Mönchengladbach: Dorthausen: Reaktionen auf Vandalismus

Mönchengladbach: Dorthausen: Reaktionen auf Vandalismus

Viele Menschen im Ort verurteilen die Tat Unbekannter, die alle Schlösser der Kirchentüren unbenutzbar machten. Die Geistlichkeit freut sich über eine dennoch würdige Messe draußen. Andere fanden die zerstörerische Aktion prima.

Gemeindeschwester Stefanie Kalleborn ist am Tag danach immer noch sehr betroffen. "Das ist mir ordentlich tief gegangen", so drückt sie es aus. Der Tag danach meint den Tag nach der allerletzten Messe, die in St. Christophorus am Sonntag gefeiert wurde - allerdings ganz anders als geplant. In der Nacht zuvor hatten bisher Unbekannte die Schlösser an allen vier Kirchentüren zerstört. Pfarrer Harald Josephs, Schwester Stefanie und der aus Aachen angereiste Dompropst Helmut Poqué mussten rasch einen Entschluss fassen. "Und heute weiß ich, unsere Lösung, die Heilige Messe vor der verschlossenen Kirche zu zelebrieren, war die richtige. Und darüber bin ich sehr froh", so Schwester Stefanie.

Foto: Raupold, Isabella

Viel Zeit, den Open-Air-Gottesdienst vorzubereiten, blieb nicht. "Ich habe in meinem Auto immer eine kleine Kerze, Streichhölzer, ein Gebetbuch und ein Kreuz", zählt die Gemeindeschwester auf. Pfarrer Josephs und der Domprobst führen auch grundsätzlich Liturgisches mit sich. Und so wurde Helmut Poqué mit dem einzig verfügbaren Gewand bekleidet, der Pfarrer legte sich eine Stola über das Freizeithemd.

Um alles andere kümmerten sich die Nachbarn. Die Wirte vom schräg gegenüber liegenden Bistro WT, Michael Wilske und Karl-Heinz Theloy, stellten einen Tisch als Altarersatz zur Verfügung, außerdem Stühle und Holzbänke. "Und dann haben sie mir noch eine Vase mit einer Rose mitgegeben", sagt Schwester Stefanie. Auch die Nachbarschaft schleppte Stühle vor die Kirche. Und dann verrät sie noch: "Die Hostienschale bei der Kommunion war der Metalldeckel einer Keksdose." Und die Fürbitten lagen unerreichbar in der Kirche. Die improvisierte Messe geriet dennoch zur würdigen Abschiedsfeier. "Bevor die Kirche gebaut wurde, haben die Dorthausener ihre Messen in einer Garage zelebriert", sagt Schwester Stefanie. "So einfach damals alles angefangen hat, so wurde es nun beendet."

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Gestern Vormittag hat der Schlüsseldienst eines der vier Schlösser wieder funktionstüchtig gemacht. Und am Nachmittag löschte Gemeindeschwester Stefanie das ewige Licht und brachte die Hostien aus dem Tabernakel von Dorthausen nach Hehn - in die Kirche St. Mariä Heimsuchung.

Die Reaktionen auf den Vorfall sind unterschiedlich. Viele Menschen sind entsetzt, andere feixen hinter vorgehaltener Hand und finden die Nacht-und-Nebel-Aktion prima. Wilfried Theißen, Präsident der Bruderschaft und Vorsitzender des Heimatvereins, der am Sonntag verhindert war, die Messe zu besuchen, äußerte sich gestern zu dem Vorfall: "Es gibt Sachen, die darf es nicht geben. Das ist kein Dummejungenstreich."

Das sieht der Kirchenvorstand auch so. Deshalb wurde unmittelbar im Anschluss an die heilige Messe am Sonntag die Polizei verständigt, die vor Ort den Schaden aufnahm. Außerdem wurde Strafanzeige wegen Sachbeschädigung gestellt.

(RP)
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