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Mönchengladbach: Die tragische Geschichte von Elsa und Lohengrin

Mönchengladbach : Die tragische Geschichte von Elsa und Lohengrin

Diese Oper ist ein echter Kracher. Das machte Hans-Martin Gräbner in seinem musikalischen Vortrag kenntnisreich und mit viel Humor deutlich.

Wahrscheinlich wurde diese Oper noch nie mit so viel Kenntnis, so viel Esprit, so viel Humor, so viel Musikalität und so kurzweilig erklärt. Wagner - Lohengrin - schwere Kost: Das mag mancher gedacht haben, der sich auf den Weg ins Theater gemacht hatte, um sich rechtzeitig vor der Premiere (am Samstag, 17 Uhr) mit dem großen Stück Musikgeschichte vertraut zu machen oder seine Kenntnisse aufzufrischen. "Lohengrin #analytisch" hieß der erste Abend von sechs, die die Oper und ihre Aufführungen auf der Mönchengladbacher Bühne begleiten. Der Musikwissenschaftler, Dirigent, Musiktheaterproduzent und Komponist Hans-Martin Gräbner war eigens aus Bayreuth angereist, um im ausverkauften Studio des Theaters Begeisterung für Richard Wagner und sein Werk zu wecken. Es gelang. Wahrscheinlich hat der große Komponist an diesem Abend etliche neue Fans gefunden.

Foto: Theater Krefeld

Hans-Martin Gräbner, der seine Vorträge "Wagners Werke wirklich verstehen" titelt, schwärmte von dem Vorspiel zur Oper, das so leicht, so lebendig, atmosphärisch und erstaunlich modern daherkommt. Auf dem Flügel spielte er das wunderbare Stück an und und überließ es den Zuhörern, sich das Flirren der Geigen, das die Eröffnung der Oper so unverwechselbar macht, vorzustellen. Der Experte plauderte über den Menschen und den Komponisten Wagner, der während eines Kuraufenthalts 1845 in Marienbad, der allein der Erholung dienen sollte, allen ärztlichen Ratschlägen trotzte und das Exposé zur Oper schrieb und die Texte dichtete. Er berichtete, dass Wagner die Orchestrierung des Lohengrin von hinten nach vorne entwickelte. Gräbner erzählte, dass Richard Wagner wegen seiner aktiven Teilnahme an der Revolution von 1849 steckbrieflich gesucht wurde und in die Schweiz floh. Und dass, dies der Grund war, warum er die von Franz Liszt dirigierte Uraufführung am 28. August 1850 in Weimar verpasste.

Die Handlung der Oper, so wie Hans-Martin Gräbner sie erzählte, wird zu einer tragisch-anrührenden Geschichte, die sich um die "Bösen", Ortrud Telramund, und die "Guten", Elsa und Lohengrin rankt. Speziell Ortrud kommt bei Gräber nicht gut weg. Ist sie es doch, die die Lüge, Elsa habe ihren Bruder Gottfried getötet, in die Welt setzt. Worauf Telramund sich von ihr, die er ehelichen wollte, abwendet zugunsten der bösen Ortrud. Immer wieder brachte Gräbner auf dem Klavier und stimmlich Beispiele aus der Oper - wunderbar. Niemand mag glauben, dass Elsa, das zarte Mädchen, schuldig ist. Ein Gottesurteil soll die Wahrheit ans Licht bringen.

Da taucht Lohengrin auf. Er besiegt Telramund und gewinnt Elsa. Die ihn auf keinen Fall fragen darf, wie er heißt und woher er kommt. Was sie dann - wegen der üblen Einflüsterungen von Ortrud - am Ende doch tut. Es kommt, wie es kommen muss. Lohengrin tötet Telramund, der ihn in der Hochzeitsnacht bedroht. Und er nennt seinen Namen - tatsächlich erst ganz am Ende der Oper. Er muss zurück in den Gral, von wo aus er entsandt wurde, um eine irdische Frau zu ehelichen. Es stellt sich heraus, dass Gottfried gar nicht tot ist. Ortrud sinkt tot zu Boden, und auch Elsa stirbt.

Ein echter Kracher, diese Oper. Davon hat Hans-Martin Gräbner die Zuhörer überzeugt.

Heute besteht ab 18 Uhr die Gelegenheit, eine Probe zu besuchen; Tickets (11,50 Euro) unter der Nummer 02166 6151-100.

(isch)