Mönchengladbach: Digitale Strategie muss klar erkennbar sein

Mönchengladbach: Digitale Strategie muss klar erkennbar sein

Beim Santander-Atrium-Dialog ging es um die Herausforderungen der digitalen Transformation.

"Jede Bank braucht eine digitale Strategie, und die muss klar erkennbar sein". Diese Kernforderung erhob jetzt Mathias Kaldenhoff, Leiter Solution Business Development von SAP, beim zweiten Santander- Atrium-Dialog in der Firmenzentrale in Mönchengladbach.

Unter der Moderation von Politikjournalistin Margaret Heckel diskutierten Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft über die Chancen und Risiken der digitalen Transformation und ihre Auswirkungen auf die Finanzbranche. Und die sind immens: Eine kurze Umfrage unter den rund 80 Zuhörern ergab, dass viele von ihnen schon Kredite im Internet abgeschlossen und die Bank nur aufgesucht hatten, um eine Unterschrift zu leisten. Überweisungen werden schon lange online oder per App getätigt. Und nachdem der Wirtschaftsweise Peter Bofinger aktuell die Diskussion angestoßen hat, das Bargeld zugunsten von Mobile Payment abzuschaffen, sahen die Diskussionsteilnehmer die Kernkompetenzen der Banken in Gefahr.

"Längst hat Apple mit dem Mobile Payment den Banken die Butter vom Brot genommen", sagte Prof. Michael Rotert, Vorstandsvorsitzender im Verband der deutschen Internetwirtschaft. Mittlerweile seien andere Firmen online im traditionellen Bankengeschäft unterwegs. Die Banken müssten eine Entscheidung treffen: Konzentrieren sie sich auf die Endkunden in den Filialen vor Ort, bleiben sie Universalbank oder spezialisieren sie sich auf Nischenprodukte? "Solange der Weg nicht klar ist, bleibt die Digitalisierungsstrategie offen", so Prof. Michael Rotert. Dabei dürfe die Bank nicht zum Getriebenen werden, warnte Mathias Kaldenhoff. "Wie in einem Dreieck müssen die Zug- und Druckkräfte zwischen Geschäftsstrategie, Anwendern und IT ausgewogen bleiben." Auch für José María Echanove, Vorstandsmitglied der Santander-Consumer Bank, ist die Digitalisierung die größte Herausforderung für die Banken. Denn insbesondere in den USA sitzen zahlreiche Start-up-Unternehmen, die offensiv auf den Finanzsektor drängen und Nischen besetzen. Dass Cyber-Attacken die Finanzwelt ernsthaft in Gefahr bringen könnten, sahen die Teilnehmer der Diskussionsrunde allerdings nicht. Gleichwohl sei es unerlässlich, in die IT-Sicherheit zu investieren, mahnte Thomas Jarzombek, MdB der CDU.

Eine digitale Grunderziehung in den Schulen hält Professor Tobias Kollmann, Inhaber des Lehrstuhls für E-Business und E-Entrepreneurship an der Universität Duisburg-Essen, für absolut unerlässlich. Er wünscht sich statt Computerräumen allerdings Tablets für jeden Schüler. Einen Grundkurs in disruptivem Denken forderte schließlich ein Zuhörer: Das heißt, klassische Abläufe zu hinterfragen, durch Innovationen neue Märkte zu erschließen oder neue Anwendungsbereiche für klassische Segmente zu entwickeln.

(drlp)
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