde werden und immer mal auf einem Wagen stehen und Kamelle schmeißen. Aber ich habe nicht gedacht, dass mir mal so ein Wagen gehören wird.

Werden Sie auch singen?

Gold Das wissen wir noch nicht.

Was spricht dagegen?

Gold Auf jeden Fall meine Stimme. Ich war zwar Mitglied im Rheydter Kinder- und Jugendchor, doch das hatte sich nach dem Stimmbruch erledigt.

Wienen Ich habe nie gesungen. Noch haben wir das nicht entschieden. Aber wir haben ja auch noch ein bisschen Zeit.

Als welches Paar möchten sie den Gladbacher Karnevalisten in Erinnerung bleiben?

Gold Das ist eine schwierige Frage, darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Wir möchten natürlich in positiver Erinnerung bleiben. Aber wir wissen auch, dass wir es nicht allen recht machen können.

Wienen Mir ist es wichtig, dass ich so bleibe, wie ich bin. Ich möchte mich auf der Bühne nicht verbiegen.

Im Karneval ist es grundsätzlich von Vorteil, lustig zu sein. Und Sie: Sind Sie lustig?

Gold Gegenfrage: Wie haben wir uns geschlagen?

Wir fanden es sehr unterhaltsam.

Gold Im kleinen Kreis funktioniert es auch ganz gut. Auf der Bühne wird es am Anfang sicher etwas holprig sein. Aber wir werden uns gegenseitig unterstützen. Und dann hoffen wir, dass es den Leuten gefällt und sie zufrieden mit uns sind.

Ralf Jüngermann, Jan Schnettler, Laura Lotz und Thomas Grulke führten das Gespräch

(togr)