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Prozess in Mönchengladbach: Drei Jahre Haft: Sohn ließ die Mutter unversorgt

Prozess in Mönchengladbach : Drei Jahre Haft: Sohn ließ die Mutter unversorgt

Ebenso emotionslos wie bisher im gesamten Prozess vor dem Mönchengladbacher Schwurgericht reagierte der Angeklagte (41) auch am Montag, als das Urteil verkündet wurde. Wegen Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen muss der 41-Jährige, der bisher noch nie aufgefallen war, für drei Jahre und neun Monate ins Gefängnis.

Die Staatsanwältin hatte dem Mönchengladbacher vorgeworfen, sich seit Juni 2010 bis zum 24. Januar 2011 nicht ausreichend um seine 82-jährige bettlägerige Mutter gekümmert zu haben. Die Mutter lebte allein in einem Rheindahlener Einfamilienhaus. Der Bruder des Angeklagten, der mit ihr zusammengewohnt hatte, war gestorben.

Offensichtlich sorgte der Sohn nicht für eine angemessene medizinische Versorgung der 82-Jährigen. Lediglich die 15-jährige Enkelin kümmerte sich um die Oma, bevor sie morgens zur Schule ging. Am 22. Januar 2011 rief die Schülerin die Rettungskräfte. Die völlig unterkühlte Seniorin kam mit großflächigen Wunden und Läusebefall auf dem Kopf ins Krankenhaus Für die 82-Jährige kam jede Hilfe zu spät. Zwei Tage später starb sie im Krankenhaus an einer Lungenembolie.

Er müsse doch gemerkt haben, dass die verwirrte und kaum noch ansprechbare Mutter ins Krankenhaus musste", hielt der entsetzte Vorsitzende des Schwurgerichts am Montag dem Angeklagten vor: "Es war mitten im Winter, die Heizung war aus. Die Frau war völlig unterkühlt". Man habe kein Geld für das notwendige Öl gehabt, antwortete der damals arbeitslose Sohn unbeeindruckt. Auch die Frage des Richters,ob er denn den Verwesungsgeruch im Raum nicht wahrgenommen habe, beantwortet der Sohn mit einem hilflosen Kopfschütteln. Tatsächlich soll der Verwesungsgeruch damals so stark gewesen sein, dass die Rettungskräfte das Haus mit Schutzanzügen betraten, in dem sie die 82-Jährige hilflos am Boden fanden.

Ein psychiatrischer Sachverständiger attestierte dem Angeklagten eine intellektuelle Minderbegabung und eine Persönlichkeitsstörung. Einsichtsfähig sei der 41-Jährige gewesen, aber in seiner Steuerungsfähigkeit eingeschränkt, so das psychiatrische Gutachten. Auch am Ende des Prozesses fand der Sohn kein Wort des Bedauerns.

(RP)