Mönchengladbach: Don Giovanni braucht keine Strafe

Mönchengladbach : Don Giovanni braucht keine Strafe

"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" - zitierte Regisseur Kobie van Rensburg den Münchner Komiker Karl Valentin und machte so das in großer Zahl zur Opern-Soiree im Theatercafé "Linol" erschienene Publikum mit den komplizierten Vorbereitungen für die "Don Giovanni"-Premiere am Sonntag bekannt.

Der von der Bühnenarbeit spürbar begeisterte Theatermann hatte bereits vor drei Jahren mit einer fantasievollen Deutung des "Figaro" für viel Aufmerksamkeit gesorgt - nun widmet er sich einer späteren, ernsteren Oper von Wolfgang Amadeus Mozart.

"Der Untertitel 'Der bestrafte Wüstling' gefällt mir gar nicht", erläuterte der gebürtige Südafrikaner, "mir geht es um die Frage, wie eine Gesellschaft auf das in keiner Weise angepasste Verhalten Don Giovannis reagiert. Er, dem alle Frauen zu Füßen liegen und den auch die Männer bewundern, weil sie insgeheim gerne so sein würden wie er, kennt keine Konventionen, doch selbst für ihn ist mit dem Mord am Komtur die Toleranzgrenze überschritten".

Für die Titelpartie gab es viele Vorsingen, schließlich entschied man sich für den Niederländer Martin-Jan Nijhof, der sowohl optisch als auch bezüglich seiner hervorragenden stimmlichen Qualitäten eine optimale Verkörperung des "eher eleganten und nicht plumpen Verführers" (van Rensburg) verspricht.

Der Regisseur arbeitet diesmal mit selbst erstellten Video-Projektionen, und - wie beim Figaro - läuft der deutsche Text der in italienischer Originalsprache gesungenen Oper meist nicht auf der Übertitelungsanlage, sondern erscheint möglichst in der Nähe der handelnden Personen. "Wir möchten lebendiges Theater machen, Sie sollten aktiv sein und hoffentlich immer gerne wiederkommen", wandte sich der Regisseur an seine Zuhörer. Dann verabschiedete der Regisseur sich, da parallel zur Einführung die Bühnen-Orchesterprobe stattfand.

Gewohnt kompetent und für alle verständlich übernahm nun Produktionsdramaturgin Ulrike Aistleitner das Mikrofon und wandte sich der Musik des Werkes zu, da Alexander Steinitz, der musikalische Leiter, nicht abkömmlich war. "Der 'Don Giovanni' besteht zu einem gewichtigen Teil aus Rezitativen, die die Handlung vorantreiben und unbedingt lebendig gestaltet werden müssen. Für deren Erarbeitung haben wir uns besonders viel Zeit gelassen, und wir sind froh, dass der musikalische Leiter Steinitz selbst am Cembalo begleitet, so ist alles in einer Hand", informierte Aistleitner. Eine Fantasiefigur wurde dem Ensemble noch hinzugefügt - Django, neben dem Diener Leporello ein weiterer Begleiter Don Giovannis. Der Engländer Andrew Maginley, spielt, wissend um historische Aufführungspraxis, ausgezeichnet Mandoline:. Eine hier noch unbekannte Sängerin ist Gesche Geier vom Theater Passau, die als Donna Anna ihr Rollendebüt gibt.

Premiere am Sonntag, 12. Oktober, 19.30 Uhr; Don Giovanni: Martin-Jan Nijhof, Don Ottavio: Michael Siemon: Donna Anna: Gesche Geier; Donna Elvira: Debra Hays; Leporello: Andrew Nolen; Zerlina: Susanne Seefing; Masetto: Matthias Wippich; Komtur: Bondo Gogia.

(oeh)