Mönchengladbach: Ehestreit-Prozess: Keine U-Haft mehr

Mönchengladbach: Ehestreit-Prozess: Keine U-Haft mehr

Im weißen Kopftuch nahm die 29-jährige Marokkanerin am ersten Prozesstag auf der Anklagebank Platz. Wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung muss sich die Mutter von zwei Kindern vor dem Mönchengladbacher Schwurgericht verantworten. Nach einem heftigen Ehestreit soll die Angeklagte am 30. September vergangenen Jahres auf den Ehemann mit einem Haushaltsmesser eingestochen haben. Der aus dem Irak stammende Ehepartner erlitt dabei eine Bauchwunde – ohne Verletzung innerer Organe. Ein Nachbar half dem Opfer und rief einen Krankenwagen.

Zu Prozessbeginn schilderte die 29-Jährige einen ungewöhnlichen Lebenslauf, der die junge Frau im September 2001 nach Deutschland geführt hatte. Sie stamme aus einer marokkanischen Familie mit acht Schwestern und zwei Brüdern. Die ersten fünf Mädchen seien von den Eltern, wie in Marokko üblich, verheiratet worden. Nach der Geburt der ersehnten Söhne verhalf die Mutter der Angeklagten und zwei Schwestern zur Schulausbildung mit Abitur. Danach wollte die junge Frau in Deutschland studieren. Ein Bruder, der in Frankfurt lebt, wollte sie dabei unterstützen. Mit einem Touristenvisum für drei Monate reiste sie ein. Aber dann versagte die Marokkanerin in den vorgeschriebenen Deutsch-Prüfungen. Sie bekam kein Studentenvisum und hätte die Bundesrepublik wieder verlassen müssen, was sie nicht wollte. Dann hätte sie "ihr Gesicht verloren", war sich die Frau im Gerichtssaal sicher Deshalb habe sie dann den zwölf Jahre älteren Mann aus dem Irak geheiratet, so die Angeklagte. Den habe sie im Internet kennen gelernt. Doch der Ehemann habe sich eine Hausfrau erträumt und keine Partnerin, die eine Ausbildung machen wollte. Er wünschte sich Kinder – und wurde auch Vater von zwei Kindern. Die Frau sollte ein Kopftuch tragen. Offenbar waren die Wünsche der Ehepartner von einem gemeinsamen Leben sehr unterschiedlich.

Als der Ehemann arbeitslos wurde, wollte das Arbeitsamt der Marokkanerin einen sechsmonatigen Deutschkurs vermitteln. Das habe der Ehemann nicht gewollt, lieber "noch ein drittes Kind".

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Die Angeklagte schilderte jetzt nicht nur ungewöhnlich offen ihre Lebensgeschichte. Zugleich beteuerte die 29-Jährige: "Nach Marokko gehe ich nicht zurück". Nach dieser Aussage war der Staatsanwalt überzeugt, dass in ihrem Fall keine Fluchtgefahr mehr bestehe. Die Mutter von zwei Kindern wurde aus der Untersuchungshaft entlassen.

Zum Tatvorwurf wolle seine Mandantin am nächsten Prozesstermin im April aussagen, versprach Oliver Meier, der Verteidiger der Angeklagten.

(RP)