Mönchengladbach: Ehemann wegen Vergewaltigung vor Gericht

Mönchengladbach : Ehemann wegen Vergewaltigung vor Gericht

Nachdem ein afghanisches Paar nach Mönchengladbach gekommen war, verging sich der Mann mehrmals an seiner Ehefrau. "Das war mein gutes Recht. Ich habe nach den Regeln des Islam geheiratet", sagte der 40-jährige Angeklagte vor Gericht.

Am 23. August vergangenen Jahres hatte die 25-jährige Mutter von vier Kindern aus dem Mönchengladbacher Übergangswohnheim die Polizei gerufen und ihren Ehemann (40) angezeigt. Ihr Mann, der wie sie aus Afghanistan stammt, habe sie schon mehrmals mit Gewalt zum Beischlaf gezwungen. Danach wurde die Frau mit den Kindern ins Frauenhaus gebracht.

Bereits am ersten Prozesstag hatte der Angeklagte die Geschichte seiner Familie vor dem Kriegshintergrund in Afghanistan geschildert. Im Iran habe er als 27-Jähriger seine Frau geheiratet. Jahre später verließ die Familie den Iran und landete zunächst in Griechenland. Mit drei Kindern kam die Frau bereits im Dezember 2011 nach Deutschland. Der Ehemann konnte mit der ältesten Tochter erst im April 2013 einreisen. Bereits kurz nach der Ankunft in Mönchengladbach soll der 40-Jährige die Mutter seiner Kinder vergewaltigt haben.

Doch das wollte der Angeklagte im Prozess vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts keineswegs zugeben. Allerdings habe er seine Frau geschlagen. Das sei ein Fehler gewesen. Auch gestern war der Mann überzeugt: "Das hat sie nicht gesagt, dass sie nicht will". Aber seine Ehefrau habe sich in Deutschland sehr verändert: "Sie wollte kein Kopftuch tragen." Doch die Ehefrau hatte bereits am ersten Prozesstag den Angeklagten belastet und einzelne Übergriffe geschildert. Im Krankenhaus hatten Ärzte keine sichtbaren Vergewaltigungsspuren, aber frische Blutergüsse und Prellmarken am Körper der 25-Jährigen festgestellt.

Am 2. September 2013 hatte der Angeklagte ein Schreiben an das Mönchengladbacher Polizeipräsidium gerichtet, das ein Bekannter ins Deutsche übersetzt hatte. Darin rechtfertigt sich der Angeklagte und bedauert sich zugleich: "Ich wurde aus der Wohnung geworfen und obdachlos." Das sei keine Vergewaltigung gewesen, sondern sein gutes Recht. Er habe die Frau doch nach den Regeln des Islam geheiratet. Die Frau habe die islamischen Gesetze verletzt. "Die Schuldige ist meine Frau. Ich verlange von ihr, dass sie das macht, was ich ihr sage." Die Mutter seiner Kinder habe ihm gesagt, sie sei krank, er solle sich eine andere Frau nehmen. "Ja, wofür sind denn dann Ehefrauen überhaupt da?", hieß es in dem Schreiben, das der Angeklagte unterschrieben hat.

Als gestern bekannt wurde, dass die Ehefrau des Angeklagten inzwischen von Scheidung spricht, reagierte der 40-Jährige völlig fassungslos. Die Dolmetscherin musste die Schreie des Mannes, "Wozu sitze ich noch hier, das habe ich nicht gewusst", übersetzen.

(RP)
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