Interview: Aktion Rp-Sommer: Durch Mondlandschaft zum Riesenbagger

Interview: Aktion Rp-Sommer : Durch Mondlandschaft zum Riesenbagger

Bei der RP-Sommeraktion fuhren unsere Leser diesmal mitten ins Abbaugebiet Garzweiler. Unter sachkundiger Führung einer Bergbauingenieurin lernten sie das Innenleben des Tagebaus kennen. Besonders die Bagger imponierten.

Von außen sieht der Bus aus wie ein zu groß geratener Geländewagen, einer von der Sorte die beim Autoquartett immer gewinnen. Und als sich das Ungetüm in Bewegung setzt, bittet Franziska Steinigen, man möge sich doch anschnallen und weil man nicht unhöflich sein möchte, folgt man gern. Die Straße ist asphaltiert und unbefahren, sogar privat, es gibt nicht mal Verkehr, der kreuzt. Also wieder abschnallen, Frau Steinigen wird's schon nicht bemerken. Das bisschen Fahrerei! Was ein Irrtum.

Erinnerungsfotos werden auch geschossen (rechts) - nicht zu knapp. Foto: Klas Libuda

Die Rheinische Post hatte zur Tour durch den Tagebau Garzweiler geladen, und "durch" ist durchaus wörtlich zu nehmen. Einmal quer durch das Abbaugebiet ging es für unsere Leser, vom Info-Center in Grevenbroich, vorbei am Verladebahnhof, parallel zum RWE-eigenen Schienennetz mitten rein. In den Kies.

Die Strecke wird holpriger und ist bald ein einziges Holpern. Später wird Franziska Steinigen fragen, ob es denn noch allen gut gehe. "Oder ist irgendwem schon schlecht?" Alles gut. Aber angeschnallt ist man doch lieber wieder.

Blick aus dem Bus, der mitten ins Abbaugebiet Garzweiler fuhr. Foto: Klas Libuda

Steinigen ist 26 Jahre, arbeitet seit dem vergangenen Jahr für RWE in Garzweiler, sie ist diplomierte Bergbauingenieurin und weiß, wovon sie spricht. 300.000 Tonnen Kohle würden links und rechts stets vorgehalten, erzählt sie, da geht es gerade durch die Bunkerschiffe, in denen die Kohle gelagert wird. "Sieht erstaunlich schwarz aus", bemerkt einer, also lässt Steinigen ein Stück Braunkohle herumgehen. Aus der Nähe sind die braunen Stippen deutlich zu erkennen.

Die Ingenieurin erklärt: "Je tiefer die Kohle liegt, desto höher die Qualität." Denn weiter unten ist sie größerem Druck ausgesetzt, das erhöht den Kohlenstoffanteil. Darum würden im Tagebau keine Briketts gewonnen. Für das, was später als Strom aus der Steckdose kommt, reicht es aber allemal.

Steinigen hat ein Mikrofon, manchmal beginnt sie Sätze mit "Hier links sehen Sie" oder "Hier rechts". "Wie bei einer Safari", sagt RP-Leser Erich Bremer, und ist mit diesem Eindruck nicht allein. Denn nach kurzer Zeit öffnet sich der Blick übers Abbaugebiet, das an seinen renaturierten Ausläufern aussieht, wie die unendliche Weite der Steppe.

"Wie eine Mondlandschaft", findet Peter Monschau. Das Garzweiler-Innenleben haben die meisten noch nicht gesehen. "Dabei sind wir ja fast Nachbarn ", sagt Peter Radtke. "Mit dem Thema haben wir uns sicher alle schon mal auseinandergesetzt."

Denn natürlich sind die Besucher auch kritisch: Die Eingriffe in die Umwelt, die Garzweiler nötig macht, machten ihnen Sorgen, erzählen sie. Auch die Dörfer, die dem Tagebau weichen mussten, sind ein Thema. Zugleich ist die Imposanz des Abbaugebiets überwältigend, steht man mitten drin - vor einem der großen Schaufelradbagger.

13 500 Tonnen wiegt etwa der Bagger 288, "der Zwei-Achtundachtzig", wie Franziska Steinigen sagt. 21,6 Meter misst allein die Schaufel im Durchmesser, 200 Millionen Mark hat das Gefährt einst gekostet. 240 Meter ist der Bagger lang. Einen größeren gibt es auf der Welt nicht.

"Bisher sind wir immer nur mit dem Fahrrad zum Aussichtspunkt gefahren", erzählt Regina Jeuken, "aber wenn man hier mitten drin steht, ist das schon sehr beeindruckend." Denn anders als "normale" Besuchergruppen durften sich die RP-Leser mitten in Garzweiler einmal die Beine vertreten.

Vor dem Bagger 262 wird gestoppt, bei laufendem Betrieb. Aus nächster Nähe ist nun zu bestaunen, wie sich der Bagger durch die Gestein-Schichten arbeitet.

Als alle Erinnerungsfotos geschossen sind und sich der Bus erneut in Bewegung setzt, fährt er kurzerhand unter dem Riesenbagger hindurch. Dieser Bus, das Ungetüm, wirkt nun wie ein Spielzeugauto.

(RP)